„Heftig: Hi Visuelle Gestaltung“ bis 10. Juni im Offenbacher Klingspor-Museum

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    • 21.04.12
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Gruseliger Totentanz

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Offenbach - Derartig Apokalyptisches wie im Klingspor-Museum hätte man aus dem idyllischen Luzern kaum erwartet. Von Reinhold Gries

© Gries

Monumental: Jahrhunderte der Kunst- und Kulturgeschichte fügt das 15 Meter lange Leporello „Bastokalypse“ zusammen. Fotos:

Gespenstische Menschwesen, aufgeknüpft an einem Galgenbaum wie bei Jacques Callots Stichen zum 30-jährigen Krieg; verheerende Szenerien, nachempfunden den Luftaufnahmen der US-Armee vom zerstörten Köln 1945; auseinanderfliegende Städte wie bei den Expressionisten Ludwig Meidner, Franz Masereel oder George Grosz.

Dazwischen sich windende Kreaturen wie bei Picassos „Guernica“, urbane Zivilisation, im Horror-Comic pulverisiert, bedroht von gefräßigen Flugmonstern und begleitet von ratternden Sprech-Salven.

Schockierende Totentanz-Zeichenflut

„Bastokalypse“ nennt sich diese schockierende Totentanz-Zeichenflut, basierend auf 32 Schwarzweiß-Gemälden von „M.S. Bastian“ und „Isabelle L.“. Im Gestaltungsbüro „Hi Visuelle Gestaltung“ von Megi Zumstein (geb. 1973) und Claudio Barandun (geb. 1979) ist dieser Bilderreigen des Entsetzens in ein 15 Meter langes Leporello eingegangen. Man kann es als Panorama auf die Kanten stellen oder Seite für Seite durchblättern und feststellen, wie übergangslos sich Jahrhunderte von Kunst- und Kulturgeschichte zusammenfügen lassen. Kunstkritiker Konrad Tobler kommentiert das, was auch ein makabres Bilderrätsel ist, auf den Rückseiten und bebildert es mit den Bildquellen wie Art Spiegelmans „Maus“-Comic zu Auschwitz, Hokusais Holzschnitten, John Heartfields Hitler-Persiflage, Hieronymus Boschs Höllenreich oder Szenen aus dem Atelier Walt Disneys.

© GriesKatalog für das Modearchiv des Künstlers Bernhard Willhelm.

Den „Hi“-Gestaltern sei Dank, ist das gruselige Monumentalwerk nicht alles, was aus Luzern heftig nach Offenbach gekommen ist. Denn das preisgekrönte Designer-Büro steht für innovative mitteleuropäische Typographie. Das Schwarze in der Kunst findet allerdings auch auf seinen vielschichtigen Faltplakaten Platz, bei Ankündigungen von Hitchcock-Filmen zu den Winterthurer Lichtspieltagen, Ingmar Bergmans Psychodramen oder „kulinarischen Filmnächten“. Dazwischen laden am Computer „collagierte“, lebendige Zeilen zu den „Googoo Bombos“ oder zu den „Rumpelnden Stilzchen“ zum Einlesen. Dazu kann man das Monatsprogramm des Winterthurer Kulturzentrums Gaswerk, in immer neuen Schrifttypen „signalästhetisch“ mit je einer Farbe vereint, zusammenfalten, in die Tasche stecken und mitnehmen.

„Heftig: Hi Visuelle Gestaltung“

Spielerischen Umgang mit Schrift pflegt auch der bunt gemachte und charaktervoll typographierte „Petzi Club Guide“ für Schweizer Musikclubs oder beim Gestaltungskosmos des deutsch-belgischen Modedesigners Bernhard Willhelm von der Gruppe „Antwerpen Six“, der sein widerständig-kreatives Kleiderarchiv dem Antwerpener Mode-Museum vermacht hat und per Katalog vorstellt. Auch Willhelm steht für eine neue Generation von Designern, die nicht in gängige Schubladen passen. Entdeckt wurden die Luzerner beim vielbeachteten Grafikdesigner-Workshop der Offenbacher Hochschule für Gestaltung im Februar 2011.

„Heftig: Hi Visuelle Gestaltung“ bis 10. Juni im Offenbacher Klingspor-Museum. Geöffnet: Dienstag, Donnerstag und Freitag 10-17 Uhr, Mittwoch 14-19 Uhr, Samstag und Sonntag 11-16 Uhr.

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