116.06.10|Hanau|Hanau|
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Hanau ‐ Viele Theater sind nicht nur wegen der Aufführungen Orte kulturellen Geschehens. Auch ohne Spielplan spiegeln die Gebäude ein Stück Kulturgeschichte wider. Von Dieter Kögel

© pixelio
Das Wilhelmsbader Comedienhaus ist Teil der "Europastraße Historische Theater".
Das Wilhelmsbader Comoedienhaus ist eines dieser Beispiele - und es steht nicht alleine da. Insgesamt zwölf historische Theater von Rügen bis Koblenz sind es, die bislang im deutschen Teil der „Europastraße Historische Theater“ miteinander verbunden sind. Insgesamt 40 historische Theater in acht Ländern gehören der Europastraße bereits an, Tendenz steigend, sagt Carsten Jung, Generalsekretär von „Perspectiv“. Die Organisation, die seit 2003 die Theaterbesitzer und Theatermanager zusammenbringt, um gegenseitig vom Wissen und den Erfahrungen zu profitieren.
Denn die Probleme bei den historischen Theatern sind „überall die selben,“ weiß Jung. Renovierungen, Sanierungen, Modernisierungen müssen im Einklang mit den Schutzbestimmungen stehen und sind teuer. Wie kann man notwendige Arbeiten angehen, wo gibt es Finanztöpfe, die angezapft werden können? Fragen, die durch die Vernetzung der Theaterbetriebe geklärt werden können.
Gestern wurde im Comoedienhaus das Programm der erstmals geplanten „Woche der historischen Theater 2010“ vorgestellt. In der Zeit von 7. bis 18. September kann entlang der Theaterroute von Putbus bis Koblenz an jedem Tag an einer der Stationen ein historisches Theater besichtigt und eine Aufführung besucht werden. Ein „Pilotprojekt,“ von dem die Organisatoren glauben, dass es sich bewährt.
Seit 2008 ist auch Hanau mit seinem Comoedienhaus Mitglied der Theaterroute. Denn das 1781 erbaute Comoedienhaus spielt für Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky „eine herausragende Rolle“ im Konzert des Wilhelmsbader Gesamtensembles und in der bundesweiten Landschaft historischer Theaterbauten.
Und die Besucherzahlen im ehemaligen Scheunentheater der Kuranlage können sich sehen lassen: Rund 20.000 Zuschauer kommen pro Jahr zu den Vorstellungen oder zu den Besichtigungstagen, bei denen auch ein Blick hinter die Kulissen möglich ist.
Bei der „Woche der historischen Theater 2010“ im September wartet das Comoedienhaus mit einem besonderen Leckerbissen auf. „Ein Fest der Freiheit“ kommt am 17. September auf die Bühne. Eine von der Dramatischen Bühne Frankfurt unter Intendant Thorsten Morawietz im Auftrag Hanaus ausgearbeitete heitere und nachdenkliche Geschichte rund um das Wilhelmsbader Fest, das an den Mut der Aufständischen im Jahr 1832 erinnern soll. Bereits 2007 gastierte die Dramatische Bühne anlässlich des 175-jährigen Jubiläums des Wilhelmsbader Festes mit dem Stück im Comoedienhaus. Die eingehende Mischung aus Theater, Stummfilm und Kino - wobei sich die Ebenen der Genres immer wieder überraschend durchdringen - gehört für Carsten Jung zu den „absoluten Höhepunkten“ der einwöchigen Veranstaltungsreihe. Mit der idealen Verknüpfung von Theater und der Darstellung der historischen Gegebenheiten vor Ort „schießt Hanau den Vogel ab.“

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