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Evangelische Kirchengemeinde stellt drei Kreuze in Egelsbach auf

Kirchenkreuze werden zum Streitthema

Egelsbach - Die Aktion war von Beginn an nicht unumstritten, wobei sich die Zahl der Kritiker in Grenzen hielt. Drei Kreuze hat die evangelische Kirchengemeinde in Egelsbach aufgestellt – alle drei Standorte sind öffentliches Gelände. Von Frank Mahn

© Marc Strohfeldt - www.nachelf.de

Egelsbacher fordertvom Rathaus die Rücknahme der Genehmigung.

Die Genehmigung hatte sie aus dem Rathaus bekommen. Eben diese soll der Gemeindevorstand um Bürgermeister Rudi Moritz zurücknehmen. Das fordertPeter M. Radebach-Opitz. „Bei den drei genannten Stellen handelt es sich um von den Menschen in der Gemeinde stark frequentierte, bisher in keiner Weise religiös oder anderweitig genutzte öffentliche Plätze. Jene Bürger, die einen neutralen öffentlichen Raum schätzen, sind nun gezwungen, eine auffällige Markierung dieser Plätze durch religiöse Symbole zu dulden. Die Präsenz der Kreuze kann nicht einfach ignoriert werden, sie definiert diese Plätze als religiöse Orte und schafft den Eindruck, die Kirche hätte ein vorrangiges Recht auf deren Gestaltung und Nutzung“, begründet der Egelsbacher seinen „Antrag“. Im Rahmen einer offenen, freizügigen und multikulturellen Nutzung dieser Plätze sei es kontraproduktiv, diese Orte „einseitig religiös zu markieren und zu besetzen“. Zudem sei das Kreuz „aufgrund zahlreicher Ereignisse der Kirchengeschichte sowie jüngerer Enthüllungen ein Symbol, das mittlerweile für viele Menschen negativ besetzt ist“.

Originalkreuze wurden geschändet

Rückblick: Während der Herbstferien 2010 hatten Kinder drei bunte Holzkreuze gestaltet, 2,10 Meter hoch und 1,40 Meter breit. In Abstimmung mit der Gemeinde wurden sie am Bruchsee, auf dem Rodelberg im Brühl und am Fernwanderweg in der Nähe des Lauftreffs aufgestellt. Dort und am Bruchsee stehen mittlerweile einfache Holzkreuze. „Sie sollen zeigen, dass wir der plumpen Gewalt nicht weichen, die Seelen der Kinder aber nicht weiter verletzen lassen wollen“, sagt Pfarrer Martin Diehl. Die Originale wurden geschändet – zum Beispiel abgesägt und ins Wasser geworfen. An seinem Ort ist nur noch das Kreuz auf dem Rodelhügel, auch wenn es mehrfach mit kleinen und großen Hakenkreuzen beschmiert wurde. Die beiden anderen stehen vor der Kirche.

Radebach-Opitz hatte sich bereits im Juli 2011 an die Gemeinde Egelsbach gewandt und gefordert, die Genehmigung für die drei Kreuze im öffentlichen Raum zu stornieren und sie stattdessen „zweckgebundener auf kirchlichem Grund und Boden aufzustellen“. Drei Monate später habe er vom Ordnungsamt die Antwort erhalten, dass „noch keine abschließende Entscheidung“ getroffen worden sei. Radebach-Opitz spricht von „Ignoranz gegenüber einem berechtigten Anliegen“ und hegt den Verdacht, „dass sich die Gemeindeverwaltung zu einer einseitigen Interessenvertretung der Evangelischen Kirche macht“.

Podiumsdiskussion am 19. März

Man habe sich mit der Kirchengemeinde darauf verständigt, das Thema in der Öffentlichkeit zu behandeln, sagt Bürgermeister Moritz, der eine Verschleppungstaktik bestreitet. Am 19. März um 20 Uhr wird es eine Podiumsdiskussion über das „Für und Wider“ der drei Kreuze im öffentlichen Raum geben, kündigt Pfarrer Diehl an.

„Wir sind nicht der Meinung, dass es gut wäre, die Kreuze einfach abzubauen. Andererseits wollen wir keinen Krieg ums Kreuz“, schreibt Diehl im Gemeindebrief. Und weiter: „Das Kreuz kann Anstoß erregen. Stimmt. Aber vielleicht ist das ja gut so. Kann es sein, dass wir – auch in Egelsbach – neben den Symbolen des Erfolgs auch das Kreuz im öffentlichen Raum brauchen?“ Der Glaube sei keine Privatsache, „die hinter Kirchenmauern eingesperrt gehört“. Vor allem aber findet der Pfarrer, „dass unsere Welt und damit auch Egelsbach voll ist mit Symbolen der herrschenden Konsumreligion (vom großen McDonald’s „M”, das über Egelsbach leuchtet, bis zum von Fraport gesponserten Fliegerdenkmal am Bruchsee …) und es nicht verkehrt sein kann, der allgegenwärtigen Aufforderung zum Tanz um das Goldene Kalb ein Symbol des barmherzigen und Leben schenkenden Gottes gegenüberzustellen“.

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