Dietzenbach - Bislang war es nur eine Vision, jetzt liegen konkrete Pläne für einen Friedwald in Dietzenbach vor. Von Christoph Zöllner

© Skizze cd/BürgerGIS
Die Karte zeigt, wo genau der Friedwald ausgewiesen werden soll. Die Zufahrt zum Areal nördlich des Wollwiesenteichs ist von der Frankfurter Straße aus über Wirtschaftswege möglich.
Nördlich des Wollwiesenteichs könnten an der Gemarkungsgrenze zu Dreieich schon bald Dietzenbacher und Interessenten aus dem Umland zu Füßen von Bäumen die ewige Ruhe finden. Nun müssen die Stadtverordneten darüber entscheiden, ob sie den Weg frei machen für die erforderliche Änderung des Bebauungsplans.
Soll ein Friedwald entstehen, müssen drei Partner zusammenarbeiten: Die Städtischen Betriebe beaufsichtigen den Betrieb der Anlage, das Forstamt betreut vor Ort, zeigt und erklärt das Konzept, und schließlich übernimmt das Unternehmen „FriedWald“ aus Griesheim die Verwaltung und terminliche Organisation. Zudem trägt es die Kosten für das Planungsbüro.
Die Landesbetriebsleitung von „Hessen-Forst“ hat bereits zugestimmt, der Firma die entsprechenden Flurstücke über die Dauer von 99 Jahren zu verpachten. Näheres regelt ein Vertrag. Von Seiten der Unteren Naturschutzbehörde seien bei einer Voranfrage „keine erheblichen Bedenken geäußert worden“; das Areal sei als Friedwald geeignet. Allerdings wird eine abschließende Stellungnahme erst während des Bebauungsplanverfahrens erwartet, das – wie auch sonst üblich – die Bürger beteiligt.
Nicht nur die Firma „FriedWald“ habe Interesse am Standort gezeigt, auch Bürger hätten immer wieder nach einer Wald-Bestattung gefragt, berichtet Michael Würz, Leiter der Städtischen Betriebe. Für die alternative Bestattungsform interessieren sich vor allem Menschen, die naturverbunden denken und nichts von angelegten Gräberreihen, Blumenschmuck oder Kerzen halten.
Ein Namensschild am Baum macht auf die Grabstätte aufmerksam. Wer eine anonyme Bestattung möchte, kann aber auch darauf verzichten. Angehörige finden die Grabstätte trotzdem, da die Bäume entsprechend gekennzeichnet und in Registern bei der Kommune und bei der Firma eingetragen sind. Eine Konkurrenz zum städtischen Begräbnisfeld soll durch die Anlage nicht entstehen. „Wer einen Platz im Friedwald sucht, der geht nicht auf den Friedhof“, betont Würz. Der typische Interessent sei älter als 50 Jahre und sehr vorsorgeorientiert, weiß Martini. Er hofft, dass der Dietzenbacher Friedwald im Lauf des kommenden Jahres eröffnet werden kann. Voraussetzung ist allerdings, dass es beim Bebauungsplanverfahren zu keinen größeren Verzögerungen kommt.
Bei einem Friedwald handelt es sich um eine alternative Bestattungsform, bei der die Asche Verstorbener in einer biologisch abbaubaren Urne an den Wurzeln eines Baumes beigesetzt wird. Erdbestattungen sind nicht möglich.
Bei einem Familien- oder Freundschaftsbaum (etwa 3350 Euro) kann der Kunde entscheiden, wer die zehn möglichen Grabstellen am Baum erhält. Auch an einem Gemeinschaftsbaum (rund 770 Euro) können insgesamt zehn Menschen – unabhängig von familiären Banden – einen Bestattungsplatz finden. Bei einem Prachtbaum erwirbt der Kunde Beisetzungsplätze an einem besonders schönen und alten Baum. Die Preise sind abhängig von Stärke, Art und Lage.
Die Natur übernimmt die Grabpflege. Blumen und Schmuck, Gestecke und Kränze sind nicht erlaubt. Allerdings können die Angehörigen Blütenblätter oder Blüten bei der Beisetzung in die Urnenöffnung geben.
Auf Wunsch ist eine Trauerfeier mit Urnenbeisetzung vor Ort möglich – mit oder ohne Pfarrer. Jeder Baum des Friedwaldes kann mit einer kleinen Tafel versehen werden, auf der Name und Daten des Verstorbenen eingetragen sind. Auch religiöse oder andere Symbole können eingraviert werden. Weitere Informationen zum Thema bei der Firma „FriedWald“ in Griesheim unter Tel.: 06155/848100.
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