Heusenstamm - Sie hat Heusenstamm nie gesehen, die heute 53 Jahre alte Zahra Abdella. Doch ohne die Hilfe der Schlossstädter würde sie vermutlich heute nicht mehr leben. Und was aus ihrer Tochter Jimea geworden wäre, vermag niemand zu sagen. Von Claudia Bechthold

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Zahra und Jimea Abdella
Zahra hat im September 1994 durch eine Landmine beide Hände und ein Auge verloren. Außerdem wurde ihr Gesicht entstellt. Viele Splitter befinden sich noch immer in ihrem Körper, bereiten ihr immer wieder Schmerzen.
Es war Heinz Schiedherings erster Besuch in dieser Region. Eritrea hatte gerade die Unabhängigkeit von Äthiopien wiedererlangt. Für die Kolpingfamilie sah sich der Heusenstamm in dem Land. In seiner Begleitung war Dr. Ibrahim Hussein, ein gebürtiger Sudanese. Er hatte in Leipzig Medizin studiert und sich schließlich in Obertshausen niedergelassen. Hussein wollte die Gelegenheit nutzen, um Studienkollegen aus Leipzig zu besuchen.
Von Klinik zu Klinik seien sie damals gefahren, weil Ibrahim Hussein dem Heusenstammer möglichst viele Krankenhäuser zeigen wollte. Schließlich sind die beiden Männer auch nach Massawa gefahren, eine Hafenstadt Eritreas. Und auch dort wurden Kliniken besucht.
Zahra hatte auf dem Feld gearbeitet, als die Mine explodierte. Die Hände musste man ihr abnehmen, so zerfetzt waren sie. Auch das linke Auge war nicht zu retten. Und so lag sie in dem Krankenhaus, in einem Bett mit der kleinen Jimea.
Eine Familie hatte Zahra nicht. Und ihr Mann hatte sie nach dem Unfall verlassen. Eine Frau ohne Hände mit entstelltem Gesicht ist keine Frau mehr, war seine Überzeugung. Doch wie die damals 35-Jährige für sich und ihre Tochter sorgen sollte, wusste niemand. Ohne Hände hatte sie keine Chance. „Die beiden wären in der Gosse gelandet“, ist sich Heinz Schiedhering auch heute noch sicher.
Der Heusenstammer fragte den Chefarzt der Klinik, warum man Zahra nicht nach der „Methode Sauerbruch“ operieren würde. Dazu werden Elle und Speiche so getrennt, dass man sie wie eine Art Zange nutzen kann. Vor allem die Kosten waren der Grund. Zumal dieser Eingriff in Massawa nicht hätte gemacht werden können. Zahra musste dazu nach Addis Abeba. Mit dem Chef der Klinik musste Schiedhering nicht lange verhandeln. Er versprach, das nötige Geld aufzutreiben. Im Gegenzug sagte der Klinikchef zu, dass Zahra und Jimea so lange dort bleiben konnten, bis Flug und Operation organisiert und bezahlt waren.
Zurück in Deutschland war die Heusenstammer Kolpingfamilie sofort bereit, das Geld aufzutreiben. 6000 US-Dollar mussten gesammelt werden. Man startete eine große Aktion „Hilfe für Zahra“, die auch von der Offenbach-Post unterstützt wurde. Mit großem Erfolg. Ein Jahr nach dem Unfall mit der Landmine konnte Zahra operiert werden.
Seitdem leben Zahra und Jimea in Segeneithi in einem Kloster der Kapuzinerschwestern, mit denen die Kolpingfamilie schon lange zusammenarbeitet. Bis heute zahlen die Schlossstädter eine geringe Miete und Unterhalt für Zahra. Und auch Jimeas Schulbildung haben sie ermöglicht. Die junge Frau hat vor zwei Jahren das Abitur bestanden und inzwischen auch den ein Jahr dauerndenMilitärdienst geleistet.
Dieser Tage erhielt Heinz Schiedhering einen Brief von Jimea. 21 Jahre alt ist sie inzwischen. Nun will sie heiraten. Einen jungen Soldaten hat sie sich ausgesucht. Und sie ist glücklich, ebenso ihre Mutter. Immer wieder dankt sie in ihrem Brief für die Hilfe aus Heusenstamm. Nur so sei ihnen ein gutes Leben möglich ge worden.
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