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Buchschlager Jörg Dittmar dreht für den dortigen Markt

„Asien liebt Filme“

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Artikel: „Asien liebt Filme“

Buchschlag ‐ „Ich habe mich schon als kleines Kind für Asien interessiert und von meinen Eltern Buddha-Figuren geschenkt bekommen.“ Aus dieser frühen Vorliebe wurde für den in Buchschlag lebenden Jörg Dittmar über die Jahre eine berufliche Beschäftigung. Von Holger Klemm

© Mae Chee Brigitte

Hilfsprojekte sind Dittmar ebenfalls sehr wichtig. Das Foto zeigt, wie er einen Film für einen Aids-Tempel in Thailand persönlich übergibt.

Als Produzent, Regisseur und Autor dreht er für Firmen Werbe- und Produktfilme für den asiatischen Markt.

„Asien liebt Filme - nicht nur in China sind Kino und Fernsehen seit langem hoch entwickelte Branchen“, erzählt der aus Crailsheim in Baden-Württemberg stammende Dittmar, der Medien und Marketing studierte. Insofern sei es für eine deutsche Firma eine gute Idee, ihre Produkte dem asiatischen Markt visuell näher bringen zu wollen. Denn auch gut gemachte Broschüren oder Flyer helfen dort nicht weiter.

Allerdings genüge es nicht, einen hierzulande gedrehten Film einfach mit Untertiteln zu versehen, damit sei das Scheitern vorprogrammiert. „Man muss die Filme mit den Augen der Zielgruppe sehen. Zwischen Europa und den USA gibt es noch große Schnittmengen, mit Asien aber so gut wie keine“, berichtet der Diplom-Medien- und Wirtschaftsingenieur.

In Thailand bedeuten Füße etwas schmutziges

Und das hängt nach Angaben von Dittmar mit den unterschiedlichen kulturellen Sichtweisen, Sehgewohnheiten und Erwartungen zusammen. Das müsse ein Unternehmen beachten, wenn es auf dem asiatischen Markt Fuß fassen will.

Aber auch zwischen den dortigen Ländern gibt es große Unterschiede. „Es gibt größere Gemeinsamkeiten zwischen einem Portugiesen und einem Ukrainer als beispielsweise zwischen einem Japaner und einem Uiguren.“ Hinzu komme eine große Bandbreite an politischen und religiösen Systemen. Indonesien ist das größte islamische Land der Welt, Thailand buddhistisch, Birma mit seiner Militärdiktatur atheistisch. Daneben stehe China mit seinem kommunistischen Kapitalismus.

Dittmar nennt einige Beispiele für die kulturellen Unterschiede. In Thailand bedeuten Füße etwas schmutziges. Das Entgegenstrecken von Füßen gelte deshalb als Beleidigung. In China gebe es große Schwierigkeiten, Bausparkassen zu etablieren. „Man lebt dort im Hier und Jetzt“, so Dittmar. Es sei abwegig, Geld auf die Bank zu tragen, wenn man sich schon jetzt etwas leisten könne.

Chinesen nutzen einen ganzheitlichen Ansatz

Eine deutsche Automarke versuchte einmal, mit Sportlichkeit zu werben und bildete eine Fahrzeugsilhouette durch eine Schar muskulöser Läufer nach. In China könne dies jedoch nicht funktionieren, da man eine Nobelmarke nicht mit Schweiß verbinde.

Und seiner Ansicht nach sei es auch zu wenig, einfach nur das Produkt - beispielsweise eine Maschine - in Szene zu setzen. „Ich muss mit einem Film Emotionen wecken, denn Kaufentscheidungen fallen meist unterbewusst“, so der 47-Jährige. Gerade für den asiatischen Markt sei es wichtig, eine Geschichte und eine Vision mit dem jeweiligen Produkt zu verbinden. Denn Chinesen nutzen einen ganzheitlichen Ansatz. „Ich brauche deshalb erst diese Vision, bevor ich anfangen kann.“

© AnyzJörg Dittmar am Filmset.

Dittmar, der sich 1994 selbstständig machte, verfügt über ein großes Netzwerk an Spezialisten. „Für mich sind Filme Teamarbeit. Es ist eine Kunst, die richtigen Leute zu holen.“ Dittmar, der sich als Regisseur mehr als Arrangeur sieht, verfügt dabei nicht nur über die Kameraleute, Maskenbildner und Visagisten, sondern gerade auch über Experten, die sich vor Ort im interkulturellen Dialog auskennen. „Es reicht nicht, nur Deutsche am Tisch sitzen zu haben, die einem etwas über China erzählen wollen, da müssen schon Chinesen mit dabei sein.“

Dittmar hat über die Jahre hinweg Filme für viele Firmen gedreht - dazu zählen die Messe Frankfurt, Braun oder die Telekom - und auch einige Preise gewonnen wie den des International Forum Designs. Besonders wichtig ist ihm ebenfalls die Arbeit für Charity-Projekte. So drehte er Filme für einen thailändischen Tempel, in dem Aids-Kranke gepflegt werden, oder eine thailändische Mädchenschule.

Die Wirtschaftskrise habe Dittmar bislang nicht gespürt. „Im vergangenen Jahr ist es gut gelaufen.“ Beim Marketing sei es so, dass man umso lauter trommeln müsse je schlechter es laufe. „In der Krise gibt es einen hohen Kommunikationsbedarf. Das sehen aber manche Firmen nicht“, so Dittmar.

Weitere Informationen auf der Internetseite „Your Film in Asia“

Der Buchschlager reist viel in die jeweiligen Länder, für seinen Beruf genügt das aber nicht: „Man muss auch ständig über die aktuelle Entwicklung auf dem laufenden sein.“ Abgesehen davon findet er das Riesenreich sehr beeindruckend. „Die Leute sind dort sehr optimistisch und glauben an die Zukunft.“ Und genau das stört ihn manchmal an Deutschland, wo viele Angst vor der Zukunft haben und glauben, dass alles schlechter werde.

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