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Erika Skrotzki spielt „Heilige Johanna der Einbauküche“ im Volkstheater Frankfurt

Frau auf Reise zu sich selbst

Frankfurt - Eine Frau, die den ganzen Tag an der Spüle steht, geht nicht abends ins Kino, um eine Frau zu sehen, die an der Spüle steht? Dieser alte Hollywood-Grundsatz wird im Frankfurter Volkstheater glanzvoll widerlegt: Von Markus Terharn

Erika Skrotzki Theater

© Volkstheater

Als Anni beweist Erika Skrotzki Mut zum ausgefallenen Aufzug.

Es lohnt sich, das Haus am Großen Hirschgraben aufzusuchen, um eine Frau zu sehen, die an der Spüle steht; auch für Männer!

Diese Frau hat 1986 unter dem Namen Shirley Valentine das Rampenlicht erblickt und es im gleichnamigen Stück des Briten Willy Russell zu emanzipatorischer Berühmtheit gebracht. Im Deutschen trägt sie den hübschen Beinamen „Die heilige Johanna der Einbauküche“. Die Erfolgskomödie hat Sylvia Hoffman, die künstlerische Leiterin der Liesel-Christ-Bühne, stimmig ins Frankforderische übertragen und hinreißend inszeniert.

Mit der Wahl der Hauptdarstellerin hat Hoffman einen echten Glücksgriff getan. Die fernsehbekannte Erika Skrotzki, in Wiesbaden geboren und in Berlin lebend, hat das Hessische ebenso drauf, wie ihr das Schnoddrige liegt. Ideale Voraussetzungen für eine Figur, die allein vor dem Publikum steht, aber eine Fülle weiterer Charaktere lebendig werden lässt.

„Das ist meine kleine Welt“, so tönt es treffend vom Band, wenn sich der Vorhang hebt und den Blick auf die knallbunt in den Hintergrund gepinselte Küche freigibt. Einst haben Anni Schmidt, wie sie hier heißt, und ihr Mann Peter sie gemeinsam aufgebaut, gestrichen und sich danach gegenseitig die gelbe Farbe vom Leib gewaschen. Jetzt muss sie jeden Abend das Essen parat halten, wenn er von der Arbeit nach Hause kommt. Zwischen Kochen, Waschen, Putzen und Pediküre bleibt Zeit, der Vergangenheit nachzuhängen, über die Gegenwart zu klagen und von der Zukunft zu träumen.

Doch wer seine Träume verwirklichen will, muss aus ihnen erwachen. Das tut Anni, als eine Freundin sie zu zwei Wochen Griechenland überredet: Ortsveränderung nach der Pause, Beifall für Gerhard Wegers gemalte Urlaubskulisse. Der Auslandsflug wird eine Reise zu sich selbst.

Weitere Vorstellungen bis 27. November

Da sind Skrotzki längst alle Herzen zugeflogen. So urkomisch wie anrührend babbelt Anni aus ihrem Leben. Befürchtungen, dass die Reihung von Monologen ermüden könnte, zerstreut sie im Nullkommanichts. Zum einen sind die wechselnden, bezeichnenden Kostüme von Bärbel Christ-Heß stets für einen Lacher gut. Zweitens erweist sich Hoffman erneut als große Inszenatorin von Frauenrollen. Drittens gibt Skrotzki die unsichtbar bleibenden Mitmenschen der Protagonistin mimisch-sprachlich wieder, dass es eine wahre Wucht ist.

Autor Russell hat sein Ohr für weibliches Denken und Reden im erlernten Beruf als Damenfriseur geschult. Sein Text bietet geistreiche Bonmots wie dieses: „Die Ehe ist wie der Nahe Osten, es gibt keine Lösung.“ Es gibt indes Wege zum Glück. Und nichts sonst spielt Skrotzki derart umwerfend wie das Aufblitzen von Seligkeit ...

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