Dietzenbach - Eigentlich spielt es ja keine Rolle, aber in Anbetracht der momentanen Diskussion in Dietzenbach sei es doch erwähnt: Der Kolumnist will nächste Woche ein paar Urlaubstage abfeiern. Also nehmen, nicht verfallen lassen. Auch Ausbezahlen steht nicht zur Debatte, schließlich will er ja wieder – hoffentlich gut erholt – an seinen Schreibtisch im Dietzenbacher Stadtzentrum zurückkehren. Von Christoph Zöllner
Bei Bürgermeister Stephan Gieseler ( CDU ) sieht es anders aus. Der Magistrat hat – angeblich auf eigenen Wunsch – beschlossen, Gieselers Resturlaub gegen Geld einzutauschen. Dem Vernehmen nach werden 45 Urlaubstage mit 15 000, wenn nicht gar 16 000 Euro abgegolten. So etwas mag in der freien Wirtschaft kein Stirnrunzeln, allenfalls ein mildes Lächeln auslösen. Bei Wahlbeamten sieht die Sache anders aus. Die rechtliche Regelung sei hier nicht frei von Interpretationsspielraum, sagen Fachleute. Die von der UDS-Fraktion eingeschaltete Kommunalaufsicht soll aber bereits den Daumen nach unten gesenkt haben, was peinliche Konsequenzen nach sich ziehen könnte. Kein Geld für Gieseler, der doch sonst immer so genau weiß, wem was warum zusteht.
Dann hätten die restlichen fünf Magistratsmitglieder, die sich vorher kundig gemacht haben sollen, gegen bestehendes Recht gehandelt. Und der Bürgermeister hätte sich in seinem eigenen Netz verfangen, das er über die Jahre mit juristischen Kenntnissen und finanziellen Grundsätzen geknüpft hatte. War er es nicht, der die Erhöhung der Stadtverordneten-Entschädigungen kritisiert hatte und der stets auf Paragrafen-Treue pochte…? Jetzt schlägt das Pendel offenbar zurück. Es scheint, als hätten seine Gegner nur darauf gewartet, dass sich der scheidende Bürgermeister eine Blöße gibt.
Nun gibt es schon Befürchtungen, dass es Gieseler mit der Unterschrift seiner Entlassungsurkunde nicht so eilig haben könnte, die Amtszeit womöglich noch über den 30. Juni hinaus um die verbleibenden Urlaubstage verlängert werden könnte. Dies hätte dann womöglich zur Folge, dass der Wunsch-Wahltermin 27. September – gemeinsam mit der Bundestags- und Landratswahl – platzt. Und eine separate Wahl (eine Stichwahl wird ohnehin nicht zu vermeiden sein) würde die Stadt eine schöne Stange Geld kosten. Von rund 30 000 Euro ist die Rede.
Jene, die Gieseler vorwerfen, im vergangenen Jahr „etwaige Überstunden“ (gibt es so etwas überhaupt bei einem Bürgermeister?) mit ein paar freien Tagen abgegolten zu haben, mögen bedenken, dass er seit 2001 mindestens 150 Urlaubstage hat verfallen lassen. Man kann ihm vieles vorwerfen, aber nicht, dass er zu Lasten der Stadt agiert oder mit Fleiß gegeizt hätte. Eher mit Teamgeist und Informationsbereitschaft.
Wie geht’s weiter? Der Kolumnist erklärt sich bereit, von seinem Trip an die Nordsee frischen Sand, Eimer und Schippchen mitzubringen, mit dem sich die Protagonisten in einem Sandkasten nach Wahl vergnügen können. Und wer weiß, vielleicht sogar auf dem Hexenberg, sofern der TÜV seine Einwilligung gibt. Bis die Tage!
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