Heusenstamm - Neun Kolpingbrüder packten gestern Mittag 20 Tonnen Reis, Nudeln, Mehl, Milchpulver, Linsen, Zucker und Öl ein. Wahrlich keine haushaltsübliche Menge. Die Männer hatten sich auch nicht zum Plätzchen-Backen getroffen. Von Michael Prochnow

© Michael
Den 36. Container mit Hilfsgütern für Eritrea schickte gestern die Kolpingfamilie Heusenstamm auf die Reise.
Vielmehr gingen die Grundnahrungsmittel von der Schlossstadt aus Richtung Eritrea auf die Reise, um dort schlimmste Not zu lindern.
Das Team um Organisator Heinz Schiedhering ist längst geübt im Füllen eines Standard-Containers mit bis zu 67 Kubikmeter Inhalt. Seit mittlerweile 17 Jahren engagiert sich die Gruppe in der katholischen Kirche Heusenstamm für Menschen, die vor Ort am Horn von Afrika von Schwestern des Kapuzinerordens betreut werden. Es ist bereits der 36. Container, den die Kolpinger für die Projekte der Nonnen verschiffen. Nur der allererste trug noch nicht ihre Adresse in der Hauptstadt Asmara.
Alles begann mit dem Urulogen Dr. Ibrahim Hossein in Obertshausen. Der gebürtige Sudanese hatte in Leipzig studiert. Nachdem sich Eritrea von Äthiopien getrennt hatte, baten ehemalige Kommilitonen des Facharztes um Hilfe. Der Mediziner berichtete bei Gruppierungen in der Nachbarstadt über die Situation in dem jungen Staat. Unterstützung fand er jedoch erst bei seinem Patienten aus Heusenstamm.
Das Kolpingmitglied erinnert sich noch an seinen ersten Flug nach Eritrea. Heinz Schiedhering und Dr. Hossein trafen sich in einem kleinen Hotel und fuhren mit einem Pferdefuhrwerk zum Gesundheitsministerium, dann zum Hohen Kommissar für Flüchtlinge. Ziel der Besucher aus Deutschland war, dass sie keine Zollgebühren für ihre Ladung im Hafen von Massawa zahlen mussten. Dazu präsentierte der Arzt seinen Begleiter als einflussreichen Regierungsvertreter aus Germany, was tatsächlich zum Erfolg führte.
Sie fördert dazu eine Schule, fünf Kindergärten sowie fünf Ausbildungszentren für Witwen mit Kleinkindern, jedoch ohne Rente. Sie erhalten mit der aktuellen Lieferung erneut fast 50 Nähmaschinen und 100 Pakete mit Material und Stoffresten.
Für die Kinder in den Einrichtungen hatte die Gemeinschaft Spielsachen, Kleidung und kleine Stühle entgegen genommen.
Die Nothilfe gilt Menschen im Grenzgebiet zu Äthiopien, die bei der „ethnischen Säuberung“ Hab und Gut verloren haben und nun in Lagern leben. Insgesamt haben die Helfer im Lauf der Jahre Waren im Wert von mehr als 750.000 Euro nach Eritrea gebracht.
Die Fracht werde am ersten Weihnachtsfeiertag den Hafen von Antwerpen verlassen und am 25. Januar in Massawa eintreffen, präsentierte Schiedhering den Zeitplan. Der Transport werde von der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, GIT, in Eschborn organisiert, die Kosten aber müssen die Kolpinger tragen.
Der Initiator bedankt sich bei den vielen Spendern, mit deren Geld auch Lebensmittel gekauft werden konnten. Firmen stellten Mehl, Biskuit und Lkw fürs Abholen bereit. Die nächste Sammelaktion werde frühzeitig bekannt gegeben, kündigte Schiedhering an.
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