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Protest gegen Innenstadt-Umbau in Hanau

„Es tut weh, wenn die fallen“

Hanau - Zur „Schutzzone“ erklärten rund 30 Kritiker des geplanten Stadtumbaus am Samstag die Grünzone gegenüber dem Karstadt-Barthel-Areal. Im Rahmen der angekündigten Samstagsaktionen „5 vor 12“ kennzeichneten die Aktivisten das „schutzwürdige Gebiet“ mit weiß-rotem Flatterband. Von Dieter Kögel

Kritiker des Stadtumbaus bei ihrer Protestaktion.

Sie forderten auf daran angebrachten Zetteln ausdrücklich dazu auf, die Fläche für Schutzmaßnahmen bitte zu betreten. „Einige Bäume sind genauso alt wie ich,“ sagte eine Dame. „Das tut schon weh, wenn die fallen sollen.“ Schwarzen Trauerflor tragen viele Stämme. Zeugnis der vorletzten Samstagsaktion zur Rettung des Grüns auf dem Freiheitsplatz.

Der Passantenstrom entlang der Reihe mit Platanen ist dürftig, die Aktion der Kritiker wird mit kurzen Blicken gewürdigt. „Das ist wohl, weil die Bäume weg sollen,“ wird im Vorbeigehen kurz festgestellt. Inzwischen haben die Umbaugegner fast den gesamten Bereich zwischen Fußgängerzone und Parkplatzbeginn mit Band umspannt

Ungewohnte Allianz am Rande der Aktion: Die grüne Stadtverordnete Monika Nickel und der CDU-Stadtverordnete Torsten Becker verändern ein am Karstadtfenster klebendes Plakat mit der Aufschrift „Hanau haut um“ mit Filzstift zu „Hanau baut um“ Die Begeisterung Nickels darüber, dass wenigstens eine Platane vor der Säge gerettet worden sei, mag bei den Umbaukritikern niemand teilen. Ihnen geht es um mehr, und was sich die Umweltpartei in Zusammenhang mit der Entscheidung für den Stadtumbau geleistet habe, das ist auch für die grüne Stadtverordnete Christa Martin „ein Unding“. Sie werde, so versicherte sie auch am Samstag bei der Aktion, nicht die Hand heben, wenn heute bei der Stadtverordnetenversammlung im Bürgerhaus Wolfgang vom Kleeblatt-Bündnis das „Ja“ zum Bebauungsplan für den Freiheitsplatz gefordert werde. Da schreckt Martin auch der angedrohte Ausschluss aus der Grünen-Fraktion nicht. „Ich fühle mich den Wählern verpflichtet und nicht der Fraktion,“ meint die Stadtverordnete.

Weitere Protestaktionen geplant

In einer kleinen Gruppe vor dem Nordseepavillon wird inzwischen über Sinn und Unsinn der zukünftigen Verkaufsflächen diskutiert. Überflüssig sei das Geschäftszentrum auf dem Freiheitsplatz, heißt es da. Zumal die Flächen auch mit einem Neubau des Gebäudes auf dem Karstadt-Barthel Areal geschaffen werden könnten. „Da müsste man halt nur noch zwei Stockwerke draufsetzen.“ Auf jeden Fall das kleinere Übel, heißt es in der Runde. Und dann ist noch die Kaufkraft Thema, die aus dem Hanauer Umland nach Hanau gelockt werden soll. „Das ist Lokalegoismus,“ ärgert sich ein Mann, der das Sterben von Läden in Umlandgemeinden befürchtet.

Kein Zweifel herrscht bei den Kritikern des Umbaus, dass die Mehrheit der Stadtverordneten heute den Bebauungsplan beschließen und damit grünes Licht für das Abholzen der Bäume geben werden. Was die Umbaugegner von diesem Beschluss halten, wollen sie bereits ab 16 Uhr vor dem Bürgerhaus Wolfgang zum Ausdruck bringen, wo die Stadtverordneten tagen. Und die Umbaugegner hoffen, dass dazu „alle Kritiker den Hintern hochkriegen,“ so ein Aktivist.

Erfolgt der Beschluss im Parlament, wird der Protest nicht vorbei sein, versichert Volker Droege, Grüner Abgeordneter im Ortsbeirat von Lamboy und heftiger Kritiker der Freiheitsplatzplanung. Auch ein Bauzaun werde die Umbaugegner nicht davon abhalten können, die Bäume vor der Kettensäge zu schützen. Koordinierte und abgesprochene Aktionen gebe es nicht, jeder müsse selbst entscheiden, wie weit sein Protest gehe, hieß es.

Auch das Klettern in die Bäume gehört dazu, wie es Baumbesetzerin Lucy Garm am Samstag wieder getan hat. Von der Astgabel in luftiger Höhe aus ließ sie Auszüge aus Hannah Arendts „Freiheit und Politik“ als Papierflieger in die Reihen der geparkten Autos segeln.

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