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 Kinzigaue bietet auf 250 Hektar ein Zuhause für Vögel und Amphibien

Großer Bagger hilft kleinem Kiebitz

Main-Kinzig-Kreis ‐ Um 4 Uhr morgens grub sich die Baggerschaufel im Kinzigtal zwischen Langenselbold und Hasselroth zum ersten Mal tief in die Grasnabe. „Wir müssen den Frost ausnutzen“, sagt der Baggerführer. Denn wird der Boden zu weich, dann werden die Schäden auf Wiesen und Wegen zu groß. Von Dieter Koegel

Zwischen Neuenhasslau und Langenselbold entsteht in den Kinzigauen ein weiterer Weiher.

© Kögel

Zwischen Neuenhasslau und Langenselbold entsteht in den Kinzigauen ein weiterer Weiher, der die Landschaft insbesondere für den Kiebitz wieder attraktiv machen soll.

Sechs Stunden später war bereits ein Teil des neuen Weihers ausgehoben, der die künstlichen Feuchtgebiete in diesem Flurbereich ergänzen und insbesondere dem Kiebitz als künftig zusätzliches Nahrungsangebot zugute kommen soll. Es ist das jüngste von mehreren Schutzprojekten für den bedrohten Vogel, das von derHessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) in Zusammenarbeit mit der Telekom seit drei Jahren zwischen Langenselbold und Gelnhausen verfolgt und realisiert wird.

250 Hektar Fläche wird aufgewertet

Rund 15 000 Euro kostet die Gesamtmaßnahme, bei der neben dem neuen Tümpel in der Kinzigaue alte Weiden auf „Kopf“ zurückgestutzt oder ganz beseitigt werden. Denn „der Kiebitz liebt freies Gelände,“ wie HGON-Arbeitskreisleiter Günter Könitzer betont. Eine Gesamtfläche von etwa 250 Hektar zwischen Kinzig und Hasselbach wird durch die Maßnahmen aufgewertet und wieder bewohnbar für Amphibien und Vögel gemacht.

Denn nicht nur der Kiebitz profitiert. Auch die Laubfrosch-Population hat dort zugenommen, wo die HGON nach intensiven Planungen und Verhandlungen mit Landwirten und Gemeinden als Flächeneigentümern die Bagger anrücken lassen konnte. Zwar könne der ideale Urzustand mit solchen Eingriffen nicht wieder hergestellt werden, sagt Könitzer, doch „die Auendynamik wird nachgeahmt.“ Mit Erfolg. Denn bereits 100 Meter entfernt vom neu gebaggerten Gewässer befindet sich die zweite „Insel“ mit Tümpel, Schilfbewuchs und sterilen Flächen, die insbesondere der Kiebitz bevorzugt. Bis zu sechs Brutpaare gelten in diesem Bereich als gesichert, weiß Susanne Hufmann, Geschäftsführerin der örtlichen HGON und als Biologin federführend im Renaturierungsbereich tätig.

Kinzigtal wieder als "Trittstein" interessant

Helfen kann jeder mit Spenden an den HGON-Arbeitskreis Main-Kinzig bei der Raiffeisenbank Rodenbach, Konto 87130, BLZ 60663699. Auch eine Alt-Handy-Sammlung der HGON bringt bares Geld für den Naturschutz. Pro gesammeltem Handy fließen 1,50 Euro in die Artenschutzprojekte im Main-Kinzig-Kreis. Rund 5500 Handys sind laut Susanne Hufmann bereits gesammelt worden.

Zwei bis drei weitere Brutpaare sind im ebenfalls von Menschenhand geschaffenen Biotop im Flurbereich „Flos“ bei Langenselbold unweit des neuen Projektes gezählt worden. Ein kleiner Erfolg der Maßnahmen, um den taubengroßen Vogel zu schützen, dem die Lebensgrundlage durch Entwässerung und exzessive Landwirtschaft nahezu entzogen worden war. Das Kinzigtal wird durch die HGON-Bemühungen auch wieder als „Trittstein“ interessant. Zu hunderten lassen sich die Kiebitze während des Vogelzuges wieder entlang der Kinzig nieder.

Ein Erfolg, der auch Michael Zieg freut, der bei der Frankfurter Telekom als Umweltschutzbeauftragter die HGON unterstützt. „Wir legen bei unserer Förderung Wert auf Nachhaltigkeit bei Projekten in der Region.“ Deshalb sei die Kooperation auch auf mehrere Jahre angelegt gewesen. In diesem Jahr läuft diese Unterstützung, die der HGON insgesamt 35000 Euro aus der Telekomkasse beschert hat, zunächst einmal aus. Zu tun gibt es allerdings noch genug. Denn das Netzwerk der Kleinbiotope entlang der Kinzig soll laut Susanne Hufmann Stück für Stück ausgebaut und ergänzt werden. Dazu braucht es wieder Kooperationspartner und Spender.

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