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Der jüdische Friedhof in Hanau ist kaum bekannt: Um 1600 zählte die Gemeinde 540 Mitglieder

Symbole am Grabstein

Hanau - Stationen jüdischer Verganenheit in Hanau waren das Ziel einer Stadtführung, zu der die Touurist-Information für Pfingstsonntag geladen hatte. Von Dieter Kögel

© Kögel

Zu den Stationen jüdischer Vergangenheit gehört auch der kleine jüdische Friedhof zwischen Stadtklinikum und Jahnstraße.

Rund zwei Dutzend Interessierte beteiligte sich an dem 90-minütigen Spaziergang, bei dem das Hauptaugenmerk auf dem jüdischen Friedhof zwischen Klinikum und Jahnstraße lag: ein kleiner, friedvoller, nahezu unberührter Park inmitten der Stadt, den viele der Führungsteilnehmer zum ersten Mal betraten und von Stadtführerin Wiebke Singer mit vielen Informationen versorgt wurden.

Dicht an dicht stehen die Grabsteine aus roten Sandstein, einige neigen sich bereits zur Seite, andere sind in die Stämme der alten Bäume eingewachsen. Vielfach ist die Schrift abgeblättert, die Sandsteinschichten werden immer dünner. Andere Grabmale zeigen noch deutlich die hebräischen Schriftzeichen, mit denen das Lebenswerk der Verstorbenen gewürdigt wird, wie Wiebke Singer erklärt. Ganz im Gegensatz zu christlichen Grabsteinen, die lediglich Auskunft geben über Geburts- und Sterbedatum.

Die Stadtführerin verweist auf die im oberen Teil der Sandsteintafeln eingemeißelten Symbole. Reben, Schiffe, Waagen, Krüge, Kühe und andere Zeichen sind dort zu sehen. Hinweise darauf, aus welchen Häusern in der Judengasse die Verstorbenen gestammt haben. Denn in der Judengasse, der heutigen Nordstraße, hatten die um 1600 etwa 50 Häuser Namen. Namen, die sich auch die Bewohner zugelegt hatten.

Unter Napoleon verbessert sich die Lage

Rund 540 Menschen lebten vor über 400 jahren im Hanauer Judenviertel. Im Jahr 1603 ist der jüdische Friedhof außerhalb der damaligen Stadtmauern entstanden. Vorher mussten die Hanauer Juden ihre Toten in Frankfurt bestatten. Doch als der König die Juden unter seinen Schutz stellte und die Gemeinden nicht mehr der Willkür der lokalen Herren unterstellt waren, kehrte für die jüdische Gemeinde eine gewisse Rechtssicherheit ein, in der Wachstum und Entwicklung möglich wurden. So entstand parallel zum Friedhof auch eine Synagoge in der damaligen Judengasse. Von Emanzipation freilich konnte keine Rede sein. Allein die Tatsache, das die jüdischen Bürger am Marktgeschehen erst beim Hissen der entsprechenden Fahne teilhaben durften, macht die mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz der jüdischen Bürger zu jener Zeit deutlich.

Erst unter Napoleon verbessert sich die Lage der Hanauer Juden. Die Befestigungen rund um das Judenviertel werden geschleift, das Ghetto löst sich auf, der Wegfall der Restriktionen bringt auch wirtschaftlichen Aufschwung. Und der wird auch bei der Begräbniskultur auf dem jüdischen Friedhof sichtbar. Immer häufiger erscheinen Granitgrabmäler im jüngeren Teil des Friedhofes. Neben den eingemeißelten hebräischen Texten finden sich zunehmend auf der Rückseite der Steine auch deutsche Texte. Zeichen einer gewissen Annäherung.

Doch der Holocaust während der Nazi-Zeit brachte schließlich auch in Hanau das brutale Ende der zweiten jüdischen Gemeinde.

Die erste war im Mittelalter während der Zeit der Pest ausgelöscht worden. Die jüdischen Bürger wurden als „Brunnenvergifter“ für die Epidemie verantwortlich gemacht, vertrieben oder ermordet.

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