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Der Biohof und andere Visionen

Dietzenbach - Es sollte als glorreiches Kapitel in die Dietzenbacher Annalen eingehen, doch inzwischen – so scheint es – ist die unter dem Titel „Biohof“ bekannt gewordene Geschichte im hintersten Winkel des lokalen Gedächtnisses verschwunden. Von Christoph Zöllner

© Duda

Der Vertrag mit dem Pächter-Ehepaar läuft noch bis 2015. Doch schon jetzt gibt es Ideen für die Zeit danach.

Denn der Wunsch, den Bürgern biologisch-dynamische Produkte wie Eier und Gemüse, Hähnchen und Lammfleisch anzubieten, ging vor 20 Jahren im Streit zwischen der Stadt und dem Pächter-Ehepaar unter.

Doch ab 2015 – so lange läuft noch der Vertrag mit den Pächtern – will ein neuer Verein das Domizil in den „Erlebnishof Kreis Offenbach“ verwandeln. Vor allem Schüler sollen die Möglichkeit erhalten, auf dem Lernbauernhof in den Löcherwiesen Einblicke in die Landwirtschaft zu erhalten. Ganze Familien könnten sich dort erholen und die Natur erleben und genießen. Erste Gespräche mit Stadt und Kreis sind bereits geführt, so dass der Verein seine Pläne im Detail schon bald bei einer Pressekonferenz vorstellen möchte.

Rund zwölf Hektar große Anwesen

Das rund zwölf Hektar große Anwesen im Westen der Dietzenbacher Gemarkung hat bereits eine wechselvolle Geschichte hinter sich. 1960 war der Reder-Hof von der Darmstädter Straße ausgesiedelt worden. Der Landwirt verkaufte dann den Hof 1988 an die Deutsche Stadtentwicklungsgesellschaft (DSK), die Treuhänderin der Entwicklungsmaßnahme. Reder besitzt heute ein größeres Anwesen in Niedersachsen.

Ende der 80er Jahre entstand eine Bürgerbewegung, die eine Umwandlung in einen Biohof forderte, um die Bevölkerung mit chemiefreien Waren zu versorgen. Und die rot-grünen Koalitionsverhandlungen machten es möglich. 1990 übernahm ein Ehepaar aus dem Vogelsberg den Aussiedlerhof an der verlängerten Feldstraße. Ausgewählt von Ex-Grünen-Chef Lothar Niemann, seinerzeit Kämmerer. Niemann musste im Nachhinein einräumen, dass nach der Anfangseuphorie verlorene Jahre für die Ökologie und den städtischen Geldbeutel folgten. Was war geschehen?

Irrungen und Wirrungen zwischen Pächtern und Stadt

Irrungen und Wirrungen zwischen Pächtern und Stadt machten die Pläne vom Bio-Hofladen zunichte. Investitionen in das Gebäude, in Wasser- und Kanalleitungen fielen höher aus als gedacht, die Pächter murrten, fast 70 Prozent der Produkte selbst produzieren zu müssen; und Direktvermarktung gab es nur für Stammkunden. Nach einigem Hin und Her ermöglichte die Stadt den Pächtern, eine Pferdepension nach Biolandrichtlinien zu betreiben. Damit war die Existenz des Paares gesichert; aus dem Bio- wurde ein Pferdehof.

1996 bot die Stadt den Biohof zum Verkauf an, weil er aus Sicht der Politik nur die Entwicklungsmaßnahme belastete. Von totem Kapital war die Rede. Der Versuch, das Ehepaar vorzeitig aus dem Pachtvertrag zu entlassen, scheiterte indes. Zuletzt hatte sich Stephan Gieseler als Bürgermeister daran versucht. Aber auch der studierte Jurist biss sich die Zähne an dem Fall aus. 2005 zogen die Pächter eine Option, so dass sich der Vertrag bis zum Jahr 2015 verlängerte.

Biohof aus der Entwicklungsmaßnahme herauskaufen

Vor vier Jahren hatte das Stadtparlament beschlossen, den Biohof aus der Entwicklungsmaßnahme herauszukaufen. Der „Biohof“ war damals inklusive landwirtschaftlicher Flächen (fünf Euro pro Quadratmeter) auf 1,16 Millionen Euro taxiert worden. Doch der Verkauf ist bis heute nicht erfolgt, wie eine Anfrage im Rathaus ergab. Das Anwesen befinde sich offiziell immer noch im Besitz der DSK, hieß es. Der Vertrag mit den Pächtern werde rechtzeitig gekündigt und laufe dann 2015 aus.

So gesehen spräche nichts dagegen, dass aus der Vision des Vereins „Erlebnishof Kreis Offenbach“ eines Tages Wirklichkeit wird. Sollten die bürokratischen und finanziellen Hürden überwindbar sein, würde aus dem Pferde- vielleicht wieder ein Biohof. Dann wären Anbau und Tierhaltung denkbar, die nicht auf maximalen Ertrag ausgerichtet sind, sondern im Einklang mit den Richtlinien des ökologischen Landbaus stehen. Der ehrenamtliche Geschäftsführer des Vereins, Werner Nickel, hat bereits Erfahrungen mit derlei Plänen gesammelt: Er zählt zu den Gründungsmitgliedern der Kinder- und Jugendfarm „Dreieichhörnchen“.

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