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Blitzer in Dietzenbach: ZDF berichtet über gestresste Autofahrer

Mit dem Zweiten blitzt es besser

Dietzenbach - Es war der letzte Beitrag. Zum Schluss der ZDF-Sendung „WISO“ flimmerte am Montagabend ein Geschichtchen über Dietzenbach auf den Bildschirmen der Nation. Von Barbara Scholze

Insgesamt neun Laser-Säulen überwachen an den Dietzenbacher Hauptstraßen Tempo- und Rotlichtsünder.

© Towae

Insgesamt neun Laser-Säulen überwachen an den Dietzenbacher Hauptstraßen Tempo- und Rotlichtsünder. Auch an der Kreuzung Offenbacher/Limesstraße stehen zwei Blitzer, was viele Autofahrer in Rage bringt.

Thema: Die neuen Geschwindigkeitsmessanlagen, sprich Blitzer, allüberall im Ort, ihre negative Wirkung auf die Geldbeutel der Bürger und Besucher samt den positiven Folgen für den Stadtsäckel.

Zwei Minuten und 34 Sekunden hatten die Filmchen-Macher Zeit, unter dem Motto „Blitzerwahn in Dietzenbach“ die laserbasierten Säulen zu zeigen, von „Mehrfach-Fotoshootings“ Betroffene zu Wort kommen zu lassen sowie Rechenaufgaben hinsichtlich möglicher Einnahmen vorzunehmen. Keine Zeit blieb für den Blick auf die Themen Regelverstöße oder Verkehrssicherheit, die waren mit einem Nebensatz erledigt. Immerhin meinen die Fernsehmacher: „Sicher, jeder sollte sich innerorts an die vorgeschrieben 50 Stundenkilometer halten.“

Durchschnittlich bis zu 60-mal täglich „Klick“

Tatort im ZDF also: das hessische Blitzerbach. „Es blitzt und blinkt den ganzen Tag, rund um die Uhr, manchmal sogar im Sekundentakt, die Autofahrer sind genervt, wütend, gestresst und fühlen sich abgezockt“, fabuliert der Sprecher angesichts einer ruhelos geschnittenen Filmszene, die eine Fantasie von Großstadtverkehr entstehen lässt. In „Blitzerbach“ mache es durchschnittlich bis zu 60-mal täglich „Klick“, und da Ordnungswidrigkeiten bis zu 35 Euro in der Stadtkasse verbleiben, könne das im Idealfall 750.000 Euro pro Jahr einbringen.

Sendung anschauen. Hier geht´s zur Internetseite von WISO

Als Zeuge dieser kommunalen „Abzocke“ dient ein Mann mit Erfahrung: Bar-Betreiber Marco Lange. „Der 25-Jährige wurde schon etliche Male erwischt“, heißt es, natürlich nur mit „kleinen Temposünden“. Dementsprechend ärgert Lange sich, „dass das immer mehr wird und immer öfter passiert und dass man bezahlen muss für zwei, drei Stundenkilometer zu schnell“. Zustimmendes Expertenwissen kommt von Bernd Goecke, Fachanwalt für Verkehrsrecht in Westhofen. Er habe den Eindruck, der schnöde Mammon bestimme die Plätze, an denen die Überwachungsgeräte aufgestellt werden, also die Frage, wie viel Geld die Kommune einnehme. Einen Besuch vor Ort hat der Rechtsanwalt nicht gemacht, über die Standorte der Messanlagen informiert hat er sich vor der Sendungsaufzeichnung mithilfe von Plänen und Pressemeldungen. „Das Dietzenbacher Modell fällt schon auf“, sagt er auch auf Nachfrage.

Die verrücktesten Blitzer-Bilder

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vor

Nicht gut zu sprechen auf die Überwachungsgeräte ist ebenso der jugendliche Stellvertreter der Dietzenbacher Politik, der schnell reden muss, aber gerade noch so in die zweieinhalb Minuten passt. Fast 500.000 Euro hat sich die Stadt die Anlagen kosten lassen, „wäre das Geld nicht irgendwo anders besser aufgehoben?“, fragt sich der SPD-Stadtverordnete Filippos Kourtoglou beim Spaziergang rund um die Säule am südlichen Ortseingang.

Die Rolle des Kämpfers für Sicherheit und Ordnung in seiner Stadt übernimmt schließlich einmal mehr Erster Stadtrat Dietmar Kolmer (CDU). Auch vom Fernsehen lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen, bittet darum, Worte wie „Opfer“ und „Abzocke“ zu vermeiden und spricht den schlichten, doch bedeutungsschweren Satz: „Wenn jemand zu schnell fährt, wird er halt geblitzt.“

Ach ja, und ganz zum Schluss erscheint dann noch eine mit Laptop bewaffnete Dreier-Boygroup, die mittels sozialer Medien für den guten Ruf der Kreisstadt kämpfen möchte. Die Facebook-Gruppe „Achtung, Blitzer gesichtet“ soll das Dietzenbacher Image heben. „Gerade die Leute, die zu Besuch kommen oder geschäftlich was zu tun haben, werden schön erwischt, das ist eine Unverschämtheit, da wollen wir entgegenwirken“, sagt Benjamin Groß. Ihm zur Seite stehen Kourtoglou – und Lange.

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