Egelsbach - Bert sieht ein wenig so aus, als sei er gerade aus dem Zylinder eines Zauberers gekrochen. Rote Albino-Augen, samtweiche Pfoten und schneeweißes Fell, das an einigen Stellen in wuscheligen Wirbeln vom kleinen Köpfchen absteht. Von Katharina Skalli

© Skalli
Bei Birgit Saller haben es die Langohren gut. Damit auch die Tiere, die sie vermittelt, ein schönes Leben führen können, macht die Betreiberin der Egelsbacher Kanincheninsel Hausbesuche bei den neuen Hasen-Besitzern.
Bert ist ein Kaninchen und auf der Suche nach einem neuen Zuhause. Über das Internet sucht er für sich und seine Freundin Lotta ein neues großes Gehege mit Familienanschluss. Auch Leo, Ilse, Rebecca, Floh und Gideon sind auf der Suche. Bis es so weit ist, haben sie Zuflucht bei Birgit Saller und ihrer Kanincheninsel in Egelsbach gefunden.
Auf ihrer Internetseite verabschiedet sie sich von jedem einzelnen Tier, das sie verlassen hat. Liebevoll widmet sie ihm ein kleines Gedicht oder erzählt seine Geschichte. Über 300 Kaninchen hat Birgit Saller mittlerweile in neue Familien vermittelt. Dabei achtet sie genau auf die Bedingungen, führt Gespräche und macht Vor- und Nachkontrollen. „Ich vermittle nicht in Käfighaltung und auch keine Einzeltiere.“
Mehrmals am Tag klingelt die Kaninchen-Hotline. Besorgte Kaninchenbesitzer suchen Rat und überforderte Halter wollen ihre Tiere loswerden. So lange Platz ist, nimmt sie jedes Häschen auf. Manchmal landet eins jedoch erst mal auf der Warteliste. Nur wenn es sich um eine lebensbedrohliche Situation handelt, macht Birgit Saller eine Ausnahme. „Dann rücken alle eben ein wenig zusammen.“
Als das Hasen-Telefon klingelt, ist ein junger Mann am Apparat. Vor einigen Tagen hat er ein Kaninchen vorbeigebracht und will sich erkundigen, wie es ihm geht. Birgit Saller hat erstaunliche Neuigkeiten für ihn: Sein Tier ist trächtig. Schon in wenigen Wochen sollen die Babys kommen. Diese Nachricht kommt unerwartet. Der junge Mann war davon ausgegangen, dass er in der Zoohandlung zwei Männchen erstanden hatte. „Dass passiert leider oft“, sagt Saller. „Die Leute haben viel zu wenig Ahnung.“
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