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Sanierungstarifvertrag des Kilnikums Hanau: „Nichts liegt auf dem Tisch“

„Nichts liegt auf dem Tisch“

Hanau - Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) und Monika Thiex-Kreye, Geschäftsführerin des Klinikums Hanau, halten ihn für unverzichtbar. Betriebsrat und Gewerkschaft sehen das völlig anders. An einem Sanierungstarifvertrag für die 1600 Beschäftigten des Klinikums Hanau scheiden sich die Geister. Von Dirk Iding

„Es gibt am Klinikum noch viele Optimierungsmöglichkeiten, die ausgeschöpft werden müssen, bevor man den Mitarbeitern in die Taschen greift“, erklärte gestern Betriebsratsvorsitzende Monika Schweitzer. Und für die Gewerkschaftssekretärin von Ver.di, Irene Metzler-Reich, steht fest: „Bevor wir überhaupt über einen Sanierungstarifvertrag reden, müssen Zahlen auf den Tisch und vor allem ein schlüssiges Sanierungskonzept.“

Den zügigen Abschluss eines Sanierungstarifvertrages als „wichtigen Baustein für den Wirtschaftsplan 2012“ hatte Klinikdezernent Kaminsky in einer Pressekonferenz unlängst angemahnt. Doch so rasch dürfte es nicht gehen. Das machten Betriebsrat und Gewerkschaft Ver.di gestern im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich. „Außer der bloßen Forderung nach einem Sanierungstarifvertrag liegt uns von Seiten der Geschäftsleitung noch überhaupt nichts vor“, machte Metzler-Reich deutlich, dass man noch nicht einmal am Beginn von Verhandlungen stehe: „Erstmal muss die Klinikleitung die Hosen runterlassen, sprich: wir brauchen konkrete Daten zur wirtschaftlichen Situation des Hauses und ein Konzept, aus dem hervorgeht, wofür die Mitarbeiter übergangsweise überhaupt auf Geld verzichten sollen.“

Betriebsverlust von 2,1 Millionen Euro

In diesem Jahr wird das Klinikum Hanau einen Betriebsverlust von 2,1 Millionen Euro machen, was angesichts eines im Wirtschaftsplan 2011 ohnehin einkalkulierten Minus von zwei Millionen Euro fast einer Punktlandung gleichkomme. In 2010 hatte das Klinikum sogar noch einen kleinen Überschuss erwirtschaftet. Vor diesem Hintergrund sei die Bereitschaft der Mitarbeiter, nun einen Sanierungstarifvertrag zu akzeptieren, kaum vorhanden. „Zumal“, wie Betriebsratsvorsitzende Schweitzer meint, „noch nicht alle Einsparpotenziale ausgeschöpft sind.“ Sie fordert daher, dass der im Jahr 2009 mit Unterstützung der Unternehmensberatung Roland Berger eingeleitete, zwischenzeitlich aber „eingeschlafene“ Sanierungsprozess wieder mit dem erforderlichen Nachdruck voran getrieben wird. Insbesondere in den Arbeitsabläufen sieht Schweitzer noch erhebliches Optimierungspotenzial, „das zum einen Kosten spart, zum anderen aber auch den Patienten zu Gute kommt.“ Etwa, wenn es um die zügige Abwicklung planbarer Operationen gehe.

Für Irene Metzler-Reich wäre ein Weg aus der Finanzmisere der kommunalen Kliniken in der Rhein-Main-Region auch eine verstärkte Kooperation der Krankenhäuser. „Anstatt sich gegenseitig die Patienten abzujagen, sollten die Krankenhäuser abgestimmt medizinische Schwerpunkte bilden, um gemeinsam überleben zu können“, meint die Gewerkschaftssekretärin, die auch für die Krankenhäuser in Stadt und Kreis Offenbach zuständig ist.

Das Beispiel des Offenbacher Stadtkrankenhauses zeige ja, dass ein Sanierungstarifvertrag allein die Probleme nicht löse. Auch das sei ein Grund dafür, dass viele Beschäftigten des Klinikums Hanau einem möglichen Sanierungstarifvertrag mit reichlich Skepsis entgegensehen. Ob und wann es zum Abschluss eines solchen Vertrages für das Hanauer Klinikum kommt, steht jedenfalls noch in den Sternen.

Rubriklistenbild: © Pixelio.de/Rolf-van-Melis

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