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Hanseaten-HipHop beim Gastspiel von „Fettes Brot“ in Offenbach

Gnädig unentschlossen

„Fettes Brot“ sind wieder weg, Offenbachs Capitol ist noch da. Gemessen an der Drohung, „diese wunderschöne Sixtinische Kapelle hier in Schutt und Asche zu legen“, ist das gewissermaßen die gute Nachricht. Von Marcus Reinsch

© Georg

Vielleicht das letzte Mal in Offenbach, vielleicht auch nicht: Doktor Renz von Fettes Brot.

Die schlechte ist, dass das Vorreiter-Trio des Hanseaten-HipHop nicht mehr wiederkommen wird, um dem Schmuckkästchen den Rest zu geben. Vielleicht. Denn auch wenn die aktuelle Tour zur letzten erklärt und eine „Schaffenspause auf unbestimmte Zeit“ verkündet ist: Welche Konsequenz muss man von einer Formation schon fürchten, deren größter Erfolg „Jein“ hieß?

Wie tief das Loch wäre, das „Fettes Brot“ mit einem Schlussstrich in die von Könnern ihres Kalibers nicht gerade überwucherte Deutschrap-Landschaft sprengen würde, erweist sich am Montag im Capitol. Das Konzert läutert von der Überzeugung, HipHop sei mangels Masse nichts für die Bühne. Die Hamburger haben außer der Bass-Maschine und der Drehteller-Station ordentlich was ausgepackt für ihr Gastspiel in Hessen. Nur wenige Titel kommen ohne Trompete, Posaune, Saxophon aus, die gerade erst errungenen Adelstitel als „Beste Band“ und „Bester Live-Act“ wollen begründet sein.

Drinnen herrscht Sauna

Auch die Verlegung des Auftritts von der Stadthalle hierher - ein Glücksfall. Jetzt ist es schön eng, die „Brauchste Karte?“-Typen draußen in der Kälte verlangen viel Geld für ihre Tickets. Drinnen herrscht Sauna, befeuert von Bassboxen, deren Schalldruck Nahestehende neu frisiert.

Der Aufguss: heiß. Dokter Renz , König Boris und Björn Beton - HipHopper haben gerne viele Namen - wedeln ihre Reime ins Publikum. Die meisten Worte werden von der Wucht der Beats weggetragen, bevor sie das Ohr richtig erreichen. Aber Fans kennen die Texte sowieso auswendig.

„Wir kommen wieder, wenn ihr wiederkommt.“

„Fettes Brot“ spielt live in einer Liga, in der kein neues Album gebraucht wird, damit die alten etwas besser klingen. Es ist ein Konzert der Klassiker. „Nordisch by Nature“, 1995 der erste kommerzielle Erfolg, für den Anfang. Dann Kultstücke feingeistiger Prägung („An Tagen wie diesen“), Vorgaben für den Schreihals von der Fußballtribüne („Emanuela“) und, zurückhaltend gestreut, Gezähmteres wie „Amsterdam“ aus diesem Jahr.

Und natürlich „Jein“. Das stammt ursprünglich von 1996, wird aber gerade in der viel wilderen 2010er-Version etwas zum Festhalten für die vor besagter Schaffenpause zitternde Fangemeinde sein. „Soll ich’s wirklich machen oder lass ich’s lieber sein?“, fragt „Fettes Brot“ im Refrain. Und die Antwort „Jein“ bietet wenigstens Grund zur Hoffnung. Ebenso wie Dokter Renz’ Abschiedssatz im Capitol: „Wir kommen wieder, wenn ihr wiederkommt.“

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