Egelsbach - Zur fröhlichen Musik, die durch die Halle schallt, tanzt Burak Özdemir auf dem Feld einige Gegenspieler aus, steht dann frei vor dem Tor und „versenkt“ den Ball elegant zwischen den Pfosten. Als Belohnung für das schöne Tor gibt’s Beifall von allen Seiten. Von Daniel Untch

© Strohfeldt
Freitags zu vorgerückter Stunde kickt Blau gegen den Rest beim Egelsbacher Mitternachtssport. „Es funktioniert“, freut sich Uwe Herzog, der Geschäftsführer des Jugend-Vereins.
Freitagabends von 22.30 bis 0.30 Uhr treffen sich Jugendliche aus Egelsbach und Umgebung in der neuen Sporthalle zum Mitternachtssport, einer Initiative des Vereins für Jugendsozialarbeit und Jugendkulturförderung Rhein-Main. „Seit September kommen um die 25 junge Leute, davon etwa 90 Prozent mit Migrationshintergrund“, zieht Geschäftsführer Uwe Herzog eine erste Bilanz. Verantwortlich für den Ablauf sind Qendrim Maloku und Erol Uzay aus Egelsbach. Die beiden 21-Jährigen fungieren als ehrenamtliche Übungsleiter: „Wir teilen die Mannschaften ein und pfeifen die Spiele“, sagt Uzay – und Maloku ergänzt: „Das geht aber ganz locker. Die Jungs merken von allein, wenn sie zu weit gehen.“
Wer gerade nicht an der Reihe ist, spielt sich am Rand mit jemandem den Ball zu oder versorgt die Aktiven mit klugen Ratschlägen vom Spielfeldrand. Dort sitzt gerade auch Burak Özdemir. „Ich komme gerne nach Egelsbach“, sagt der 17-jährige Langener. „Im Gegensatz zu Langen sind beim Mitternachtssport hier mehr Leute in meinem Alter.“ Die Altersspanne der Kicker reicht von 15 bis 25; die Jüngeren sind in der Überzahl.
Das Konzept baut bewusst darauf, ohne Mitarbeit eines Sportvereins auszukommen. Im Vordergrund steht die Selbstorganisation der Jugendlichen. „Das funktioniert hervorragend“, ist Uwe Herzog zufrieden, „und das sieht man auch“. Auf dem Feld sind keine großen Erklärungen nötig. Man kommt, um zusammen Fußball zu spielen. „Alles ganz einfach, ohne Anmeldung und ohne Kosten“, sagt Herzog. Eventuelle Skeptiker weiß er zu überzeugen – nicht zuletzt in einer der zentralen Fragen: „Bei einem Jedermann-Sportangebot wie unserem ist jeder über seine Krankenkasse versichert.“
In Zukunft spricht für Herzog & Co. nichts dagegen, auch mal auf andere Sportarten auszuweichen. „An Basketball hätten wahrscheinlich viele Spaß“, vermuten die Übungsleiter. Noch aber wird Fußball gespielt – und gerade jetzt braucht es eine klare Ansage, denn es sieht nach einem Unentschieden aus: „Wir spielen mit Golden Goal, das nächste Tor gewinnt!“ Das ist heiß umkämpft, die Teams schenken sich nichts. Auch wenn es um den Spaß geht, will jeder gewinnen. Nachdem der entscheidende Treffer gefallen und das Spiel entschieden ist, beglückwünschen sich alle per Handschlag und nach der unvermeidlichen Spielanalyse heißt es: „Bis nächsten Freitag.“
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