005.02.10|Rhein-Main|Rhein-Main|1
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Wiesbaden (wet/psh) - Noch nie sei ein Schuljahr so reibungslos angelaufen, jubelte Hessens Kultusministerin Dorothea Henzler im Herbst 2009. Seitdem ist es allerdings recht still geworden um die FDP-Politikerin. Offenbar hat sie nicht bemerkt, dass der Ärger in der Schulpolitik wächst.

© dpa
Offenbar hat Kultusministerin Dorothea Henzler nicht bemerkt, dass der Ärger in der Schulpolitik wächst.
Auf eine Entschlackung hatte man mit der Begründung verzichtet, sie würden von den Bildungsstandards abgelöst. Für die Grünen ist das ein willkommener Anlass, um Henzlers Schulpolitik die Note 5 zu geben: „Die FDP hatte den Bürgern als Teil ihres 100-Tage-Regierungsprogramms Korrekturen am G8 versprochen. Mittlerweile ist ein Jahr ins Land gegangen und passiert ist immer noch nichts.“ Bislang sei die Ministerin lediglich „durch die Panne beim Landesabitur sowie den Bruch von Wahlversprechen bei der Schulsozialarbeit und der 105prozentigen Lehrerversorgung aufgefallen, eigene Akzente jenseits von Ankündigungen sucht man leider vergebens“.
Heftige Schelte kommt auch von der SPD: Die vielen G8-Probleme wären vermeidbar gewesen, „wenn die Landesregierung auf die Experten im Schulbereich gehört und die Verkürzung des gymnasialen Bildungsgangs anders angelegt hätte: nämlich mit einer sechsjährigen Sekundarstufe I und der Möglichkeit der individuellen Verkürzung in der Oberstufe“, meinte die SPD-Bildungspolitikerin Heike Habermann.
Verärgerung auch bei der Vorsitzenden des Landeselternbeirats, Kerstin Geis. Bei G8 müssten immer noch die großen Herausforderungen - etwa bei den Klassengrößen und Lehrplänen - gestemmt werden. „Es passiert zu wenig, dabei sind viele Schwierigkeiten seit fünf Jahren bekannt“, sagte sie. Zudem gebe es viele Gründe, für die Schulzeitverkürzung in der Oberstufe zu plädieren.
Dr. Knud Dittmann, Vorsitzender des Hessischen Philologenverbandes, rügte: „Wir fühlen uns bestätigt, dass die Einführung von G8 ein Fehler war. G8 bedeutet eine Reduzierung dessen, was den Schülern an Bildung angeboten werden kann bei gleichzeitig erheblicher Zunahme an Belastungen - nicht zuletzt durch eine erhebliche Verdichtung des Nachmittagsunterrichts.“
Nicolas Wolz, Sprecher des Kultusministeriums, weist die immer lauter werdende Kritik zurück und sieht plausible Gründe für die Entwicklung bei den Bildungsstandards. Auf Anfrage erklärte er: „Das Verfahren zur Einführung der Bildungsstandards wurde verlängert, um den Schulleitungen, Lehrerinnen und Lehrern mehr Zeit zu geben, sich vor der verbindlichen Einführung intensiv mit den Bildungsstandards zu beschäftigen. Der Paradigmenwechsel von Lehrplänen hin zu Bildungsstandards ist so grundlegend, dass er mit Bedacht und ohne zu enge zeitliche Vorgaben eingeleitet werden sollte.“
Von neuen „Chancen“ und weiteren „Erfahrungsberichten aus der Schulpraxis mit wertvollen Hinweisen“ ist die Rede. Und Wolz empfiehl: „Die Schulen sollen sich ab dem Schuljahr 2010/11 intensiv auf die Ablösung der Lehrpläne durch die Bildungsstandards vorbereiten. Zu diesem Zeitpunkt gehen die Standards in das offizielle Beteiligungsverfahren, haben aber ein internes und öffentliches Anhörungsverfahren - durch Vorabbeteiligung der Verbände und Veröffentlichung der Entwürfe im Internet - bereits durchlaufen.“
Henzlers Sprecher sieht die Umstellung aufs Turbo-Abi grundsätzlich auf einen guten Weg. So habe das Kultusministerium „in den vergangenen Jahren nicht nur mit der Überarbeitung der Lehrpläne, sondern vielmehr mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket reagiert“; die Klassengrößen seien gesenkt, die Anzahl der Klassenarbeiten und Lernkontrollen reduziert worden und über eine Kontingentstundentafel seien neue Möglichkeiten bei der Stundenverteilung zwischen den Jahrgangsstufen 5 und 9 geschaffen worden. Wolz: „Hier hat die Schulkonferenz, die sich gleichberechtigt aus Eltern-, Schüler- und Lehrervertretern sowie der Schulleitung zusammensetzt, enorme Mitwirkungsrechte.“
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