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Fundamente der Mühle von Rennigishausen ausgegraben

Stück des Mühlsteins entdeckt

Heusenstamm - Freude und Erleichterung zugleich zeigt Gesine Weber von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises Offenbach. Mit dem Fund vom vergangenen Freitag ist nun endgültig bewiesen, dass die am Ufer der Bieber ausgegrabenen Mauern zu einer Mühle gehörten. Von Claudia Bechthold

© Bechthold

Die Scherben der Ofenkacheln.

© BechtholdDoch kein normaler Stein - sondern ein Mühlstein.

Zuerst haben wir es für einen normalen Stein gehalten“, berichtet Weber, die die Grabungen an der Mühle von Rennigishausen leitet.
Doch dann habe man die gleichmäßige Rundung an der Stirnseite sowie Schleifspuren an der Oberfläche entdeckt. Damit sei klar, der eher kleine große Brocken war einst Teil eines Mühlsteins.
Es geht um die Mühle von Rennigishausen, einem Ort, der vermutlich im Hochmittelalter in der Nähe der Mühle existiert hat. Nur eine einzige Erwähnung des Ortes wurde bisher überhaupt gefunden, die datiert aus dem Jahr 1210.

Mühle erstmals 1210 erwähnt

Dieses Dorf wurde irgendwann von den Bewohnern aufgegeben. Die Gründe dafür sind unbekannt. Es sei möglich, dass die Bewohner bei der Entstehung von Patershausen dorthin umgesiedelt seien, sagt Gesine Weber. Denkbar sei aber auch, dass die Aufgabe klimatische Gründe habe, da es in dieser Zeit eine „kleine Eiszeit“ gab.

Die Mühle dagegen hat sehr viel länger existiert. Erstmals erwähnt wurde sie 1210, letztmals tauchte sie 1576 in Schriften auf. „Es war eine Getreide und Ölmühle“, ist sich die Denkmalpflegerin sicher, die den Fund insgesamt als „heimatgeschichtlich sehr wichtig“ einstuft. Der Müller sei auch nicht arm gewesen, schließen Weber und ihre Mitarbeiterin Dagmar Kroemer aus Scherben, die bis jetzt an der Grabungsstätte gefunden wurden.

Dazu zählen unter anderem Teile von gotischen Ofenkacheln, die aus dem 14. oder 15. Jahrhundert stammen könnten. Weitere Kachelstücke sind vermutlich im 16. Jahrhundert hergestellt worden. „Das sind aber alles Vermutungen, die wir nach dem Ende der Ausgrabung recherchieren und bestätigen müssen“, betont Weber.

© BechtholdNicht nur die Außenmauern der Mühle von Rennigishausen wurden gefunden, auch die Fundamente von Innenwänden haben die meist ehrenamtlichen Helfer um Gesine Weber (Zweite von rechts, mit Claudia Jäger und Peter Jakoby) freigelegt.

Seit Ende März graben die beiden Frauen gemeinsam mit etwa einem Dutzend ehrenamtlicher Helfer an der Stelle neben der Woogbrücke auf dem Weg in Richtung Hofgut Patershausen. Die Anregung dazu kam von einer Arbeitsgruppe, die vor rund einem Jahr zusammen gekommen ist, als man mehr über Patershausen erfahren wollte. „Wir hatten festgestellt, dass an dem Gebäude im Lauf der Zeit doch viel verändert worden ist“, begründet dies Bürgermeister Peter Jakoby, der gestern gemeinsam mit der ersten Kreisbeigeordneten Claudia Jäger die Funde vorstellte. Bodenradaruntersuchungen hätten dann zum Entschluss geführt, dort zu graben. Dass so schnell etwas gefunden würde, hatte man allerdings nicht erwartet.

Tonröhre ist besonderes Fundstück

Ein weiteres Fundstück sei ebenfalls etwas Besonderes, betont Claudia Jäger. Es ist ein Stück einer leicht gebogenen Tonröhre. Dabei handelt es sich um ein Signal- oder Pilgerhorn, auch Aach(en) horn genannt. Diese etwa 30 Zentimeter langen Hörner wurden vom 14. bis zum 16. Jahrhundert in der Nähe von Aachen hergestellt. Aachener Pilger sollen mit den Hörnern beim feierlichen Zeigen von Reliquien ohrenbetäubenden Lärm gemacht haben. Und einen Pilgerweg gab es nahe Patershausen ganz sicher.

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