3419.06.1019.06.10|Dietzenbach
Artikel drucken|Artikel empfehlen|Schrift a / A
Dietzenbach ‐ „Wie ein Schlag ins Gesicht.“ So empfindet Hassan Khateeb die vom Petitionsausschuss des hessischen Landtags getroffene Entscheidung, dass die Familie Deutschland nach mehr als 18 Jahren verlassen muss. Von Fabian El Cheikh

© El Cheikh
Werden Hassan Khateeb (Mitte), seine Mutter und die sechs Geschwister bald in einem palästinensischen Flüchtlingslager in Jordanien leben müssen – so wie ihr Vater, der bereits vor drei Jahren überraschend abgeschoben wurde?
Der vom Dietzenbacher Verein „Zusammenleben der Kulturen“ eingereichte Antrag für ein Bleiberecht wurde, wie berichtet, am späten Donnerstagnachmittag „abschlägig beschieden, da der Ausschuss rechtlich keine andere Möglichkeit sah“, so die Vorsitzende Barbara Cárdenas (Linke) zur umstrittenen Entscheidung aus Wiesbaden.
In Hassans Ohren klingt die Begründung wie Hohn: „Wir hatten große Hoffnung, weil die rechtliche Lage eigentlich völlig klar ist“, meint der Jurastudent und beruft sich auf die offizielle Bestätigung des UN-
Nach Angaben des Unterstützerkreises der Familie entbehrt die Anschuldigung, Hassan und seine Eltern hätten falsche Angaben bezüglich ihrer Staatsbürgerschaft gemacht, ebenso den Tatsachen wie die Behauptung, sie hätten „mittelbare Falschbeurkundungen bewirkt“. Mit Unverständnis und Betrof fenheit reagiert Hassan Khateeb auch auf die ignorante und teils ausländerfeindliche Stimmungsmache gegen seine Familie – und auf den Vorwurf, sie begehe „Sozialhilfebetrug“, lebe unberechtigt auf Kosten der deutschen Steuerzahler.
Unterstützung haben die Khateebs in den vergangenen Jahren nicht nur vom Verein und vielen Freunden und Klasenkameraden erhalten. Auch die Dietzenbacher Stadtverordneten haben gegen die Stimmen von FWG und der republikanischen Abgeordneten ihre Solidarität erklärt. Und auch der neue Landrat Oliver Quilling (CDU) unterstützt die Familie: In Erwartung einer Härtefallregelung hat er bereits vor Wochen unmissverständlich signalisiert, dass der Kreis die Sozialleistungen für den Lebensunterhalt der Familie übernehmen werde. Bundesweit hat das Anliegen der Familie für Schlagzeilen gesorgt, es gab Berichte im Stern, im Spiegel, in der Tageszeitung, der Welt und im Fernsehen.
Ungeklärt ist bislang die Anrechnung des Stipendiums, das Hassan Khateeb von der Rudolf-
Diese Ansicht teile, so Steinberg, auch der Kreisbeigeordnete Carsten Müller (SPD), wenngleich dieser sich im Schriftwechsel mit Steinberg auf die Zwänge gesetzlicher Bestimmungen berufe. „Es gibt jedoch bei Gesetzen immer Spielräume, die man intelligent nutzen kann“, betont Steinberg. Das sei in vergleichbaren Fällen, etwa bei der Hertie-

Meinung, Interviews, Analysen und Reportagen, die ganze Geschichte - mehr finden Sie täglich in den Tageszeitungen der Mediengruppe Offenbach-Post.Kostenlose Leseprobe bestellen!