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Manch ein Kinderspiel aus Großmutters Zeiten ist beim Dietzenbacher Nachwuchs bis heute beliebt

Von Klickersches und Dobsche

Dietzenbach - „Zu Zeiten, als ich noch ein kleiner Bub war, haben wir uns beim Spielen von unserer Phantasie inspirieren lassen“, erinnert sich der 86 Jahre alte Michael Fenchel. Von Anna Scholze

Spielzeug alt Dietzenbach

© jw

Bei Regen leistete Spielzeug wie dieser Kaufmannsladen Abhilfe, draußen sorgten Spiele wie „Kraas‘ches“ (im Kreis) für Spaß.

Und die Inspiration war vielfältig, wie auch in dem Heft „Die schönsten Kinderspiele von früher für heute“, das der „Arbeitskreis Schule und Museum“ erstellt hat, nachzulesen ist. So spielten die Dietzenbacher Jungs der 30er Jahre gerne mit einem Fahrradreifen, den sie geschickt auf der Darmstädter Straße mit einem Stock antrieben. Dieser sollte möglichst nicht zum Stillstand kommen – was einiges an Beweglichkeit erforderte.

Doch das war nicht die einzige Möglichkeit, sich seine Freizeit zu versüßen. Sehr beliebt war es unter den Kindern auch, mit Murmeln zu spielen und dabei möglichst viele zu gewinnen. Dazu mussten die Mädchen und Jungen ein Loch von ungefähr zehn Zentimetern Durchmesser in die Erde graben.

Drei Meter entfernt von diesem Loch wurde mit einem Stock eine Anfangslinie gezogen. Von ihr aus versuchten die Spieler, ihre Murmel in die Kuhle zu rollen. Der Zeitvertreib nannte sich „Klickersches“, glücklicher Sieger war derjenige, der seinen Klicker zuletzt ins Ziel gekullert hatte: Er konnte alle Murmeln mit nach Hause nehmen.

Mit Dobsche und Gaaschel spielen

Aber auch weitere Spielvarianten kursierten unter den Dietzenbacher Kindern. Wenn sie einmal von den Glaskugeln genug hatten, bastelten sich die Kleinen eine Peitsche, die sie um einen Kreisel wickelten. Die hier auch als „Dobsche“ bekannte Holzscheibe wurde auf den Boden gesetzt, um dann mit einem kräftigen Ruck an der „Gaaschel“, auch als Gerte bekannt, zu ziehen. Das hatte den Effekt, dass der „Dobsche“ sich in schönen Pirouetten auf der Erde drehte.

Spielzeug alt Dietzenbach© ArchivfotoDiese Abbildung stammt aus Hedi Weilmünsters „Dietzenbach – Anno dazumal“.

Spielte das Wetter einmal nicht so mit, verlegten die jungen Dietzenbacher ihre Spielaktivitäten ins Haus und bauten dort Türme, indem sie ihre Hände übereinander legten und dies beliebig oft wiederholten. Und auch sonst nahm die Kreativität der Mädchen und Buben kein Ende.

 „Wir haben uns kleine Theaterstücke ausgedacht und spielten sie dann unseren Eltern vor“, erinnert sich Fenchel. Ort für das Bühnenspiel war meist eine Scheune seiner Familie, die für die Holzlagerung gedacht war. Hier schritten Prinzessinnen anmutig über die Bühne und lächelten dem Publikum zu.

Und dann das Hüpfkästchen...

Die Mädchen der Vorkriegsgeneration malten bei schönem Wetter nur allzu gerne Kästchen auf die Straßen vor ihrer Haustür. Je nach Anzahl und Aufbau der Quadrate konnte der Zeitvertreib auf unterschiedliche Art gespielt werden. „Hüpfkästchen“ ist ein zeitloses Spiel, auch heute noch sieht man Kinder, die auf dem Schulhof durch Kästchen springen.

Aber nicht nur dieses Spiel hat die Zeit überdauert, so erzählt die zwölfjährige Evy Knecht: „Wenn ich mit meinen Freundinnen zusammen bin, spielen wir oft fangen oder hüpfen mit dem Seil.“ Genau so, wie es schon ihre Oma vor vielen Jahren mit ihren Freundinnen gemacht hat.

Auch, wenn Evys Generation heute eine ganz andere Auswahl an Spielen zur Verfügung steht – viele Kinder greifen auch heute noch auf die alt bewährten Spiele ihrer Großeltern zurück oder lassen sich von ihrem Einfallsreichtum leiten. „Meine Geschwister und ich sind früher oft in den Wald gegangen und haben kleine Boote auf den Tümpeln schwimmen lassen“, erzählt etwa der 16-jährige Kai Fenchel.

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