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Zwei junge Männer aus Afghanistan und Äthiopien nutzen Chance und erwerben Einser-Schulabschluss

Beispiel für gelungene Integration

109.07.10|Dreieich|Dreieich|1
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Artikel: Beispiel für gelungene Integration

Dreieich ‐ „Biruk Alemayehu und Peyman Ahmad sind ein Beispiel gelungener Integration und einer ‚Kooperation des Kümmerns‘“, freut sich Walter Schwarz, Leiter der Max-Eyth-Schule (MES). Die Jungs stammen aus Äthiopien und Afghanistan. Von Christian Endecott

© op-online.de

Peyman Ahmad, Klassenlehrerin Anett Müller und Biruk Alemayehu (von links).

Beide haben ihren Hauptschulabschluss an der Max-Eyth-Schule in Dreieich nach nur zwölf Monaten in Deutschland mit der Durchschnittsnote 1,1 absolviert.

Biruk Alemayehu stammt aus Äthiopien und Peyman Ahmad aus Afghanistan. Sie wohnen seit einem Jahr in Deutschland und haben durch den „Eingliederungslehrgang in die Berufs- und Arbeitswelt“ (EIBE-Technik) ihren Abschluss erlangt. Vor einem Jahr sah alles noch ganz anders aus, denn beide konnten kaum Deutsch. Jetzt haben sie die Zulassungsberechtigung für die zweijährige Berufsfachschule, die ihnen den Realschulabschluss ermöglicht. Und dies, obwohl sie aus schwierigeren Verhältnissen stammen: Flucht aus Kriegsgebieten, Verlust der Eltern, Entrissenheit aus ihren sozialen und kulturellen Wurzeln und Angst, was auf sie zukommt in dem fremden Deutschland.

Hier wurden sie aufgenommen und integrierten sich schnell. Betreut von der Arbeiterwohlfahrt Dreieich (Awo) leben sie in einer Jugendwohngruppe in Dreieich. Die Sozialpädagogen und Mitarbeiter der Awo beschreiben Biruk und Peyman als zwei junge Menschen, die sehr sozial und hilfsbereit anderen jungen Menschen in der Wohngruppe - die gleiche Schicksale haben - helfen. „Egal ob beim Kochen, Saubermachen, bei Konfliktlösungen oder bei der Nachhilfe“, so der Leiter der Awo-Wohngruppe, Manfred Grassmann.

„Das außerordentliche Ergebnis freut uns“

Die Kollegen der EIBE-Maßnahme, die vom Europäischen Sozialfonds unterstützt und in Hessen an den beruflichen Schulen angeboten wird, äußern sich gleich lautend. Die EIBE-Koordinatorin der Max-Eyth-Schule, Anett Müller, beschreibt die beiden wie folgt: „Zwei sehr feine, sympathische, ausgleichende junge Menschen, mit denen das schulische Arbeiten ein ganzes Jahr äußerst angenehm war. Ich freue mich für die beiden. Besonders auch deshalb, weil wir vor ein paar Wochen als Lehrer und Schüler um Emeka gemeinsam getrauert haben“.

Emeka war ein ehemaliger EIBE-Schüler an der Max-Eyth-Schule. Er hat zwei Frauen, die von fremden Männern bedroht wurden, in Frankfurt schützen wollen und musste dafür sein Leben lassen (wir berichteten).

„Das außerordentliche Ergebnis von Biruk und Peyman freut uns. Ihr Erfolg ist ein weiteres Zeichen für eine gelungene Integration“, so Dr. Matthias Rießland, der die EIBE-Maßnahme sozialpädagogisch betreut. „Außerdem haben sie mit ihrem Verhalten ihre Mitschüler motiviert und sozial integriert. Es gehört zu unserem Konzept, dass wir ein ‚Netzwerk des kooperativen Kümmerns‘ aufgebaut haben, das diese jungen Menschen stärkt, begleitet, integriert und ihnen Lebensperspektiven eröffnet.“ Das Netzwerk bestehe aus Betreuungseinrichtungen, wie Awo, Flüchtlingshilfe, Internationaler Bund und „Alt hilft jung“ aus Neu-Isenburg. In mittelständischen Betrieben haben Biruk und Peyman ihre Praktika absolviert, die zur Integration in die Arbeitswelt gehören.

Beide Eltern kamen im Krieg ums Leben

In der EIBE-Klasse war man von den Geschichten der beiden Mitschüler fasziniert. Biruk verließ Äthiopien wegen des Bürgerkrieges. Sein Vater wurde als kritischer Journalist festgenommen. Beide Eltern kamen in den Kriegswirren ums Leben. Die Klassenkameraden waren geschockt und bewegt von seiner Geschichte, genau wie der von Peyman. Dieser verließ den Unterricht an einem Tag, als er erfuhr, dass eine Bombe in der Nähe, wo seine Familie wohnt, gezündet wurde. Bedingungen, die in Deutschland unvorstellbar sind.

„Ich danke der Awo, der Max-Eyth-Schule und allen, die mir geholfen haben“, zeigt sich Biruk heute glücklich. „Nun bin ich froh, dass ich die Berufsfachschule weiter machen kann.“ Auch bei Peyman ist der Dank groß. „Ich glaube, unsere Betreuer und Lehrer wollen uns hier in Deutschland aufbauen wie ein Haus. Dafür bedanke ich mich von ganzem Herzen!“

Biruk und Peyman werden die nächsten beiden Jahre in der Berufsfachschule an der Max-Eyth-Schule für den Realschulabschluss weiter gemeinsamen arbeiten. Der gläubige Christ Biruk und der Muslim Peyman sind Freunde geworden, die gemeinsam ihre Ziele erreichen wollen. Außerdem ist Peyman hessenweit ein erfolgreicher Ringer. Biruk geht seinem Glauben nach und gehört zur christlich-orthodoxen Kirchengemeinde Frankfurt.

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