708.07.09|Dreieich|Dreieich|1
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Dreieich - Noch sind Hemmschwellen für Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund groß, in einen Verein zu gehen. Dabei zeigen Studien, dass es auch bei ihnen den Wunsch gibt, sich stärker sportlich zu betätigen. Von Holger Klemm

© Sauda
Eine Urkunde überreichten DTB-Abteilungsleiterin Pia Pauly und Projektreferentin Maria Irala (dritte und vierte von rechts) an die SKG, vertreten durch Norbert Althammer (vierter von links) sowie den Vorsitzenden Lothar Langen (rechts). Unterstützt wird das Modellprojekt „Bewegungen und Gesundheit“ in Dreieich auch von (von links) Gisela Hohner (Mädchencafé), Wolfgang Pfannemüller (Hessischer Turnverband), Karin Scholl (Integrationsbüro) und Bürgermeister Dieter Zimmer.
Da setzt das bundesweite Modellprojekt „Bewegung und Gesundheit“ des Deutschen Turnerbundes (DTB) an, für das Dreieich und die SKG mit ausgewählt worden sind.
„Vereinssport kann das Selbstbewusstsein von Frauen und Mädchen stärken, kulturelle Barrieren überwinden und so die gesellschaftliche Integration fördern“, zählt Pia Pauly, DTB-Abteilungsleiterin, die Vorzüge eines verstärkten Engagements von Migrantinnen auf. Die Wahl fiel auf Dreieich, weil hier schon intensiv in diesem Bereich gearbeitet werde. Karin Scholl, Leiterin des städtischen Integrationsbüros, sprach deshalb von „offenen Türen“. Aufgebaut werden soll ein Netzwerk vor Ort, an dem sich neben der Stadt und der SKG auch die Kita der Versöhnungsgemeinde und das Mädchencafé beteiligen, um die angesprochenen Frauen und Mädchen verstärkt für Bewegungs- und Sportangebote zu gewinnen. Mit einbezogen werden soll auch das Gesundheitsprojekt von Stadt und Kreis mit den muttersprachlich geschulten Gesundheitslotsen. Aus den gewonnenen Erfahrungen sollen dann die anderen Vereine profitieren.
Für den Anfang werden Mutter-Kind-Turnen, Gesundheitssportkurse für Frauen sowie spezielle Tanzkurse für Mädchen im Hip-Hop-Bereich angeboten. Getragen werden diese von der SKG im Verbund mit der Kita der Versöhnungsgemeinde und dem Mädchencafé. Schon seit einem Jahr hat die SKG Turnen für Migrantinnen im Programm - mit Erfolg. Auch im Fastenmonat Ramadan blieben die Teilnehmerinnen dabei. Der Kurs sei da mit „gebremster Energie“ gelaufen, weiß SKG-Projektleiter Norbert Althammer zu berichten.
Die SKG will aber noch verstärkt auf die Bedürfnisse der Zielgruppe eingehen, auch räumlich. „Wir wollen dorthin gehen, wo die Frauen leben“, sagt Althammer. So soll es nicht nur Kurse in den Vereinsräumen geben, sondern auch in der Kita (Mutter-Kind-Turnen) und im Mädchencafé (Tanzkurse). „Ich finde es wichtig, dass die SKG zu uns kommt“, so Gisela Hohner vom Mädchencafé. Sie hat festgestellt, dass viele ihrer Mädchen bislang nicht bereit sind, in einen Verein zu gehen. Da könne das Tanzprojekt helfen.
Der Sprendlinger Verein überlegt ebenfalls, wie er Schwimmen und Fahrradfahren den Migrantinnen näher bringen kann. Befragungen hätten ergeben, dass da ein besonders großes Interesse besteht. Mit dem Radfahren könnte das tägliche Leben erleichtert werden. „Die Frauen müssten dann ihre Einkäufe nicht mehr nach Hause schleppen“, berichtet Karin Scholl. So könnte das Projekt den Teilnehmerinnen auch das tägliche Leben in Deutschland erleichtern.
Wolfgang Pfannemüller vom Hessischen Turnverband spricht von einem „spannenden Projekt“. Er erhofft sich Anregungen für alle Vereine deutschlandweit. Es gehe aber nicht darum, den Migrantinnen das deutsche Vereinswesen überzustülpen, sondern auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Schön wäre es, wenn sich Teilnehmerinnen des Projekts dazu entschließen könnten, selbst Übungsleiterin zu werden oder auch Führungsaufgaben in Vereinen zu übernehmen.
Mit Flyern soll nun für die Sportangebote geworben werden, die nach den Sommerferien starten.
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