Dietzenbach - Ginge es nach dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft, so sollte das Rauchen während der Arbeitszeit generell verboten werden. Von Nina Beck
Deutlich mehr als 2000 Euro pro Jahr koste ein Raucher, der täglich drei fünfminütige Zigarettenpausen einlege, den Arbeitgeber, hat der Bundesverband berechnet. Derlei Zahlen hatten die örtlichen Christdemokraten vor der Haushaltsverabschiedung hellhörig gemacht. Wenngleich sie nicht so weit gehen würden, ein generelles Rauchverbot für die Angestellten der Stadtverwaltung zu fordern, so wollten sie doch zumindest veranlassen, dass städtische Mitarbeiter, die an der Zeiterfassung teilnehmen, verpflichtet werden, für ihre Raucherpausen auszustechen. Gehe man von durchschnittlich einer Arbeitsstunde pro Tag aus, die ein rauchender Mitarbeiter nicht an seinem Arbeitsplatz verbringe, so komme man auf einen „Arbeitszeitverlust“ für die gesamte Verwaltung von rund 200.000 Euro im Jahr.
Zweifel an diesem Betrag hat Gertrud Röhner, Vorsitzende des Gesamtpersonalrats, in einem offenen Brief an die CDU-Fraktion geäußert. „Wenn Sie solche Zahlen in den Raum stellen, gehen wir davon aus, dass Sie wenigstens ansatzweise seriös recherchiert haben“, heißt es in dem Schreiben, das der Redaktion vorliegt. Röhner bezweifelt, dass bei der Berechnung alle Aspekte, von der Anzahl der Raucher in der Stadtverwaltung über die verschiedenen Entgeltgruppen bis hin zu Abwesenheiten wegen Krankheit, Urlaub und Ähnlichem mehr berücksichtigt wurden. Außerdem weist sie darauf hin, dass Raucherpausen auch der „informellen Kommunikation“ dienen, Mitarbeiter „über dienstliche Belange und Probleme“ sprächen.
„Sie haben nicht einmal ansatzweise versucht, die übergeordnete Bedeutung und Wichtigkeit unseres Antrages zu verstehen“, heißt es in dem von Helmut Butterweck unterzeichneten Antwortschreiben. Treibe man Röhners Verständnis auf die Spitze, könne man Nichtrauchern weniger effizientes Arbeiten vorwerfen, „da sie ein Defizit an informellen Gesprächen mit anderen Kollegen haben“. Dass Nichtraucher „indirekt diskriminiert“ würden, sehe Röhner offenbar nicht.
Er halte den CDU-Antrag für einen falschen Ansatz, der eine „unnütze, emotionale Diskussion“ heraufbeschwöre. Und die könne einen größeren „Motivations-Schaden“ bringen, als tatsächlich Geld über eine Neu-Regelung reingeholt werden könne. „Man soll nicht denken, dass die Arbeitsleistung eines Rauchers, dem man das Rauchen verbietet oder erschwert, besser wird“, glaubt Rogg. Im Rathaus selbst ist das Qualmen aber verboten, die Raucher weichen auf die Dachterrasse oder ein Raucher-Eck im Untergeschoss aus. Die CDU hat ihren Antrag erstmal zurückgezogen.
Für die Mitarbeiter im nur wenige hundert Meter entfernten Kreishaus hingegen gibt es ganz klare Vorgaben: Die Raucher unter ihnen müssen ausstechen, wenn sie sich ihrer Sucht hingeben, wie Kreis-Pressesprecherin Kordula Egenolf auf Anfrage mitteilte. Raucherpausen sind hier allerdings nur im Freien möglich: Entweder tummeln sich die Qualmer am Haupteingang des Kreishauses zur Grünachse, wo ein riesiger Aschenbecher steht (siehe Foto) oder aber im Innenhof.
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