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Frankfurter Schirn zeigt in „Mental States“ Malereien und Plastiken des US-Künstlers George Condo

Geisteszustände einer Gesellschaft

Frankfurt - „Mental States“ heißt George Condos aktuelle Ausstellung in der Frankfurter Kunsthalle Schirn. Ein doppeldeutiger Titel, denn er bezeichnet sowohl ein intellektuelles Unvermögen der US-Bürger im Umgang mit Kunst sowie die Geisteshaltung des Künstlers, die in seinen Werken festgehalten wird. Von Philipp Fess

© Miguletz

George Condos Gesichter in Bronze und Acryl.

Condo, geboren 1957 in New Hampshire (USA), versteht sein Œuvre als artifiziellen Realismus, der einen „künstlich simulierten amerikanischen Blick auf das wirft, was einst europäische Malerei war“. Maxime ist die harmonische Darstellung von Unvereinbarem. Ihm gelingt es, Absurdes mit Ernsthaftem, Surreales mit Historischem und Schönes mit Groteskem zu verbinden.

Künstlerische Ideale vergangener Epochen avancieren zu Stilmitteln einer kontrastiven Gegenüberstellung. Altmeisterliches trifft auf postmoderne Empfindsamkeit: In Condos Tryptichon explodiert der Rumpf des gekreuzigten Jesus in einer Konfettifontäne. Den frommen Betrachter verschrecken solche Bilder zunächst. Letzten Endes setzen sie aber Denkprozesse in Gang.

Neben 66 Gemälden aus unterschiedlichen Schaffensperioden ist eine Auswahl neuester Werke sowie zehn Bronzebüsten zu sehen. Die Gesichter seiner Figuren spielen eine zentrale Rolle: Mal sind sie extrem verzerrt, beängstigend oder belustigend, mal werden sie als Leerstelle inszeniert. Das Acryl-Gemälde „The Objective Idealist“ zeigt einen Aristokraten in edlem Gewand, der materiellen Dingen offenbar große Aufmerksamkeit zu schenken scheint und darüber zum Gesichtslosen wird.

Einflüsse von Warhol, Basquiat und Haring

Auch wenn Condos Werke zum Großteil aus solchen Skurrilitäten bestehen, gibt es reichlich Querverweise auf Epochen und Stile der Malerei von Barock über Kubismus, abstrakten Expressionismus und Pop Art. Die Einflüsse kommen nicht von ungefähr: Condo war für zwei Jahre in Andy Warhols Factory tätig und mit Jean-Michel Basquiat und Keith Haring bekannt.

Außerdem kann man eine klare Parallele zu den Werken Picassos entdecken, insbesondere seiner Art, das Sujet in viele prismatisch aufgespaltene perspektivische Fragmente zu zerlegen. Gerade neue Werke wie „Celestial bodies“ und „Three Graces“ erinnern an die „Demoiselles d’ Avignon“ – wenn auch in zugespitzter Form.

Condo selbst war wiederum Inspirationsquell für Beatnik-Autoren wie William S. Burroughs und Allen Ginsberg. Aus seinem Engagement in Mode, Musik und Street Culture ergab sich 2010 die Zusammenarbeit mit dem HipHop-Star Kanye West, für den er ein Albumcover entwarf. Der Titel „My beautiful dark twisted fantasies“ korrespondiert nur zu gut mit Condos verzerrt-pathetischen Fantasiewesen.

 „George Condo: Mental States“ bis 28. Mai in der Kunsthalle Schirn, Römerberg, Frankfurt. Geöffnet: Dienstag sowie Freitag bis Sonntag 10-19 Uhr, Mittwoch und Donnerstag bis 22 Uhr.

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