Egelsbach - Was hatten Jürgen Sieling und Harald Eßer sich im Moment von Sieg und Niederlage zu sagen? Eine spannende Frage, nachdem die spannendste Frage des Wahlabends so viel deutlicher geklärt war, als von beiden Kontrahenten erwartet. Von Holger Borchard

© Strohfeldt
Das Siegerlächeln stand Jürgen Sieling ins Gesicht geschrieben, als er die vielen Glückwünsche – so auch vom Langener Bald-Amtskollegen Frieder Gebhardt – entgegen nahm. Sabine Sieling (Hintergrund) bewies derweil, wie man einem Rathaus-Chef den Rücken freihält und ihn von diversen Blumensträußen entlastet.
Das „Drehbuch“ hätte nicht besser geschrieben sein können: Als der designierte SPD-Bürgermeister kurz nach 18.30 Uhr den Rathaus-Saal betritt und sich alle Anwesenden nach und nach von den Sitzen erheben, um Beifall zu spenden, ist just der unterlegene Kontrahent als Erster in Sielings Reichweite. Ein Händedruck, ein Wortwechsel unter vier Augen – womöglich der einprägsamste Augenblick dieses 5. Februars. Jeder im Saal erlebt ihn mit, keiner wagt, zu stören.
„Harald Eßer hat mir zum Wahlsieg gratuliert und ich habe Harald Eßer zu einem guten Wahlkampf gratuliert“, erzählt Jürgen Sieling. „Dann haben wir uns für eine faire Auseinandersetzung bedankt, die selbst in den entscheidenden letzten zwei Wochen nicht zur Schlammschlacht ausgeartet ist.“
„Dazu gab und gibt es keinen Grund“, wird der „Verlierer“ wenig später für die Pressevertreter zu Protokoll geben. „Wir haben ja nichts gegeneinander und wir wollen auch in Zukunft gemeinsam und konstruktiv Politik für Egelsbach machen“, blickt Eßer voraus. „Ich wünsche Jürgen Sieling eine gute Hand, denn es kommt keine leichte Aufgabe auf ihn zu.“
Anklingen lässt Sieling zudem schon jetzt, dass er so manches anders zu handhaben gedenkt als der Amtsinhaber: „Nicht alles muss über meinen Tisch laufen. Wir haben gute Leute in der Verwaltung, denen ich gerne das Vertrauen ausspreche.“
Am Tag danach war bei den Wahl-Protagonisten ganz bewusst Privatleben angesagt. „Die Familie wird künftig kürzer kommen“, ist sich Jürgen Sieling bewusst. „Was auf uns zukommt, wissen wir so recht noch gar nicht, aber das kriegen wir hin.“
Dass weniger als die Hälfte aller Egelsbacher, nur 47 Prozent, zur Wahl gingen, empfinden beide als Katastrophe. Sielings Rezept: „Erfolg führt zu Erfolg. Wir müssen den Leuten Grund geben, dass sie sagen: Die Politiker haben einen guten Job gemacht.“
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