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Timo Seibert bringt den Offenthalern ihre Kirche ein Stück näher

Gemäuer mit langer Geschichte

Offenthal - „Vor 1767 war die Bausubstanz hier so marode, dass der Besuch des Gottesdienstes lebensgefährlich war“, berichtet Timo Seibert. Rund 60 Interessierte haben der Eiseskälte getrotzt, sitzen in der evangelischen Kirche und lauschen den Worten des Hobby-Historikers. Von Manuel Schubert

© Schubert

Timo Seibert (Mitte) weiß einiges über die Offenthaler Kirche zu berichten. Neben ihm sind Pfarrer Marcus Losch (links) und Moderator Rüdiger Kaiser zu sehen.

Anlass ist die Reihe „Heilige Räume“ der Evangelischen Erwachsenenbildung in Stadt und Kreis Offenbach, die einen Blick hinter die Kulissen von sechs Dreieicher Kirchen gewährt.

Bei den Nachforschungen zu seiner Heimatstadt habe er gemerkt, dass Kirchengeschichte untrennbar mit der Geschichte Offenthals verknüpft sei, sagt Seibert. Der Grundschullehrer beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Vergangenheit des Stadtteils und kann so manche Anekdote aus den vorigen Jahrhunderten erzählen. „Wir haben hier eine sehr schöne Kirche, in der es immer wieder etwas zu entdecken gibt. Für mich ist jeder Besuch Erholung vom Alltag“.

„Was ist Ihnen beim Spaziergang aufgefallen?“, fragt Moderator Rüdiger Kaiser die Anwesenden. Die vergangenen 20 Minuten hatten sie Zeit gehabt, auf eigene Faust das Kirchengebäude zu erkunden und Eindrücke zu sammeln. Dabei nutzten viele Besucher die Gelegenheit, sich einmal den Kirchturm von innen anzusehen. Andere erklommen die Kanzel, probierten die Orgel aus oder liefen einmal um die Kirche herum.

Weshalb es sowohl gotische als auch barocke Bauelemente gebe, will eine aufmerksame Beobachterin wissen. Seibert antwortet, man wisse, dass das Gebäude 1767 grundlegend saniert wurde. Im Zuge dessen sei viel Gotisches durch Barockes ersetzt worden. Jedoch könne man die Kirche seitdem auch wieder betreten, ohne um sein Leben fürchten zu müssen. „Wie genau die Kirche vor der Barockisierung ausgesehen hat, weiß man leider nicht mehr“, so Seibert.

Leichen liegen kreuz und quer

Warum es im evangelischen Gotteshaus eine eigentlich typisch katholische Kapelle gibt, kann der Experte beantworten. Man müsse bedenken, betont Seibert, dass die Kirche nicht immer evangelisch gewesen sei - „erst seit der Reformation!“ Ebenfalls neu für manche der Teilnehmer: Der angrenzende Kirchgarten wurde früher als Friedhof genutzt.

Seibert: „Wenn man 40 Zentimeter gräbt, stößt man unweigerlich auf Knochen. Die Leichen sind dort schon seit Hunderten von Jahren. Und sie liegen wirklich kreuz und quer.“ Doch all diese Besonderheiten sind nichts im Vergleich zu der Art, wie die damaligen Bewohner ihre Kirche während der Erbauung um 1400 erlebt haben müssen. „Offenthal bestand damals vielleicht aus 20 bis 30 Lehmhütten - und dann kommt Stifterin Anna von Falkenstein und lässt eine überproportionierte Kirche in dieses kleine Dörfchen bauen“, verdeutlicht Seibert. Den genauen Grund für diese Aktion kenne man jedoch nicht. Alle Informationen über von Falkensteins Beziehung zu Offenthal seien mündlich überliefert und nicht weiter belegt.

Zur Entspannung gibt’s daraufhin eine Bach-Fuge, vorgetragen von Organistin Marianne Braun. „Sie haben bestimmt gehört, was ich Ihnen vorhin erzählt habe“, meint sie im Anschluss. „Die Orgel macht nicht, was ich will!“ Als alle Fragen beantwortet sind, übergibt Moderator Kaiser an Pfarrer Marcus Losch. „Ich habe mich hier sofort wohlgefühlt. Als ob ich zu Hause angekommen wäre“, erinnert sich Losch an den Moment, in dem er das Gebäude zum ersten Mal betrat.

Im Hinblick auf das Motto der Veranstaltungsreihe führt er aus: „Das, was wir hier machen, macht den Raum eigentlich erst zu etwas Heiligem und Besonderem.“ Er finde es schade, so der Pfarrer weiter, dass das Bewusstsein für die Heiligkeit der Kirchen im Laufe der Zeit etwas verloren gegangen sei - und erntet dafür anerkennenden Applaus.

Nächste Station ist die evangelische Kirche Götzenhain am Sonntag, 4. März. Mit dabei sind unter anderem Pfarrerin Martina Schefzyk und das Ensemble für alte Musik.

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