Hanau (ed) ‐ Dass die deutsche Justiz einen langen Atem hat, beweist sie einem heute 41-jährigen Türken ab kommenden Montag vor der zweiten großen Strafkammer des Landgerichts Hanau.

© dpa
41-Jähriger steht wegen erpresserischen Menschenraubs vor dem Landgericht.
Dort wird ab 9 Uhr (Saal 215a) eine Anklage verhandelt, die schon zwölf Jahre zurückliegt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 41-Jährigen erpresserischen Menschenraub vor, begangen im Januar 1995 in Gründau und Langen.Dem damals eingeleiteten Verfahren hatte sich der Angeklagte durch Flucht entzogen. Drei Mittäter waren festgenommen worden. Bei dem Flüchtigen klickten im Juli vergangenen Jahres in Köln die Handschellen.
Die Anklage legt dem Mann zur Last, gemeinsam mit anderen Mittätern den Geschädigten in der Gründauer Wohnung eines Mittäters mittels gewaltsamer Drohung durch mitgeführte Waffen und unter Anwendung von Schlägen zur Herausgabe seiner Kreditkarte, seiner Scheckkarte und Bargeld in Höhe von 1000 Mark sowie zur Benennung seiner Scheckkartengeheimzahl genötigt zu haben. Mit der Karten hoben die Täter im Anschluss 400 Mark ab. In die Wohnung war der Geschädigte, der einen Bekannten mitgenommen hatte, durch eine Mittäterin gelockt worden.
Darüber hinaus wurde das Opfer laut Staatsanwaltschaft gezwungen, fünf Schuldscheine über jeweils 1000 Mark sowie einen Kaufvertrag über einen BMW der Luxusklasse und eine Kaufpreisquittung über den angeblichen Erhalt von 120.000 Mark für den Kauf des Wagens zu unterzeichnen. Dem Geschädigten wurde schließlich deutlich gemacht, dass er und sein Bekannter nur dann freigelassen würden, wenn er fünf Millionen Mark zahle, andernfalls werde er getötet. Der Geschädigte hatte den Tätern erklärt, er könne allenfalls die Auszahlung von 600.000 Mark erreichen.
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