Egelsbach ‐ Die zum 1. Januar drohende Erhöhung der Kita-Gebühren um zehn Prozent ist vom Tisch. Die Mehrheit der Gemeindevertretung hat sie am Donnerstag abgelehnt – das erhoffte Ende eines kalten Abends für zahlreiche Egelsbacher Familien. Von Holger Borchard

© Strohfeldt
Hitzige Wortgefechte an einem kalten Abend: Mehr als einmal brachte Rudi Moritz die protestierenden Familien auf die Palme und andersherum.
Um kurz nach 21 Uhr brandete der Beifall im voll besetzten Sitzungssaal des Rathauses auf: SPD, Grüne und Wahlgemeinschaft erteilten dem Aufschlag eine Absage, während CDU und FDP angesichts der leeren Gemeindekasse ihrer harten Linie treu blieben. Die freilich war bei der Elternschaft unpopulär, wie Bürgermeister Rudi Moritz und die Vorsitzende der Gemeindevertretung, Claudia Berck, schon im Vorfeld der Sitzung zu spüren bekommen hatten.
Da waren beide den fast 100 großen und kleinen Egelsbachern entgegengetreten, die sich vor dem Rathaus zur Demonstration gegen die aus ihrer Sicht unhaltbaren Betreuungs-Zustände versammelt hatten. Während Moritz und Berck auf das „Diktat von Bund und Land“ und inzwischen jährliche Ausgaben von 3,6 Millionen Euro für die Kinderbetreuung in Egelsbach verwiesen, machten die Eltern deutlich, dass es ihnen nicht primär um die Gebührenerhöhung geht.
Rudi Moritz versuchte mit einem Heißgetränk und guten Neuigkeiten zu punkten: „Es sind vier Neueinstellungen im Kita-Bereich absehbar.“ Da er aber offen ließ, ob in Teil- oder Vollzeit und wie sich die Lage bessert, ging der Schuss nach hinten los. Kurzfristig drohte gar ein abruptes Ende, als allzu hitzige Zwischenrufer den Rathaus-Chef auf die Palme brachten. „Ist denn die Leistung schlecht?“, rief Moritz. „Jaaaa“, schallte es lautstark zurück. „Wenn Sie das glauben, dann lassen Sie Ihre Kinder eben zu Hause“, polterte Moritz und trat einen Entrüstungssturm los.
Gegen Ende des ungefähr 40-minütigen Gesprächs versuchte Claudia Berck, die Wogen zu glätten. „Ich werde heute zwar für die Erhöhung stimmen, aber ich verspreche, Ihre Botschaft ist angekommen, dass in Sachen Kinderfreundlichkeit mehr getan werden muss.“ Dies klang auch in der Gemeindevertretung durch: „Die Situation muss besser werden und das geht nur mit einem grundsätzlich neuen Konzept“, betonte etwa Uwe Herchenhahn (WGE). „Ehe das nicht gelingt, sind Gebührenerhöhungen mit uns nicht machbar.“ Deutlich machten die Politiker freilich auch, dass sie schon bald die Neustaffelung der Kita-Gebühren nach Einkommen beschäftigen dürfte.
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