Wie stark sich ihre bildliche Adaption über die Jahrhunderte verändert hat, ist derzeit im Goethe-Museum Frankfurt zu bewundern.
„Hänsel und Gretel im Bilderwald“, die von Dr. Wolfgang Bunzel und Professor Hans-Heino Ewers kuratierte Schau zeigt in rund 200 Exponaten, wie die Geschichten von Ludwig Tieck, Clemens von Brentano, den Gebrüdern Grimm oder auch E.T.A. Hoffmann in Romantik, Gründerzeit, Jugendstil, Vor- und Nachkriegszeit oder den 1970er Jahren illustriert wurden. Ein in der Mitte des Raums aufgebauter Märchenwald, in dem ab und an ein Käuzchen ruft und in dessen holzschnittartiger Kulisse der Besucher jeden Moment Rotkäppchens bösem Wolf zu begegnen glaubt, ist eine von vielen netten Ideen, mit denen die für Kinder geeignete Ausstellung aufwartet.
Wort und Bild zu einer Einheit zu verbinden, diesem Postulat der Romantik folgen die Illustrationen von Moritz von Schwind, Ludwig Emil Grimm oder auch Philipp Otto Runge. Zu sehen sind aus dieser Epoche Zeichnungen zu Clemens von Brentanos „Mährchen vom Rhein“, kleinformatige Arbeiten, die ein 1839 von Carl Wilhelm Contessa, Friedrich Baron de la Motte Fouqué und E.T.A. Hoffmann herausgegebene Bändchen zieren oder auch eine ganz in Blautönen gehaltene Federzeichnung zu Brentanos „Gockel, Hinckel und Gackeleia“ aus dem Jahr 1836.
Streifzug durch die Kunstgeschichte
„Hänsel und Gretel im Bilderwald“ zeigt das breite künstlerische Spektrum und die immer wieder neue Auseinandersetzung ganzer Epochen mit dem Thema Märchen. Dass nicht immer zu erkennen ist, um welches Märchen es sich handelt, macht den Reiz der Ausstellung aus, und so darf der Besucher nicht nur vor Alfred Kubins 1959 entstandener Tuschezeichnung zu Hoffmanns „Goldenem Topf“ darüber grübeln, um wen es sich bei der ausgemergelten Frau mit den hängenden Brüsten und dem grotesk verrenkten Mann handelt.
Werke von Karl Friedrich Schinkel, Wilhelm Hensel, George Cruikshank, Franz Pocci, Ludwig Richter, Eugen Napoleon Neureuther, Walter Crane, Gustave Doré und sogar Max Beckmann markieren den Streifzug durch die Kunstgeschichte, von Romantik und Jugendstil bis hin zum Expressionismus.











