Dietzenbach - Gewiss: Die Stadt ist hoch verschuldet. 145 Millionen Euro sollen es zum Jahresende sein – mit Kassenkrediten, aber noch ohne das zu erwartende Defizit der Entwicklungsmaßnahme. Von Christoph Zöllner
Gut, dass es da noch einen Sparstrumpf für schlechte Zeiten gibt, gespeist aus dem Erlös, den der Verkauf der EVO-Anteile vor elf Jahren erbracht hatte sowie dem Verkauf des Altkanalnetzes.
Doch während ein Sparstrumpf an sich keinerlei Erträge bringt, lässt die Stadt ihr Sondervermögen arbeiten. Die Allianz-Tochter AGI kümmert sich um das Finanzmanagement. Inzwischen hat der Anlagenausschuss entschieden, nicht nur in Rentenpapiere, sondern nach fast zweijähriger Pause auch wieder in Aktien zu investieren. Von Seiten der Stadt gehören dem Anlagenausschuss Bürgermeister Jürgen Rogg, Erster Stadtrat und Kämmerer Dietmar Kolmer sowie mit Friedel Deller und Herbert Pezzica zwei erfahrene Bürger an. Hinzu kommt Eberhard Mohr, der Leiter des Fachbereichs Finanzen, der allerdings kein Stimmrecht hat. Die Dietzenbach-Redaktion hat sich mit Kämmerer Kolmer über die Strategie und die Zukunft des städtischen Finanzmanagements unterhalten.
Warum haben Sie wieder Geld aus dem Finanzmanagement in Aktien investiert?
Der Anlagenausschuss, bestehend aus Vertretern des Anlegers und der Kapitalanlagegesellschaft, hat in der Sitzung am 9. Juni 2011 die Anlage in Aktien thematisiert. Unter dem Gesichtspunkt einer defensiven Anlagepolitik und der damaligen Konjunkturentwicklung kam er zu dem Ergebnis, wieder in Aktien zu investieren – bis zu 15 Prozent des Wertes des Anlagefonds. Erstmalig wurden wieder im Oktober 2011 Aktienpakete erworben. Zum 31. Januar 2012 lag die Quote bei 8,34 Prozent.
Welche Aktien hat die Stadt gekauft?
Nachdem im November 2009 alle Aktien abgestoßen und die Quote, bedingt durch die Konjunkturlage, auf 0 Prozent heruntergefahren worden war, hat die Stadt nun in Fonds investiert. Diese Aktienpakete sind von Banken breit gestreut und beinhalten Werte aus verschiedenen Branchen, um sie damit für den Anleger ausreichend abzusichern.
Wie hat sich dieses Engagement bisher entwickelt?
Denken Sie darüber nach, noch mehr Geld in Aktien zu stecken?
Das kommt auf die Börsennotierungen und die Entscheidungen des Anlagenausschusses an. Der Ausschuss trifft sich zweimal im Jahr, im Juni und November. Bei Bedarf aber auch öfter.
Wie hoch ist der aktuelle Wert des Sondervermögens?
Der Buchwert betrug zum 31. Januar dieses Jahres 24,54 Millionen Euro.
Wie hoch ist die durchschnittlich pro Jahr erwirtschaftete Rendite?
Gesehen auf die Gesamtlaufzeit seit Juli 2003, beträgt die durchschnittliche Rendite 2,7 Prozent. Abgesehen vom Jahr 2011, das mit 0,02 Prozent Verlust abschloss, wurden in allen anderen Jahren Erträge erwirtschaftet.
Ist daran gedacht, demnächst Geld aus dem Finanzmanagement zu entnehmen – etwa, um Kredite abzulösen?
Im Jahr 2012 stehen insgesamt rund 3,6 Millionen Euro an Kreditvolumen zur Verlängerung an. Einem Stadtverordnetenbeschluss zufolge sollen der Schuldenstand reduziert und Kredite aus dem Finanzmanagement abgelöst werden. Dies wird aber nur geschehen, wenn es die wirtschaftlich günstigste Methode ist. Momentan ist die Diskussion über den Schutzschirm des Landes entfacht. Möglich wäre hier, die Kredite mit einzubringen, vorausgesetzt, die Stadt schlüpft unter den Schutzschirm. Das würde eine kurzfristige Zwischenfinanzierung der frei werdenden Kredite bis zur Ablösung durch den Schutzschirm bedeuten. In diesem Falle entfiele möglicherweise die Entnahme aus dem Finanzmanagement.
Warum lohnt sich das Finanzmanagement der Stadt?
Im Laufe der Jahre hat sich gezeigt, dass die Anlage und die Verwaltung der Gelder aus dem Verkauf der Anteile an der EVO über eine Kapitalanlagegesellschaft die wirtschaftlichste und ertragreichste Form der Geldanlage ist. Durch die Kapitalanlagegesellschaft wird eine ständige Beobachtung und Analyse der Märkte und Börsen garantiert, die letztendlich die Anlagestrategie bestimmt.
Rubriklistenbild: © dpa
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