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„Stolpersteine“ sollen auf Steinheimer Gehwegen an ermordete Juden erinnern

Messing des Anstoßes

Steinheim ‐ Zu den rund 22.000 „Stolpersteinen“, die europaweit im öffentlichen Straßenraum an Opfer des Nationalsozialismus erinnern, kommen in Steinheim womöglich neun weitere hinzu. Von Erwin Diel

© Archiv: paw

In Steinheim werden womöglich neun Stolpersteine verlegt. Diese bereits ins Pflaster eingesetzten Stolpersteine haben wir in Seligenstadt fotografiert.

Der Ortsbeirat hat dem von einer Initiative Steinheimer Bürger getragenen Projekt am Donnerstagabend zugestimmt. Pfarrerin Heike Zick-Kuchinke und Heinz Wenz von der „Initiative Runder Tisch zum Erinnern und Gedenken im Alltag an die Steinheimer Opfer des Nationalsozialismus“ hatten das Vorhaben zuvor erläutert.

Die „Stolpersteine“ hat der Künstler Gunter Demnig entwickelt. Der Kölner Bildhauer erinnert an die Opfer, indem er vor ihrem letzten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir verlegt. Der „Runde Tisch“, an dem sich seit drei Jahren Bürger, die drei Kirchengemeinden und der Heimat- und Geschichtsverein treffen, habe sich nach längerer Debatte entschlossen, das Kunstprojekt zu übernehmen. In Steinheim seien die letzten Wohnorte von neun jüdischen Bürgern bekannt, die Häuser seien noch vorhanden, sagte Wenz. Diese Form des Gedenkens sei deshalb sinnvoll.

Täfelchen werden bündig im Gehsteig verlegt

In Hanau hat es für das Projekt in einer seit Jahren geführten Debatte keine Mehrheit gegeben. Die meisten der Häuser, in denen jüdische Hanauer lebten, sind beim Bombenangriff am 19. März 1945 wie nahezu die gesamte Innenstadt zerstört worden. Eine Zuordnung der Steine zu Häusern sei nach dem Wiederaufbau mit teilweise neuem Straßenverlauf schwierig. In Hanau sollen deshalb Namenstafeln an der alten Gettomauer an der Nordstraße angebracht werden (siehe Bericht).

Den ehemals selbstständigen Stadtteilen hat OB Claus Kaminsky freigestellt, eigene Formen des Gedenkens umzusetzen. Dazu müsse Einvernehmen mit der jüdischen Gemeinde und dem Ortsbeirat hergestellt werden. Von der jüdischen Gemeinde sei bislang trotz mehrfacher Kontaktaufnahme keine Reaktion erfolgt, sagte Pfarrerin Zick-Kuchinke. Gegen „Stolpersteine“ etwa in Großkrotzenburg, Seligenstadt oder Offenbach habe es aber aus jüdischen Gemeinde keine Bedenken gegeben. Die Initiative hat Kontakt mit noch lebenden Angehörigen der Opfer aufgenommen und deren Zustimmung eingeholt. In einem nächsten Schritt soll nun den Eigentümern der jeweiligen Häuser das Projekt vorgestellt und deren Zustimmung eingeholt werden.

Bei dem Kunstprojekt werden Messingtäfelchen in den Boden eingelassen. Die Tafeln nennen unter anderem Namen, Wohnort und Todestag. Über den Stein stolpern sollen nur das Auge und die Gedanken. Die Täfelchen werden bündig im Gehsteig verlegt. Die Finanzierung ist aus Patenschaften gesichert, eine Tafel kostet 95 Euro.

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