Eppertshausen J Über Organspende zu sprechen fällt schwer. Ihren Willen bekunden am Stammtisch oder in unverfänglichen Gesprächen viele, im Falle eines plötzlichen Unfalltodes Organe oder Gewebe denjenigen zu spenden, die damit überleben könnten. Von Jasmin Frank

© Frank
Kai Schmidt und Markus Klitzke haben ihn - den Organspendeausweis, der anderen das Leben retten soll.
Doch die wenigsten nennen auch den dazu wichtigen Organspendeausweis ihr eigen. In Eppertshausen gibt es Menschen, die den lebensrettenden Ausweis bei sich tragen, darunter Kai Schmidt und Markus Klitzke von der Freiwilligen Feuerwehr, die sich ohnehin durch ihr Ehrenamt im Alltag für andere Menschen einsetzen. Sie geben Auskunft über ihre Beweggründe.
„Rund 12 000 schwer kranke Menschen warten derzeit zwischen Hoffnung und Verzweiflung auf eine lebensrettende Transplantation. An jedem Tag sterben im Durchschnitt in Deutschland drei Patienten auf der Warteliste, weil für sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan zur Verfügung steht. Eine aktuelle Umfrage, die im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) durchgeführt wurde, bestätigt zwar, dass drei Viertel der Befragten damit einverstanden wären, nach ihrem Tod Organe zu spenden. Dennoch haben nur rund 25 Prozent der Bundesbürger einen Organspendeausweis“, informierte die Deutsche Stiftung Organtransplantation Anfang diesen Jahres. Erschreckend ist: Die Zahl der Organspender geht immer weiter zurück, so die gemeinnützige Stiftung: „Die Zahl derjenigen, die nach ihrem Tod Organe gespendet und damit schwerkranken Menschen geholfen haben, ist im Vergleich zum Vorjahr um 7,4 Prozent gesunken. 1 200 Organspenden konnten 2011 bundesweit durchgeführt werden. 96 weniger als 2010.“
„Ich habe den Ausweis seit fast zehn Jahren. Damals habe ich etwas über Organspende im Fernsehen gesehen und mich dann im Internet informiert. Für mich ist es selbstverständlich, anderen zu helfen. Und umgekehrt hoffe ich, dass auch mir einmal geholfen werden kann, wenn ich es nötig haben sollte“, erläutert der Feuerwehrmann Markus Klitzke.
Die beiden Feuerwehrmänner sind auch Blutspender und tragen beide Ausweise immer bei sich, damit im Notfall schnell darauf zugegriffen werden kann. Der Organspendeausweis bietet verschiedene Spendenvarianten an, so kann man vollständiger Spender für alle Organe sein, aber auch einzelne Organe ausschließen, zudem kann man die Bereitschaft zur Transplantation grundsätzlich signalisieren, die endgültige Entscheidung aber den Angehörigen überlassen. „Das wollten wir beide jedoch nicht, denn gerade für die Familie ist es oft ein Problem, darüber zu entscheiden, was mit einem Menschen geschehen soll, der einem so nahe gestanden hat“, argumentieren die beiden Eppertshäuser.
Ängste und Vorbehalte kennen sie nicht, obwohl es immer wieder Befürchtungen gibt, die im Zuge der Organspende auftreten, worauf auch die Deutsche Stiftung Organtransplantation eingeht und häufige Fragen wie: „Ich habe bereits einen Organspendeausweis. Wird auf einer Intensivstation trotzdem alles medizinisch Mögliche für mich getan, wenn ich lebensbedrohlich erkranke?“ beantwortet: Ziel aller medizinischen Maßnahmen im Falle eines Unfalls oder einer schweren Erkrankung ist es, Leben zu retten.
Die Bemühungen der Notärzte, Rettungsteams und der Intensivmediziner sind allein auf dieses Ziel ausgerichtet. Manchmal kommt die ärztliche Hilfe zu spät, Krankheit oder Unfallfolgen sind zu weit fortgeschritten, der Patient kann nicht mehr gerettet werden. Bei einer kleinen Gruppe von Patienten stellt sich die Frage einer Organspende: Die Durchblutung und die Funktionen ihres Gehirns sind aus verschiedenen Ursachen vollständig ausgefallen; Kreislauf und Atmung werden künstlich durch Beatmung und Medikamente aufrecht erhalten. Erst wenn der Tod durch vollständiges irreversibles Hirnversagen (den sogenannten Hirntod) festgestellt worden ist, wird die Frage der Organspende erörtert. „Die Intensivmediziner haben mit Organentnahme und Transplantation nichts zu tun“, versichert die Stiftung.
Klitzke hat den Fall, dass eine Organspende benötigt wurde, schon in seinem Umfeld erlebt und weiß: „Der Bedarf kann plötzlich kommen und dann ist man einfach froh, wenn Spenderorgane zur Verfügung stehen.“
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