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Steinheimer und Kesselstädter beäugen die HSG Hanau trotzdem weiter kritisch

„Sportlich und finanziell die richtige Entscheidung“

Hanau - Die Motive zur Gründung der Handballspielgemeinschaft (HSG) Hanau waren einleuchtend. Die TS Steinheim hatte eine herausragende Jugendarbeit, der TV Kesselstadt war im Aktivenbereich erfolgreicher und 2009 gerade in die Landesliga aufgestiegen. Von Jörg Moll

© osdp

Zerreißprobe: Der Trainerwechsel bei der in der Bundesliga spielenden A-Jugend (Mitte: Moritz Lambrecht) hätte fast dazu geführt, dass die HSG Hanau geplatzt wäre. Die TS Steinheim und der TV Kesselstadt haben aber auch diese Hürde genommen.

So revolutionär die Idee zur Kooperation zweier Traditionsvereine jedoch war, so groß waren die Widerstände. Zweieinhalb Jahre später ist die Findungsphase abgeschlossen, die Ressentiments sind aber längst nicht ausgeräumt.

„Wir haben unsere Standpunkte - und die sind nicht immer dieselben“, sagt der heutige Vorsitzende Uwe Just, der gleichwohl betont: „Die Gründung der HSG Hanau war sportlich und finanziell die richtige Entscheidung.“ Doch Zündstoff gibt es immer noch. Daran ändern auch die Erfolge wenig. Die erste Mannschaft ist in der Landesliga Erster, die A-Jugend spielt in der Bundesliga, die B-Jugend steht vor der erneuten Qualifikation für die A-Jugend-Bundesliga.

Bestes Beispiel dafür, wie fragil das Konstrukt noch immer ist, war die Trennung von den langjährigen Erfolgstrainern Erwin Kempf/Wulf Just im Sommer. Nachdem Teile der Mannschaft und des Vorstandes eine Neubesetzung des Trainerpostens für die A-Jugend gefordert haben sollen, war der Aufschrei groß. Schließlich ging es um zwei echte Urgesteine der TS, die beide in den großen Steinheimer Zeiten aktiv waren und die Nachwuchsabteilung maßgeblich geprägt hatten. Uwe Just musste sich entscheiden, ob er die Freistellung seines Bruders akzeptierte oder ihm zur Seite sprang. „Wenn ich mich nachdrücklich für Wulf ausgesprochen hätte, hätte die HSG platzen können“, sagt der 46-Jährige.

Trainerwechsel wurden zur Zerreißprobe

„Uns ging es in dieser Zeit allen schlecht“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Stephan Pillmann: „Das war die erste echte Zerreißprobe.“ Der Familienfrieden in der Steinheimer Handball-Dynastie Just ist gestört. „Glücklich bin ich noch immer nicht damit“, sagt Uwe Just. Zu gerne würde er es sehen, wenn sein Bruder und Erwin Kempf wieder im Jugendbereich tätig wären: „Mit ihnen haben wir zwei gute Trainer verloren.“

Schon die ersten Annäherungen zwischen den Handballern der TS Steinheim und dem TV Kesselstadt hatten konspirative Züge. „Wir haben uns auf neutralem Boden in Klein-Auheim getroffen“, erzählt Pillmann. Mit Jörn Winter, damals Jugendleiter der TS, forcierte er die Blitz-Ehe. Im November 2008 fand das erste Treffen statt. Im Sommer 2009 liefen von den Männern bis zur F-Jugend alle Teams als HSG Hanau auf. Bis dahin war ein Marathon an Sitzungen und Vertragsunterschriften absolviert und zudem intensive Überzeugungsarbeit in beiden Klubs geleistet worden. „Es gab unzählige Beleidigungen“, erinnert sich Pillmann und räumt im Rückblick ein: „Wir sind auch etwas blauäuig rangegangen, weil wir von der Idee waren.“

In den Mitgliederversammlungen der zwei Klubs wurde lebhaft diskutiert. Nachdem der damalige Steinheimer Abteilungsleiter Uwe Just im Falle eines Scheiterns mit Rücktritt gedroht hatte, fiel das Votum der TS-Mitglieder eindeutig aus. Ganz anders in Kesselstadt, wo fast ein Viertel der Mitglieder gegen die Fusion war. „Wir hatten einige Austritte“, sagt Pillmann: „Aber mittlerweile sind sehr viele neu dazu gekommen.“ „Die Entscheidung zur Fusion war richtig“, sagt Just. So habe der Vereinsname Hanau auch in finanzieller Hinsicht neue Chancen eröffnet.

Ein besonderes Konstrukt

Das Konstrukt HSG Hanau ist auch heute noch ein besonderes. Das lässt sich auch am Briefkopf ablesen: HSG Hanau TV Kesselstadt/Turnerschaft Steinheim steht dort. Wer bei der HSG Hanau spielen will, muss in einem der Stammvereine Mitglied sein - und in der HSG. Passive Mitglieder zahlen ihren Beitrag nur im Stammverein. Je drei von den Altvereinen bestellte Vorstandsmitglieder bilden die Spitze der HSG. Gespielt wird in der Steinheimer Doorner Halle und der Otto-Hahn-Schule in Kesselstadt. Eine eigene Geschäftsstelle gibt es nicht. Sitzungen finden in den Räumen der Turnerschaft und beim TVK statt. „Die Mannschaft geht in beiden Lokalen aus“, sagt Pillmannin schmunzelnd.

Rund 300 Mitglieder hat die HSG, die meisten davon im Nachwuchsbereich. Dort vollzog sich der Wandel am schnellsten. Daran erinnert sich auch Pillmann gerne. 2009 habe er bei einem Spiel der C-Jugend um die Südwestdeutsche Meisterschaft auf der Tribüne der Doorner Halle gesessen. „Als dann Hanau-Rufe angestimmt wurden, war das völlig ungewohnt. Aber ich habe gespürt: Hier bewegt sich was.“

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