Dietzenbach - Fliegen ist ihre Leidenschaft. Das heißt aber nicht, dass Bettina Schleidt sich damit begnügt, bequem Platz zu nehmen und die Aussicht von oben zu genießen. Ein bisschen mehr Herausforderung darf der Trip in die Luft dann schon bringen. Von Barbara Scholze

© mel
Da ist Feingefühl gefragt: Einen sogenannten Fender - etwa vergleichbar mit einer am Seil befestigten Boje - gilt es unter anderem bei den Deutschen Meisterschaften für Hubschrauber-Präzisionspiloten zielgenau zu manövrieren.
Mit Vorliebe ergreift die promovierte Psychologin den Steuerknüppel selbst und dreht eine Runde mit einem Hubschrauber. Beispielsweise im Wettstreit mit anderen Piloten, so wie an diesem Wochenende anlässlich der „Offenen Deutschen Meisterschaft für Hubschrauber-Präzisionspiloten“ in Bamberg.
Da will es die Dietzenbacherin erneut wissen. Zuletzt hatte sie vor drei Jahren in Eisenach einen beachtlichen Erfolg verbuchen können. Gemeinsam mit ihrer damaligen Co-Pilotin Gisela Freund aus Passau errang sie die Vize-Weltmeisterschaft in der Klasse der Junioren, einer Einordnungsstufe, die sich nicht etwa auf das Alter, sondern auf den Anteil an Flugstunden bezieht. Nach der Ausbildung zur Privatpilotin beim Förderverein Allgemeine Luftfahrt in Zweibrücken-Homburg sowie Flugstunden auf den Hubschraubertypen Robinson R 22, R 44 und Bell B 206 Jet Ranger ist Schleidt seit 2007 stolze Besitzerin der Berufspilotenlizenz.
Weitere Aufgaben des Wettbewerbs tragen Namen wie etwa „Fender Rigging“ oder „Hovern“. Dabei muss die Besatzung das Luftfahrzeug in stets gleichbleibender Höhe durch ein Viereck bringen oder einen an einem Seil befestigten Fender mit einem Gewicht von mehr als sieben Kilogramm durch ein Eingangstor und dann zu einer Tonne schaffen. „Ich bin gespannt, wie uns das gelingt, denn der R 44-Hubschrauber bedeutet für mich eine Umstellung, da die Wettkampfgeschwindigkeit deutlich höher ist“, sagt Schleidt.
Mit Ruedi Boser, ebenfalls Berufspilot mit langjähriger Erfahrung, bildet sie das einzige gemischte Team unter 23 Startern aus verschiedenen Nationen, darunter viele Herrencrews. „Hubschrauberfliegen ist immer noch eine Männerdomäne“, sagt Schleidt. Ihre Chancen einschätzen will sie lieber nicht. „Das ist schwierig. Wir hatten nicht viel Zeit zum Trainieren und fliegen ohne großen Anspruch mit.“ Einen Platz im vorderen Mittelfeld erhofft sie sich aber schon. Weiterkommen und so langsam den Durchbruch nach vorne schaffen, lautet die Devise: „Wir betrachten die Teilnahme auch ein bisschen als Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr.“
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