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Bei Flexoptix in Dietzenbach lernen junge Leute den Beruf des Programmierers und Mediengestalters

Einfallsreichtum ist gefragt

Dietzenbach - Wenigstens einmal während der Ausbildung der eigene Chef sein: Was für Azubis häufig ein langgehegter Traum ist, ist für Denis Wolf und Faheem Qumar ständig herausfordernde Wirklichkeit. Von Axel Wölk

Denis Wolf (links) und Faheem Qumar.

Sie machen bei dem Start-up Flexoptix in Dietzenbach eine Ausbildung zum Programmierer und zum Mediengestalter. Keine eingefahrenen Wege, kein durchstrukturiertes Prozedere bis zum begehrten Abschluss, Improvisation und Einfallsreichtum sind Trumpf.

Der erste Blick in die Betriebsräume: ein bestimmt acht Meter riesiger Tisch, der nur auf vier Beinen steht. Die beiden Unternehmenschefs und -gründer Thomas Weible und Markus Arnold arbeiten am gleichen Platz wie der Großteil des 13-köpfigen Teams, darunter auch Denis und Faheem.

Auch der Azubi kann mehr wissen als der Chef und Recht bekommen

Die Ausbildungsstätte der beiden hat einen Hauch von Basisdemokratie. Es gilt das Prinzip: Auch der Azubi kann mehr wissen als der Chef und Recht bekommen. Über neue Projekte wird nach Mehrheitswahlrecht abgestimmt. Jeder hat gleich viel Stimmgewicht. Bei Patt werden die Hände so lange wieder und wieder gehoben, bis ein Ergebnis feststeht. Weder Veto noch doppeltes Stimmrecht für die Chefs bei knappen Entscheidungen. So geschehen erst kürzlich, als es galt, über den neuen Internetauftritt von Flexoptix zu entscheiden. Triumph für Denis, der in diesem Jahr seinen Abschluss zum Programmierer anstrebt: Sein Feature mit einer Softwarelupe für den Computernutzer wurde angenommen.

Was beide in dem Kleinbetrieb lernen, deckt ab, was Riesen wie etwa die Software AG aus Darmstadt auch anbieten. Faheem, der künftige Mediengestalter, hat etwa einen extra Ausbilder an die Hand bekommen. Er hilft ihm zum Beispiel bei der HTML-Programmierung und der Auswahl der Einstellungen, um Webseiten zu designen. Auch Denis kennt natürlich noch längst nicht alle Tricks und Kniffe und erhält Unterstützung für sein neuestes Projekt: die Programmierung eines Lieferantensystems. Mit diesem neuen sogenannten Transaktionsportal wird Flexoptix unter anderem gleich den gesamten Überblick über alle bisherigen und laufenden Bestellungen bei Zulieferern haben. Sein Coup gelang ihm vor einiger Zeit mit einer Java-Programmierung, erzählt er stolz. Seine Software ging ein in das Hauptprodukt seines Arbeitgebers: die flexBox.

Denis und Faheem haben kein Abitur

Der angehende Mediengestalter Faheem schwitzt manchmal unter der ungewohnten Chefrolle: „Als Hauptverantwortlicher für ein Projekt wollen viele bei mir mitentscheiden. Da ist es schon schwer, alles unter einen Hut zu bringen. Und alle wollen eben das Beste.“ Derzeit tüftelt er an einer Grafikanpassung für das Internet.

Denis und Faheem haben kein Abitur, Denis Hauptschul- und Faheem Realschulabschluss, und deswegen bei etablierten Unternehmensriesen geringe Chancen. Thomas Süsser von der IHK Offenbach sagt: „Üblicherweise bringen die Azubis für diese beiden Ausbildungsgänge Abitur mit.“

Auch bei der neuesten Flexoptix-Idee packen beide mit an: dem Gearomaten. Mit dieser erst vergangenes Frühjahr auf der Cebit präsentierten Idee will das Technik-Team den Alptraum so manches stressgeplagten IT-Managers beheben: Mitten in der Nacht fallen wichtige Kabel oder Computerbauteile der Rechneranlage aus und nirgendwo ist Ersatz aufzutreiben. Das wie ein Cola- und Snackautomat aufgebaute Gerät soll etwa in rund um die Uhr geöffneten Rechenzentren stehen.

Darin werden zum Beispiel für Computer lebenswichtige Kabel und Schrauben angeboten. Derzeit helfen Denis und Faheem bei der Touchscreen-Eingabe mit, die möglichst bedienerfreundlich ausfallen soll.

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