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Heimatforscherin Hedi Weilmünster gestorben

An das alte Dorf im Wiesengrund erinnert

Dietzenbach - Sie hat mit ihren Gedichten dazu beigetragen, dass „Dietzebächerisch“ noch zu den lebenden Sprachen zählt. Denn der Erhalt des Dialektes lag der Heimatforscherin am Herzen. „Suu wird gebabbelt – bis mer sterbt“, pflegte sie zu sagen. Nun ist Hedwig Getrude Weilmünster, die überall nur Hedi genannt wurde, für immer verstummt. Von Christoph Zöllner

© Archiv-Foto: op

Hedi Weilmünster (†)

Sie starb am Sonntag im Alter von 87 Jahren in einer Seniorenresidenz im Odenwald, wo sie seit Anfang 2008 gewohnt hatte.

„Mit Hedi Weilmünster haben wir ein weiteres Dietzenbacher ,Urgestein‘ und Original verloren“, sagt Bürgermeister Stephan Gieseler. Für ihre Verdienste um die Heimatgeschichte und Mundart sowie für ihr bürgerschaftliches Engagement war Hedi Weilmünster 1987 mit dem Kulturpreis und im Jahr 2000 mit der Bürgermedaille der Stadt ausgezeichnet worden. Auch auf den Landesehrenbrief (1994) war sie stolz.

Bereits 1986 brachte die Heimatforscherin „Dietzenbach – Anno dazumal“ heraus. Und das auf Anregung unserer Leser, nachdem mehrere Artikel mit alten Fotografien veröffentlicht worden waren. Hedi Weilmünster sammelte, recherchierte und nutzte die Fotosammlung ihres Bruders. Ergebnis: ein 266 Seiten starker Bildband, der Aufschluss darüber gibt, wie die Dietzenbacher früher lebten. Weilmünster berichtete etwa von „der Mutprobe am Hexe-Termche“, vom alten Trinkborn und dem mühsamen Tagewerk der Handwerker und Bauern. 3500 Bücher wurden gedruckt, zuletzt anno 2001 eine Neuauflage zum Hessentag.

16 Jahre lang hat Hedi Weilmünster die Alters- und Ehejubilare für unsere Zeitung porträtiert: 132 Geburtstage, 107 goldene sowie 27 diamantene und eiserne Hochzeiten tippte sie zwischen 1986 und 2002 unter dem Kürzel „ter“ auf ihrer Reiseschreibmaschine.

Hedi Weilmünster war mit zwei Geschwistern in der Hügelstraße 11 aufgewachsen. Die Eltern, Anna und Ludwig Fenchel, hatten ein Lebensmittelgeschäft, das sie 1927 an die Firma Fröhling vermieteten. Daher stammte der Spitzname „Fröhlings-Hedi“. Bereits als 14-Jährige hatte sie im elter lichen Geschäft eine Lehre als Verkäuferin begonnen. 1942 heiratete sie ihren Mann Christoph, der 1984 verstarb; 1943 kam Tochter Gerdi zur Welt.

Nachdem die jüdische Kette Fröhling von den Nazis zerschlagen worden war, fiel die Dietzenbacher Filiale an die Fenchels, die sich Edeka anschlossen. 1957 übernahm Tochter Hedi das Zepter, um sich acht Jahre später der Konkurrenz durch die Großmärkte zu entziehen: Sie wandelte den Lebensmittelladen in ein Fisch- und Feinkostgeschäft um, in dem sie 40 Jahre hinter der Theke stand.

Hedi Weilmünster war eine passionierte Schwimmerin, die sommers im Dietzenbacher Freibad und winters im Urberacher Hallenbad anzutreffen war. Meistens mit den Mitgliedern des von ihr gegründeten Schwimmklubs „Delphine“. Aber auch andere Vereine hat Hedi Weilmünster geprägt: 27 Jahre wirkte sie im Heimatverein als Gründungsmitglied im Vorstand, in der SG war sie Ehrenmitglied, bei der Frauenhilfe der Christuskirche 15  Jahre im Vorstand. Auch dem Evangelischen Bund und der Seniorenhilfe gehörte die Verstorbene an, die außerdem für ihren Schuljahrgang 1921/22 Ausflüge organisierte und die Jubilare besuchte.

Meistens war die Rentnerin mit ihrem Drahtesel unterwegs. „Nur wenn es regnet, fahre ich Auto“, lautete ihre Devise. Gerne zückte sie ihren Führerschein, der 1945 von den amerikanischen Besatzern ausgestellt worden war. Der graue Lappen war nötig, damit die damals 23-Jährige mit Motorrad und Anhänger Sauerkraut aus Niederrad holen konnte.

„Mit ihrem Buch, aber auch mit Lesungen und Vorträgen hat sie das alte ,Dorf im Wiesengrund‘ und seine Menschen immer wieder zum Leben erweckt und damit letztlich vor dem Vergessen bewahrt“, spricht Gieseler im Namen des Magistrats den Angehörigen Beileid und Mitgefühl aus. Undenkbar, dass Hedi Weilmünster in Vergessenheit gerät. Mit ihrem Lebenswerk hat sie sich selbst ein Denkmal gesetzt.

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