Münchner Zoodirektor stellt das geplante Großauheimer Reservat für Urwildpferde vor

Przewalskis traben im Sommer an

026.06.0926.06.09|Hanau|1 KommentarFacebook
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Hanau - Es ist wohl das ungewöhnlichste Konversionsprojekt nach dem Abzug der US-Amerikaner aus Hanau: Die Ansiedlung von Urwildpferden auf dem Gelände des früheren Truppenübungsplatzes Campo Pond in Großauheim. Von Christian Spindler

© Stadt Hanau

Eine Herde der vom aussterben bedrohten Przewalski-Pferde soll noch in diesem Sommer auf dem Campo-Pond-Gelände in Großauheim angesiedelt werden. Das Reservat wird vom Münchner Tierpark Hellabrunn im Rahmen eines internationalen Zuchtprogramms betreut.

Noch in diesem Sommer sollen einige der vom Aussterben bedrohten Przewalski-Pferde über den Magerrasen der früheren Militärfläche traben. (wir berichteten). Wie viele es sein werden, steht noch nicht genau fest, heißt es von der Naturschutzbehörde der Stadt. „Es werden aber wohl höchstens zehn sein“, so eine Mitarbeiterin.

Die Bedingungen auf dem Gelände in Hanau sind für unsere Pferde ideal“, sagt Professor Henning Wiesner (Bild), „zumal das Areal eingezäunt ist und den Tieren eine Wasserstelle bietet“. Der Abenteurer, Wissenschaftler, Uni-Dozent, Buchautor, Erfinder und Veterinärmediziner ist Direktor des Münchner Tierparks Hellabrunn und Leiter eines Zuchtprogramms für die Przewalski-Urwildpferde. Er hat das Campo Pond-Projekt initiiert und wird es dieser Tage in Hanau vorstellen wird.

Das Campo Pond-Gelände steht als europäisches FFH-Gebiet unter strengem Naturschutz. Derzeit werden die Zäune dort fertiggestellt. Stallungen oder Futterhäuser seien nicht notwendig. Die nur 1,40 Meter großen Urwildpferde kommen ohne menschliche Hilfe zurecht, allenfalls soll eine 400 Euro-Kraft regelmäßig nach dem Rechten sehen, so Martin Bieberle, Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung.

Campo Pond gehört zum Areal der New Argonner-Kaserne in Wolfgang beziehungsweise Großauheim. Dort sollen neben dem riesigen Schutzreservat auch ein neues Wohngebiet sowie in früheren US-Liegenschaften eine neuer Schulstandort und ein Trainingsgelände für die Turngemeinde Hanau entstehen.

© op-onlineProfessor Henning Wiesner.Voraussichtlich im Spätsommer sollen die ersten Przewalski-Pferde aus dem Münchener Tierpark eintreffen. Bei einer Informations- veranstaltung am Dienstag, 14. Juli, wird Professor Wiesner unter dem Titel „Wildpferde in Hanau“ das Vorhaben ab 19 Uhr im Congress Park erläutern, Fragen beantworten und einen Film über die aus Zentralasien stammenden Urwildpferde zeigen. Der Eintritt ist frei. Anmeldung unter E-Mail stadtentwicklung@hanau.de oder Telefon  06181/295  664.

Przewalski-Pferde haben vor sechs Jahren auch bei einem anderen Projekt des Tierparks Hellabrunn im „Tennenloher Forst“ bei Erlangen ein Zuhause gefunden - ebenfalls auf einem früheren Truppenübungsplatz und ebenfalls in Kooperation mit „Bundesforst“ und der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten (BImA), an die die US-Gelände übergegangen sind.

Seit 1972 befasst sich Henning Wiesner, zunächst als Zootierarzt, mit den Urwildpferden. Er startete ein internationales Zuchtprogramm zum Fortbestand der robusten kleinen Wildpferde. 100 Fohlen kamen seitdem im Tierpark Hellabrunn zur Welt.

Seit 25 Jahren ist Wiesner Direktor des Zoos. In seiner Freizeit kümmert er sich außerdem um die Wiedereinbürgerung von Mhorr-Gazellen in Marokko und fängt Jaguare in Venezuela ein. Zudem ist er Präsident der Tierrettung München e.V., wissenschaftlicher Berater für Zoos in aller Welt sowie verschiedener internationaler Organisationen und Gremien, welche dem Tier-, Natur- und Artenschutz verpflichtet sind; und er unterrichtet an der Münchner Universität.

Weltweit bekannt wurde Wiesner durch die Einführung und Weiterentwicklung des Blasrohrsystems zur Injektion von Narkotika und Medikamenten, das heute aus der Zoo-Tiermedizin und der Wildbiologie nicht mehr wegzudenken ist. Durch langjähriges Training ist Wiesner zu einem vortrefflichen Blasrohr-Schützen geworden - eine Fähigkeit, die ihn zu einem weltweit gefragten Mann für kniffelige Fälle gemacht hat.

Im November diesen Jahres geht er nach 37 Jahren im Münchner Zoo in den Ruhestand. Doch Wiesner will sich auch künftig für den Tier- und Artenschutz einsetzen und als Blasrohr-Experte um den Globus reisen.

Spaziergänger sollen die Przewalskis in Großauheim beobachten können. Für die weitere Zukunft ist, so Martin Bieberle, ein Besucherzentrum geplant. Die Finanzierung ist aber noch offen.

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