Dietzenbach ‐ Morgens halb zehn. Ganz Dietzenbach liegt nach der Silvesterfeier im Tiefschlaf. Ganz Dietzenbach? Etwa 25 junge Männer haben sich am Neujahrstag Schippen und Besen geschnappt und befreien Straßen und Plätze von den Überresten der Raketen, Kracher und Böller, mit denen 2010 lautstark begrüßt worden ist. Von Christoph Zöllner

Hinter der Hilfsaktion stecken Angehörige der Ahmadiyya-Gemeinde, genauer gesagt von deren Jugendorgani sation. Unter dem Motto „Waqar-e-Amal“ (ehrenvolle Arbeit) kehrt der Nachwuchs diesmal den Europaplatz und die Grünachse bis um die Ecke zum neuen Zuhause: Theodor-Heuss-Ring 48.
Der Kaufvertrag für das Gebäude ist seit Dezember unter Dach und Fach, berichtete Mohammad Sharif Khalid von der Ahmadiyya-Gemeinde, der auch dem Ausländerbeirat angehört. In den nächsten Wochen wollen die Gläubigen die Räume unweit des evangelischen Kirchen-Hauses renovieren, ehe sie ihre Moschee im Februar einweihen. Das Gebäude, wo ehedem die Firma Bindomatic residierte, hat eine Fassade zum Theodor-Heuss-Ring hin und eine angebaute Halle in Richtung S-Bahn. Auf dem hinteren Teil des Areals sollen noch zusätzliche Parkplätze geschaffen werden.
Die Ahmadiyya-Glaubensgemeinschaft wurde 1889 in Nordindien gegründet. Eigenen Angaben zufolge unterhält die Gemeinde mit Sitz in Frankfurt deutschlandweit mehr als 20 Moscheen und 70 Gebetszentren. Die meisten der rund 30 000 Mitglieder hierzulande stammen aus Pakistan. Das Ziel, in der Bundesrepublik 100 Moscheen zu gründen, wird vielerorts kritisch gesehen. Indes stuft der Verfassungsschutz die Ahmadis „weder als extremistisch noch gewalttätig“ ein; sie gelten als friedlich, unauffällig und integrationswillig.
Nach Informationen der evangelischen „Informationsstelle Kirche-Sekten-Religionen“ unterscheidet sich die Ahmadiyya-Bewegung vom übrigen Islam „in ihrer friedfertigen Interpretation des Korans“. Sie wolle nicht nur die Moslems, sondern alle Menschen zu Ahmadis bekehren. „Dank ihrer pazifistischen Grundüberzeugung und ihrem Sinn für soziale Gerechtigkeit fällt sie in nichtmuslimischen Ländern als islamistische Gemeinschaft kaum negativ auf. Sehr befremdlich ist aber die These, die der Gründer vertritt, dass Jesus am Kreuz nicht starb, sondern noch lange in Indien und Kaschmir lebte“, teilt die Informationsstelle mit.
Khalid und Farooq Cheema, Leiter der hiesigen Jugendorganisation, freuen sich bereits auf die Moschee, die sie mit einem Tag der offenen Tür vorstellen wollen. Doch bis dahin wartet noch viel Arbeit. Immerhin mussten die Gläubigen am Neujahrstag nicht ganz so viel einsammeln wie im Vorjahr. „Es gab diesmal deutlich weniger Feuerwerk“, sagte Cheema, der den Städtischen Betrieben 16 prall gefüllte Säcke hinterließ.
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