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Projekt „Älter werden in Dietzenbach“ soll Migranten bei der Lebensgestaltung untgerstützen

Chance nutzen, vorbereitet zu sein

230.11.11|Dietzenbach|Dietzenbach|
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Artikel: Chance nutzen, vorbereitet zu sein

Dietzenbach - Weil das Älter werden an sich schwierig genug ist, aber insbesondere für Migranten eine Vielzahl von Problemen aufwirft, ist vor drei Jahren das Projekt „Älter werden in Dietzenbach“ entstanden. Von Simone Weil

Speziell türkischen Senioren soll geholfen werden, den dritten Lebensabschnitt mit Informationen übers deutsche Altenhilfe-, Pflege- und Rentensystem, aber auch über Freizeitangebote möglichst selbstständig zu gestalten. Diese Idee wurde im vergangenen Jahr bei einem bundesweiten Wettbewerb ausgezeichnet und fand sogar europaweit Beachtung. Projektleiter Hidir Karademir, der als Migrationsberater für die Arbeiterwohlfahrt Offenbach-Land tätig ist, stellte das von der „Leitstelle Älterwerden“ initiierte Angebot sogar in Brüssel vor. Jetzt nutzte der „Runde Tisch – für ein humanes Miteinander“ unter Leitung von Stadtverordnetenvorsteherin Kornelia Butterweck die Gelegenheit, nach Konsequenzen aus den Erkenntnissen zu fragen. Pinar Yortanli, die sich innerhalb ihres Studiums der Sozialarbeit mit der türkischen Seniorengruppe beschäftigt hatte, plädiert für interkulturelle Öffnung und generationsübergreifende Angebote.

Hidir Karademir, der selbst als 15-Jähriger aus Anatolien kam, weiß aus seiner jahrelangen Beratungstätigkeit um die Probleme seiner Landsleute. So existieren bei den Gastarbeitern der ersten Generation bis heute Sprachschwierigkeiten, weil sie völlig isoliert gelebt haben. In Großbetrieben wie etwa bei Opel in Rüsselsheim sei alles auf die Arbeit ausgerichtet gewesen, erläuterte Karademir. Während die deutsche Gesellschaft in den 70er Jahren, als die türkischen Familien nachzogen, in keinster Weise auf deren Bedürfnisse vorbereitet gewesen sei, bestehe nun die Chance, die Lebensgewohnheiten der älter werdenen Migranten etwa in der Altenhilfe zu berücksichtigen. Die Unterstützung der Stadt von jährlich 3800 Euro sei gut angelegt, „weil wir viele Probleme nicht haben werden“, folgerte er.

Noch würden die türkischen Senioren weitgehend in den Familien versorgt, doch perspektivisch werden in den kommenden Jahren auch mehr Muslime in den Betreuungseinrichtungen zu finden sein. Der Migrationsberater ist deswegen in die Planung des neuen Pflegeheimes am Gustav-Heinemann-Ring / Ecke Offenbacher Straße einbezogen. Dabei versucht Karademir, für die Wünsche der ausländischen Senioren zu werben: Sie wollen nicht nur kein Schweinefleisch essen, sondern würden auch gerne im Fernsehen und im Radio ihre Muttersprache hören. Außerdem müsse gemeinsames Beten organisiert werden können. In der neuen Einrichtung soll dies etwa im Gemeinschafts- Wohnzimmer möglich sein, das den jeweils zehn bis zwölf Bewohnern eines Flurs ebenso wie eine Küche neben ihren Zimmern zur Verfügung steht. Problematisch sei aber, dass bislang wenig Migranten beim Pflegepersonal der Einrichtungen zu finden sei. Für diese zukunftsträchtige Ausbildung müsse intensiv geworben werden.

Wie wichtig die Beschäftigung mit diesen Fragen ist, belegen die Berechnungen von Gerlinde Wehner von der Leiststelle Älterwerden des Kreises: Die Anzahl der über 80-Jährigen in Dietzenbach wird sich demnach bis ins Jahr 2020 um 140,7 Prozent erhöhen, das sind 1282 Menschen über 80, die hinzukommen. Bis 2030 beträgt der Zuwachs sogar 242,2 Prozent, das heißt, es kommen weitere 924 Menschen hinzu. Dies bedeutet eine Zunahme innerhalb dieser Altersgruppe bis 2030 von insgesamt 2206 Senioren. Die Altersgruppe der 65- bis 80-Jährigen wird bis 2020 zunächst um 1325 Menschen wachsen und von 2020 bis 2030 um 223. Insgesamt wird sie bis 2030 um 1548 alte Menschen oder 36,6 Prozent ansteigen. Etwa ein Fünftel seien Migranten.

Diesem demografischen Wandel müsse ressortübergreifend begegnet werden. Wichtige Aspekte sind für Wehner der direkte Bezug zum Quartier und die Bürgerbeteiligung.

Rubriklistenbild: © AP

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