Frankfurt - Seit dem Jahr 2000 lädt das Laienspielteam von „Lukas 14“ unter Leitung von Kapuzinermönch Pater Amandus (74), das Menschen mit und ohne Behinderung in kulturellen Projekten zusammenführt, alle drei Jahre zum „Frankfurter Evangelienspiel“ in den Archäologischen Garten ein. Von Michael Eschenauer

© op-online,de
Biblische Bilder, dargestellt von Laienschauspielern und unterlegt mit Texten, bilden das Herz der „Frankfurter Evangelienspiele“, die am Samstag vor dem Frankfurter Dom beginnen.
Umgeben von Schirn, Dom und Technischem Rathaus zeigen die Schauspieler ein Dutzend biblischer Bilder. Drei davon sind Gleichnisse Jesu in moderner Übersetzung.
Das Gleichnis vom verlorenen Sohn zum Beispiel. In der „Lukas 14“-Inszenierung spielt die Szene in einer Großstadt, die Frankfurt sein könnte. Im Mittelpunkt steht ein Familienunternehmen, ein Vater, zwei Söhne. Der eine Sohn will das Geschäftserbe antreten, der andere in die Welt, sprich in die abenteuerliche Großstadt ziehen. Er landet in den Bars, betrinkt sich, macht sich an Frauen heran.
Die Tradition des Evangelienspiels reicht bis ins Mittelalter zurück. „Die Menschen konnten nicht lesen und schreiben“, erzählt Pater Amandus, „deshalb gab es in den Kirchen Wandgemälde - und es gab die Evangelienspiele“. Vier Tage lang wurde bis zur Reformationszeit auch in Frankfurt gespielt. Die Reichsstadt war berühmt für ihre Mysterien- und Passionsspiele: Rund 200 Menschen schlüpften in ihre Rollen und in biblische wie zeitgenössische Kostüme. Schauplatz war der Römer. Bei seinen Studien ist Pater Amandus auf so manch interessantes Detail gestoßen. Darauf etwa, dass der erste Text für die Passionsspiele in Oberammergau aus Frankfurt stammte.
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