Archäologen haben in der Pfalz Hinweise auf Kannibalismus in der Jungsteinzeit gefunden

Archäologen: Kannibalismus in der Pfalz

007.12.0907.12.09|DeutschlandFacebook
Artikel drucken|Artikel empfehlen|Schrift a / A

Herxheim - Archäologen haben in der Pfalz Hinweise auf massenhaften Kannibalismus in der Jungsteinzeit gefunden. Nun diskutieren Wissenschaftler über die Bedeutung der Knochenfunde.

© dpa

Skelettreste liegen im sogenannten Doppelgraben in Herxheim (undatiertes Archivfoto). Archäologen werten Spuren in einem 7000 Jahre alten Grab im pfälzischen Herxheim als Zeichen von Massenkannibalismus.

Wissenschaftler entdeckten bei Herxheim die sterblichen Überreste von Hunderten Menschen, wie die Fachzeitschriften “Antiquity“ und “Science News“ berichteten. Die Betroffenen seien vor etwa 7.000 Jahren möglicherweise rituell geopfert und anschließend aufgegessen worden.

Wie die rheinland-pfälzische Archäologin Andrea Zeeb-Lanz sagte, deuten Schnittspuren darauf hin, dass die Opfer nach ihrer Tötung wie Schlachtvieh zerlegt wurden. Das Fleisch sei sorgfältig von den Knochen entfernt, die Knochen anschließend zertrümmert worden, um das Mark zu entfernen.

Zeeb-Lanz geht von einer hochkomplexen Zeremonie aus, bei der Kannibalismus eine Rolle gespielt haben könnte. Allerdings sei auch nicht auszuschließen, dass die Betroffenen aus rein rituellen Gründen getötet und ihre sterblichen Überreste zertrümmert wurden, erklärte Zeeb-Lanz. Ein hieb- und stichfester Beweis für eine der beiden Thesen lasse sich nicht führen.

Der französische Archäologe Bruno Boulestin vermutet nach Angaben von “Science News“, dass es sich bei den geopferten Menschen um Sklaven, Kriegsgefangene und andere Unfreie handelte. Die zertrümmerten Knochen wurden nach Angaben der Archäologen in verschiedenen Gruben verscharrt.

Da diese Praxis nur wenige Jahrzehnte andauerte, schließt Boulestin auf eine soziale und politische Krise, die sich in einer Welle der Gewalt entlud. Die These vom Kannibalismus in der steinzeitlichen Pfalz ist unter Wissenschaftlern umstritten. Nach Angaben von “Science News“ sind die deutschen Archäologen Miriam Haidle und Jörg Orschiedt der Auffassung, dass die Herxheimer Funde ausschließlich Ergebnis einer rituellen Bestattungspraxis sind.

Dass bei den menschlichen Überresten oft Unterkiefer und Schädelbasis fehlten, verweise auf ein besonderes Begräbnisritual und habe nichts mit Kannibalismus zu tun.

AP

zurück zur Übersicht: Deutschland

  • BlinkList
  • del.icio.us
  • Folkd
  • Furl
  • Google
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • oneview
  • Yahoo MyWeb
  • YiGG
  • Webnews
Diese Seite bookmarken bei...
Schliessen

Artikel empfehlen!

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Mehr erfahren Sie in Ihrer Tageszeitung - kostenlose Leseprobe bestellen

Kommentar schreiben

Letzter Kommentar zu diesem Artikel:

Keine Kommentare vorhanden.

Eintrag verfassen

Community

Schreiben Sie zum Beitrag Ihre Meinung oder laden Sie Bilder und Videos zu ihrem Profil hoch. In unserer Community lernen sie sicher auch neue Freunde kennen.

Registrieren / Login

49.146026,8.214077

Aktuelle Fotogalerien

  • Kachelmann - erste Bilder nach der U-Haft

    29.07.10|Mannheim|1

weitere Fotogalerien:

Frankfurt & Rhein-Main

Offenbach: Suche nach verlorenem Pass endet im Gefängnis 
Die Falschen gefragt

Offenbach (mr) Die Suche nach seinem verlorenen Pass endete für einen jungen Mann im Gefängnis.Mehr...

Frankfurt erwartet 250.000 Besucher zum Mainfest
Zum Mainfest 250.000 Besucher erwartet

Frankfurt - Rund 250 000 Besucher erwartet Frankfurt zum Mainfest an diesem Wochenende. Das viertägige Spektakel mit über 100 Schaustellern und Verkaufsständen beginnt am Freitagabend.Mehr...

Nach Loveparade größte Katastrophenschutzübung an Frankfurter Flughafen
Wenn zwei Flugzeuge zuammenstoßen...

Frankfurt - Nach der Loveparade-Katastrophe mit 20 Toten plant Frankfurt für Oktober die bislang größte deutsche Katastrophenschutzübung.Mehr...

LokalesNachrichtenSportCommunityFreizeitServiceMarktplatzZeitung

Artikel lizenziert durch © op-online
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.op-online.de