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Hanauer Arbeitsagentur bringt bei neuem Projekt Jobsuchende und Arbeitgeber für ein paar Minuten an einen Tisch

Speed Dating mit dem Chef

Hanau ‐ Nach fünf Minuten bimmelt Kerstin Gall mit dem Glöckchen. Das hat gar nichts Weihnachtliches, auch wenn für die, die da auf der einen Seite des Tisches sitzen, ein Job wohl das schönste Geschenk zum Fest wäre. Zunächst bedeutet es einfach: Zeit um, Wechseln zum nächsten Tisch. Von Christian Spindler

© Spindler

Auch das Unternehmer-Ehepaar Wurbs vom Klein-Auheimer Obst- und Gemüsehof nahm gestern in der Agentur für Arbeit am ersten Speed Dating zur Jobvermittlung teil.

„Das ging aber schnell“, sagt Elke Habig aus Bad Soden-Salmünster, die drei Edeka-Märkte betreibt. Sie sucht Teilzeitkräfte für den Verkauf. Und sie ist angetan von dem neuen Projekt, mit dem die Hanauer Agentur für Arbeit Firmenchefs und Stellensuchende zusammenbringt: „Speed Dating“.

Was es bei „Mann sucht Frau“ längst gibt, ein schnelles Kennenlernen reihum mit anderen Partnersuchenden im Minutentakt, kann doch auch bei der Jobvermittlung funktionieren, sagten sich Kerstin Gall und Ariane Henk vom fünfköpfigen Projektteam Teilzeitarbeit der Hanauer Arbeitsagentur, um Arbeitgeber und Jobsuchende an einen Tisch zu bringen.

Immerhin 850 Leute, die eine Teilzeitarbeit suchen, fast alle davon Frauen, hat die Agentur im Computer gespeichert. Aber nur 190 Stellenangebote. Mit den „Schnell-Treffen“ will man möglichst rasch möglichst viele Kontakte zwischen Chefs und Bewerberinnen herstellen.

Rund ein Dutzend Bewerberinnen

„Eine gute Idee“, findet Ralf Wurbs vom gleichnamigen Gemüsehof in Klein-Auheim. Er kam gestern mit seiner Frau zum Speed Dating. Der Betrieb sucht Teilzeitkräfte fürs Saison-, aber auch fürs Tagesgeschäft, wo es immer wieder Produktionssspitzen gibt. Rund ein Dutzend Bewerberinnen, die die Agentur in ihren Sitz am Hauptbahnhof eingeladen hatte, saßen beim Ehepaar Wurbs und den anderen Unternehmern gestern im Fünf-Minuten-Takt am Tisch. Nur ein erster Eindruck, das wissen auch die Arbeitsvermittlerinnen Gall und Henk. Aber er spart den Chefs Zeit und ermöglicht den Jobsuchenden schnell viele Kontakte.

„Wenn ich eine Anzeige schalte, habe ich 30 oder 40 Anrufe und muss mir viel Zeit nehmen“, sagt Wurbs - falls die Bewerber überhaupt alle zu den vereinbarten Gesprächen kommen. Beim Speed Dating kann man sich immerhin ein erstes Bild von potenziellen Mitarbeiterinnen machen.

Die meisten von ihnen wollen nach der Babypause wieder in den Beruf einsteigen, erläutert Ariane Henk; oder suchen eine Teilzeitarbeit, weil sie einen Familienangehörigen pflegen müssen.

Schlagwortartige Bewerbung

Seit langem bietet die Arbeitsagentur dazu Infoveranstaltungen, Stellenbörsen oder Bewerbungscoaching an. Das Speed Dating hatte am Montag Premiere. Dabei standen bei Firmen wie dem Zeitarbeitsvermittler „altervia“ (Hanau) oder der Deutschen Vermögensberatung (Schöneck) Stellen im kaufmännischen Bereich im Mittelpunkt der drei Runde mit den ersten zwölf Bewerberinnen. Gestern ging es für weitere zwölf Frauen um Teilzeitjobs im Verkauf.

Die Bewerberinnen wurden von der Arbeitsagentur auf das Speed Dating vorbereitet und brachten zu den Kurzgesprächen mit den Arbeitgebern Flyer mit einer schlagwortartigen Bewerbung mit. Die konnten die Chefs mitnehmen, wenn ihnen eine Bewerberin geeignet erschien. Dann soll ein ausführliches Bewerbungsgespräch vereinbart werden.

Noch war die Resonanz auf Arbeitgeberseite vor der Speed Dating-Premiere verhalten. Lange musste Kerstin Gall telefonieren, um die acht Firmen zu finden. „Oft standen Termingründe im Weg“, sagt sie. In drei Wochen wollen Kerstin Gall und Ariane Henk nachhaken, was aus der Kontaktanbahnung geworden ist. Denn auch wenn die Arbeitsagenturen in Frankfurt und Darmstadt bereits ähnliche Vermittlungsinitiativen gestartet haben, liegt eine Auswertung von Speed Datings zur Jobvermittlung noch nicht vor.

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