Superbanner

8. und letzter Teil der Serie „Sport, Schule und Verein“: Ein Lehrer berichtet

Unbeliebtes Schwimmen

Offenbach ‐ Zurück zur Basis. Die Schulamtsdirektorin äußerte sich in unserer Serie bereits zum Thema Sport, Schule und Verein. Ebenso der Sportkreisvorsitzende und sein Stellvertreter, der Leiter des Schulsportzentrums, zwei Vereinsvertreter, zwei Schüler, die Schulsportkoordinatorin und der Leiter des Sportbüros. Fehlt noch ein Lehrer. Von Holger Appel

Schwimmen

© imago

Schwimmen - für viele Schüler eine unbeliebte Sportart.

Der 36 Jahre alte Offenbacher Harald Bremes unterrichtet seit acht Jahren neben Politik und Wirtschaft auch Sport an der Leibnizschule. Zurzeit in der Oberstufe, in den Klassen elf, zwölf und 13.

Harald Bremes, wie viele Schulstunden Sport stehen zurzeit pro Woche auf Ihrem Lehrplan?

Sechs Stunden, also zwei pro Jahrgangsstufe.

Ist das nicht ein bisschen wenig?

Das ist von der Schulleitung festgelegt. Die drei Stunden Sport pro Jahrgangsstufe, an die Sie denken, sind nur für die Mittelstufe vorgesehen. Aber auch da lässt sich das nicht immer durchsetzen. Die gibt es bei uns in den Klassen sieben und acht in Form einer Ausdauerstunde mit Waldlauf.

Warum?

Zwei Gründe. Wir haben zwar 13 Sportlehrer, das sind bei 1395 Schülern aber noch immer nicht allzu viele. Hinzu kommen die knappen Hallenkapazitäten. Wir haben zwar zwei Hallen, aber auch sie reichen bei dieser enormen Menge an Schülern nicht aus.

Mit welchem Ergebnis?

Harald Bremes.© appHarald Bremes.

Bei uns wird angesichts der Menge der Kurse und der Schüler der Sportunterricht immer weiter nach hinten gedrängt. Der Stundenplan ist schon ziemlich zerpflückt. Teilweise geht er bis abends um 19.15 Uhr. Dabei kann man uns noch gar nicht als richtige Ganztagsschule bezeichnen. Diese Zeiten kollidieren schon jetzt natürlich mit dem Training der Vereine.

Zu den Sporthallen...

In unserer kleinen Halle kann man zwar Volleyball spielen, für Handball ist sie schon zu klein. Eine Teilung der Neubauhalle ist zwar technisch möglich, schränkt aber den Sportunterricht extrem ein. Da steht man dann mit 28 Schülern in einer Hälfte, und schon wieder ist kein Handball möglich. Das ist teilweise bitter, aber zum Glück nur die Ausnahme.

Ist Handball im Schulsport die große Nummer?

Nein, Fußball ist die Nummer eins, inzwischen auch bei den Mädchen. Generell sind alle Ballsportarten beliebt, die Lust der Schüler an Leichtathletik, Schwimmen und Turnen hält sich dagegen stark in Grenzen.

Stichwort Schwimmen.

Gerade da. Viele Schüler schämen sich offenbar, ihren Körper zu zeigen, und da meine ich nicht nur die fettleibigen Kinder. Hinzu kommt: Viele Schüler können einfach nicht schwimmen.

Und was machen Sie da?

Ich leite eine Sport-AG, in der wir Kindern der Klassen fünf und sechs erst einmal das Schwimmen beibringen. Mit dem Ziel, dass sie den Freischwimmer schaffen. Dafür müssen sie 200 Meter in einer Viertelstunde am Stück schwimmen. Das ist die Grundvoraussetzung für den Sportunterricht in der Mittelstufe, denn da gehen wir auf der Rosenhöhe ins große 50-Meter-Becken.

Klappt das?

Ja, meist mit Hilfe der Eltern, die gut zureden. Wer das nicht schafft, hat schlechte Karten. Sprich: Keine gute Sportnote in der siebten Klasse, wenn Schwimmen auf dem Lehrplan steht.

Welche Sportarten stehen bei Ihnen in der Oberstufe auf dem Programm?

In der elften Klasse wiederholen wir zurzeit Grundlagen in den Ballsportarten und in der Leichtathletik. Vor der 12. Klasse gebe ich ein Sportprofil heraus, in dem die Schüler sehen, was sie bei mir künftig erwartet. Das ist bei mir dann Basketball und Endzonenspiele wie Football, Rugby und Ultimate Frisbee. In der 13. Klasse intensiviere ich das Basketballspiel auf dem Großfeld weiter. Dazu kommt inzwischen Theorie - der größte Unterschied zu früher.

Wie ist der Zustand Ihrer Schüler?

Das größte Problem ist, dass die koordinativen Fähigkeiten zu wünschen übrig lassen. Rückwärts laufen, eine Rolle rückwärts - das ist alles leider nicht mehr selbstverständlich in der heutigen Zeit. Das sind alles Grundlagen, die man heute in der Mittelstufe auf den Übungsplan stellen muss.

Mit Erfolg?

Naja, meistens.

Haben Sie auch Leistungssportler in Ihrem Unterricht?

Ja, aus den Bereichen Eishockey, Fechten, Fußball, und Tennis.

Wie gehen Sie als Sportlehrer mit Ihnen um?

Man sieht an einem Nikolaus Bodoczi vom Fechtclub oder der Tennisspielerin Kim Berghaus sofort, dass sie Leistungssportler sind. Sie verstehen Organisationsformen der Übungseinheiten viel schneller, haben einfach bessere Voraussetzungen als die anderen Schüler. Einen Schüler wie Sascha Ries aus der A-Jugend der Kickers lasse ich unter meiner Aufsicht auch gerne mal eine Übungseinheit Fußball leiten. Einen Experten für seine Sportart aus den Reihen der Schüler also. Generell bedeutet es aber nicht, dass ein guter Ballsportler gleichzeitig aber auch ein Spitzen-Leichtathlet sein muss.

Was bereitet Ihnen als Sportlehrer besonders viel Freude?

Wenn Schüler Dinge schaffen, die sie sich zuvor selbst nicht zugetraut haben.

Zum Beispiel?

Wenn sie es schaffen, erstmals das 50-Meter-Becken auf der Rosenhöhe zu durchschwimmen. Oder im Skikurs der siebten Klasse, den ich im Januar begleite, erstmals eine Abfahrt meistern. Da sind die Kinder total euphorisch. Wenn du das Strahlen in ihren Augen siehst, freust du dich als Lehrer mit.

Worüber schütteln Sie im Sportunterricht den Kopf?

Wenn unmotivierte Schüler ständig mit Ausreden ankommen, damit sie am Unterricht nicht teilnehmen müssen. Aber man muss immer weiter versuchen, sie zu motivieren. Das kann schon nerven.

Was halten Sie von den Sport-AGs, angeboten von Trainern aus Vereinen, die mit der Schule kooperieren?

Wir haben eine Ruder AG mit der SG Wiking. Das läuft gut, da die Trainerin sehr engagiert ist. Aber generell ist es angesichts des Drucks und des hohen Lehrstoffs immens schwierig, die Schüler für freiwillige Projekte zu begeistern. Die Kinder haben keine Zeit mehr. Leider.

zurück zur Übersicht: Lokalsport

  • BlinkList
  • del.icio.us
  • Folkd
  • Furl
  • Google
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • oneview
  • Yahoo MyWeb
  • YiGG
  • Webnews
Diese Seite bookmarken bei...

Lesen Sie auch:

Berglauf: Veronika Ulrich holt Weltmeister-Titel

Veronika Ulrich Weltmeisterin im Berglauf

Offenbach (rai) - Die 44-jährige Offenbacherin Veronika Ulrich von derLG Neu-Isenburg/Heusenstamm gewann bei der in Bühlertal ausgetragenen Senioren-Weltmeisterschaft im Berglauf zusammen mit Monica Carl (LG Welfen) und Tanja Nehme (PSV Grün-Weiß Kassel) den Weltmeister-Titel in der Mannschaftswertung.Mehr...

Kommentare

Newsletter kostenlos bestellen
Die Tabellen zu allen Sportarten

Umfrage:Ihre Meinung

Die lokalen Sportartikel der Woche

  • meist gelesen
  • Themen

Türk. SC Offenbach feiert Titelgewinn mit Autokorso

Offenbach (nic) - Am 29. Spieltag der Fußball-Kreisliga A Offenbach West hat der Türk. SC Offenbach die Meisterschaft und den Aufstieg in die Kreisoberliga perfekt gemacht. Dem SC genügte nach dem 3:2-Sieg der SG Egelsbach beim ärgsten Rivalen TuS Zeppelinheim ein 3:3 gegen den FC Offenthal zum Titel.Mehr...

Polizist siegt vor „Kampfsau“

Offenbach (ey) - Eigentlich war Rolf Eckert die Strecke in Offenbach ja zu flach. „Ich mag lieber hügeliges Gelände“, meinte der 44-Jährige nach dem City Lauf. Dennoch war der Polizist, der für den TV Salmünster startet, über die Halbmarathon-Distanz klar die Nummer eins.Mehr...

Siegerlächeln. Benita Marx nach dem Turniersieg mit FCO-Ehrenpräsident Hans Hubert.

Benita Marx sorgt für den ersten Heimsieg

Offenbach (bü) - Fünf Anläufe benötigten Offenbachs Fechterinnen beim Stefan-Haukler-Gedächtnisturnier, ehe sie den ersten Heimsieg feierten. Benita Marx verließ die August-Heim-Halle als Siegerin.Mehr...

Weitere Meldungen vom Sport

FC Bayern München gewinnt gegen Oranje - Fans pfeifen Robben aus

Bayern gewinnt gegen Oranje - Fans pfeifen Robben aus

München - Der FC Bayern fährt im Freundschaftsspiel gegen die holländische Nationalmannschaft einen Sieg ein. Auffällig: Einige Fans in der Allianz Arena buhen Arjen Robben lautstark aus.Mehr...

Paris Saint-Germain: Scheichs wollen Prinzenpark abreißen

Paris Saint-Germain: Scheichs wollen Prinzenpark abreißen

Paris - Nach der knapp verpassten Meisterschaft wollen die katarischen Besitzer des französischen Fußball-Erstligisten Paris Saint-Germain buchstäblich keinen Stein auf dem anderen lassen.Mehr...

Artikel lizenziert durch © op-online
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.op-online.de

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.

SkyScraper