Die Qual der Wahl

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Schwierige Entscheidungen: „Was ist das Beste für unsere Tochter? Auf welche Schule kommt unser Kind nach der vierten Klasse?“ Christiane Küppers, Mutter von Julia, muss ein Problem meistern, das derzeit viele Eltern und Schüler beschäftigt. Von Peter Schulte-Holtey

Schwierige Entscheidungen: „Was ist das Beste für unsere Tochter? Auf welche Schule kommt unser Kind nach der vierten Klasse?“ Christiane Küppers, Mutter von Julia, muss ein Problem meistern, das derzeit viele Eltern und Schüler beschäftigt.

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Schwierige Entscheidungen: „Was ist das Beste für unsere Tochter? Auf welche Schule kommt unser Kind nach der vierten Klasse?“ Christiane Küppers, Mutter von Julia, muss ein Problem meistern, das derzeit viele Eltern und Schüler beschäftigt.

Die Obertshausenerin dachte bereits ans Angebot in der Nachbarschaft, an die Hermann-Hesse-Schule - eine kooperative Gesamtschule. Sie ist in Obertshausen die „Stadtschule“ für die Kinder, die ein Gymnasium (ohne Oberstufe), eine Real- oder eine Hauptschule besuchen wollen. Oder vielleicht sollte es doch nach Mühlheim gehen. Das „Friedrich Ebert“ ist mit gerade 800 Schülern das kleinste reine Gymnasium im Kreis Offenbach.

Von der Schulleitung wird die „soziale Kontrolle“ geschätzt, man kenne fast alle Pennäler - zumindest vom Sehen, heißt es. Die Schule bietet in der Cafeteria verschiedene Mittagsgerichte an. Eine Hausaufgabenbetreuung für die Fünftklässler gibt es auch. Bewerber müssten bei der Anmeldung auch die zweite Fremdsprache wählen, die im G8-System ab Klasse 6 unterrichtet werde. „So wird gewährleistet, dass die neuen Klassenverbände in der Mittelstufe zusammen bleiben“, so die Schulleitung.

„Wäre die Realschule nicht doch besser?“

Christiane Küppers weiß auch, dass sich ihre Tochter Julia für Sprachen interessiert. „Vielleicht spricht das ja für die Oswald-von-Nell-Breuning-Schule in Rödermark“, berichtet sie über ihr „Gedankenkarussell“. Sieben Sprachen werden an der Schule angeboten, man preist den Fachunterricht in Englisch - bilingual - an, verweist auch auf die Dokumentation der Fremdsprachenkenntnisse in einem auf europäischer Ebene standardisierten Zertifikat. Doch der Mutter kommen Bedenken: „Wäre die Realschule nicht doch besser? Vielleicht fühlt sich Julia am Gymnasium zu schnell überfordert?“

Sie wirft einen Blick auf das Angebot der privaten Marienschule in Offenbach - Gesamtschule mit Oberstufe, Berufsfachschule mit medizinisch-technischem und ernährungswissenschaftlichem Zweig. Als zweite Fremdsprache kann im Realschulzweig der Mädchenschule Französisch gewählt werden. Alternativ dazu wird in den Klassen 7 und 8 Polytechnik angeboten und in den Klassen 9 und 10 Kochen, Schneidern und Informatik. Und Julia könnte nach der Mittleren Reife ihren Weg fortsetzen: Der Abschluss der Klasse 10 berechtigt bei guten Leistungen zum Besuch der Klasse 11 der Gymnasialen Oberstufe oder einer Fachoberschule ...

Die Obertshausenerin steht stellvertretend für viele Eltern, die sich mit einer Informationsflut der Schulangebote konfrontiert sehen. Entscheidungen stehen an. Tipps:

Welchen Rat sollten Eltern und Schüler beherzigen?

Hessens Kultusministerin Dorothea Henzler: „Die Eltern sollten in erster Linie der Empfehlung der Schule vertrauen. Die Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer haben zum Zeitpunkt der Empfehlung bereits eine lange Zeit mit den Kindern gearbeitet und können sehr gut einschätzen, welche Leistung die Schülerinnen und Schüler auf einer weiterführenden Schule erbringen können. Sind die Eltern anderer Meinung als die Schule, sollten sich alle Beteiligten nochmal intensiv austauschen.

Kultusministerin Dorothea Henzler: „Wir haben in Hessen ein vielfältiges Schulsystem etabliert, das Kindern Wahlfreiheit gewährt, aber letztlich auch Durchlässigkeit garantiert.“© op-onlineKultusministerin Dorothea Henzler: „Wir haben in Hessen ein vielfältiges Schulsystem etabliert, das Kindern Wahlfreiheit gewährt, aber letztlich auch Durchlässigkeit garantiert.“Ich rate Eltern auch dringend, sich nicht allein aufs Gymnasium zu fokussieren. Wir haben in Hessen ein vielfältiges Schulsystem etabliert, das Kindern Wahlfreiheit gewährt, aber letztlich auch Durchlässigkeit garantiert. Das heißt, wenn ein Kind nach der Grundschule auf die Hauptschule wechselt, dann hat es über einen qualifizierten Hauptschulabschluss und die Berufsschule später die Möglichkeit, auf ein berufliches Gymnasium zu gehen und hier das Abitur zu machen. Integrative sowie kooperative Gesamtschulen bieten darüber hinaus die Chance, flexibel auf den Leistungsstand eines Kindes zu reagieren. Hier sind Haupt- und Realschule sowie der gymnasiale Bildungsgang eng verzahnt und letztlich alle Schulabschlüsse möglich.“

Josef Kraus, Vorsitzender des Lehrerverbands: „Man sollte darauf hinwirken, dass Eltern die Entscheidung über die Schullaufbahn ihrer Kinder nicht zum Staatsakt machen und daran denken, dass in Deutschland fast die Hälfte der Studierberechtigten nie ein Gymnasium besucht hat. Man tut einem Kind nichts Gutes, wenn man es in eine Schulform mit einem Bildungsabschluss zwängt, für den es - unter Umständen - noch nicht geeignet ist. Für Spätstarter etwa gibt es deutschlandweit neben dem Gymnasium an die 50 verschiedene Wege zum Studium. Es gibt also keine Abschlüsse ohne Anschlüsse. Das gegliederte Schulwesen ist gerade vertikal ausgesprochen durchlässig.“

Muss das Kind in Entscheidung einbezogen werden?

Schulpsychologe Reinhold Schmitz-Schretzmairglaubt, dass Zehnjährige mit dieser Fragestellung überfordert sind: „Man muss das Kind altersgemäß in die Entscheidung mit einbeziehen - also durchaus mit dem Kind reden, Argumente aufführen und die Entscheidung dann so treffen, dass das Kind die auch nachvollziehen kann. Abgesehen davon kenne ich leider zu viele Eltern, die sich mit ihrem eigenen Schulwunsch hinter dem Wunsch des Kindes verstecken. Die Kinder spüren genau, was die eigenen Eltern wünschen. Die sind dann nett und schlagen vor, was die Eltern vorher kommuniziert haben.“

Worauf ist bei Einschätzung der Begabung zu achten?

Mehmet Kusçu vom Stadtelternbeirat Hanau empfiehlt Eltern, „ein gutes Gefühl über das Verhalten und den Lernprozess ihres Kindes zu entwickeln und zu fragen: Was kann mein Kind am besten?“ Die Fähigkeiten und Talente des Kindes sollten gut ausgewertet werden.

Mehmet Kusçu vom Stadtelternbeirat Hanau rät, die Talente des Kindes gut auszuwerten. Sein Tipp: „Schulbesuch und Lernen muss dem Kind Spaß machen, Neugier muss erwachen.“© op-onlineMehmet Kusçu vom Stadtelternbeirat Hanau rät, die Talente des Kindes gut auszuwerten. Sein Tipp: „Schulbesuch und Lernen muss dem Kind Spaß machen, Neugier muss erwachen.“„Wenn man zu hohe Ziele ansetzt und das Kind in einen extremen Lernprozess zwingt, dann ist die Gefahr groß, dass es demotiviert und ein Rückfall in der Lernlust eingeleitet wird. Schulbesuch und Lernen müssen dem Kind Spaß machen, Neugier muss erwachen.“ Übrigens: Der Stadtelternbeirat in Hanau hat die Infobroschüre „Was kommt nach 4“ erstellt.

Ministerin Henzler: „Eltern sollten die Neigung ihrer Kinder berücksichtigen. Ist ein Kind eher handwerklich, naturwissenschaftlich oder  sprachlich  begabt? Lernt es gerne? Kann es sich über einen längeren Zeitraum konzentrieren? Wohin zieht es die Schulfreunde? All diese und weitere Dinge sollte man in die Wahl der weiterführenden Schule einfließen lassen ...“

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