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Waldkindergarten in Dietzenbach zum Zwischenstopp in Wolke 7

Die Hoppetosse liegt auf Eis

Dietzenbach - In der Welt der Fantasie ist es das stolze Piratenschiff, mit dem Kapitän Efraim Langstrumpf in See sticht, in der Dietzenbacher Realität ein bunt bemalter Bauwagen, der dem Waldkindergarten als Unterschlupf an der Schilflache dient: die Hoppetosse. Von Christoph Zöllner

© Duda

Ausnahmsweise tobt die Hoppetosse nicht im Wald. Bei zweistelligen Minustemperaturen spielen die abgehärtesten Kinder lieber an der mollig warmen Heizung.

Beiden gemeinsam sind die Abenteuer, die der Nachwuchs damit erleben kann. Egal, ob nun auf dem Weg ins Taka-Tuka-Land oder durch den Dietzenbacher Wald.

Doch der harte Frost mit seinen zweistelligen Minustemperaturen hat nun auch die 20 Kinder, drei Erzieherinnen und zwei Praktikanten Zuflucht in beheizten vier Wänden suchen lassen. Gestern spielten, tobten und tanzten die Kleinen im Jugendclub „Wolke 7“, nachdem sie sich morgens noch am Bauwagen getroffen hatten. In der „Wolke“ nehmen sie sonst nur ihr Mittagessen ein und laufen höchstens mal bei Sturm und Gewitter ein.

Denn durch ein bisschen Frost oder Schnee lässt sich die Besatzung der Dietzenbacher Hoppetosse eigentlich nicht abschrecken. Die Kinder sind eben nicht nur im Sommer vier bis fünf Stunden an der frischen Luft. „Wenn es eine trockene Kälte ist, geht es noch“, meint Hoppetosse-Vorsitzende Christine Schmidt-Tulatz. Allerdings sei ein neues Kind zur Gruppe gestoßen, das sich erst noch eingewöhnen müsse und bei tiefen Temperaturen nicht so lange draußen bleiben dürfe.

Doch schon nach ein paar Tagen sind die Kinder bestens gegen Wind und Wetter gewappnet. Ein dickes und ein dünnes Paar Socken, lange Unterwäsche, ein Fleece, Schneehosen, ein Tuch um den Hals und über den Kopf, darüber eine Mütze und eine mollige Jacke – fertig ist das Waldkind. Doch halt, einen heißen Tipp hat Christine Schmidt-Tulatz noch: Die Kinder verwenden Taschenwärmer, um die Hände wohl zu temperieren.

„Außerdem ist Bewegung wichtig“, sagt die Vorsitzende. Zum Aufwärmen spielen die Kinder morgens mit den Praktikanten Fußball. Sie klettern, spielen „Feuer, Wasser, Sturm“ oder Fangen, wenn sie nicht gerade mit dem Bollerwagen zu einem ihrer Lieblingsplätze im Wald unterwegs sind.

Weitere Infos zum Waldkindergarten gibt es auf der Internetseite

Wer nun glaubt, dass die Kinder von einer Grippe zur nächsten wanken, irrt gewaltig. Denn der Aufenthalt in der freien Natur härtet sie ab, die Ansteckungsgefahr ist geringer. „Die Kinder sind nicht oft krank“, erzählt Schmidt-Tulatz. Ihre Tochter, die inzwischen die Schule besuche, sei in den beheizten Räumen viel anfälliger für Erkältungen geworden. Vielleicht gehört ja auch die Schule in den Wald...

Seit August 2005 gibt es in Dietzenbach einen Waldkindergarten. Gegenüber dem Parkplatz des Kleingartenvereins Schilflache bearbeiten die Kinder in den wärmeren Jahreszeiten Holz, knüpfen Ketten oder töpfern munter drauf los. Die Plätze sind begehrt; es gibt inzwischen eine Warteliste. „Seit einem Jahr brummt es bei uns“, berichtet Christine Schmidt-Tulatz.

Der Waldkindergarten ist montags bis freitags von 8 bis 14 Uhr geöffnet. Der Verein bietet jedem Kind an, drei kostenlose Schnuppertage im Wald zu verbringen. Für eine Betreuung bis 12.30 Uhr beträgt der Monatsbeitrag 170 Euro, bis 14 Uhr werden 215 Euro zuzüglich 2,90 Euro je Mittagessen fällig.

Offensichtlich spricht sich das Konzept herum, das auf Türen, Wände und vorgefertigtes Spielzeug verzichtet. In diesem freien Raum können die Kinder ihren Bewegungsdrang ausleben, die Motorik schulen, vielfältige körperliche und soziale Erfahrungen sammeln und ihre Fantasie ausleben. Außerdem ist die Gruppe der Hoppetosse kleiner als in einem herkömmlichen Kindergarten.

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