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Junge Deutsche Philharmonie mit Projekt „Klang – Raum – Wien“ in Frankfurt

Walzermelange und Sachertorte

Frankfurt - Vier Tage lang hat die Junge Deutsche Philharmonie Wien nach Frankfurt gebracht. Genauer das Wien der Wende zum 20. Jahrhundert, mit Walzermelange oder „Traumzeiten“ als Gruß an Sigmund Freud. Von Axel Zibulski

© Sauda

Ein paar Tage lang lag Wien zumindest musikalisch am Main.

Sogar die Sachertorte durfte beim Musik-Parcours in der Frankfurter Innenstadt nicht fehlen, wo Musiker des Studentenorchesters an verschiedenen Orten ihr Projekt „Klang – Raum – Wien“ vorantrieben. Viel Donaustädtisches erklang auch beim Abschlusskonzert in der Alten Oper.

Ziemlich schrullig, klein und hässlich muss man sich den Wiener Komponisten Alexander von Zemlinsky vorstellen – ein potenzieller Kandidat für Seelenheiler, dieser zeitweilige Lehrer und spätere Schwiegervater Arnold Schönbergs. Werke dieser Komponisten spannten den Rahmen für das Wiener Programm. Bereits in der Aufführung von Zemlinskys „Sinfonietta“ D-Dur op. 23 ahnte das Publikum, warum es eine gute Entscheidung war, das Finale allein den Streichern mit Schönbergs „Verklärter Nacht“ anzuvertrauen: Dirigent Peter Rundel konnte in Zemlinskys 1934 komponiertem Werk – eine Miniatur nur in der Form, nicht hinsichtlich der Besetzung – vor allem vom Streicherkörper alle Farben, Zwischentöne und Schattierungen abrufen, die ihre glänzende Instrumentierung verlangt.

Zugabe: „Wachet auf, ruft uns die Stimme“

Spröde mag selbst die Ballade des Mittelsatzes klingen, harmonisch verschroben das Rondo-Finale: Für Orchester-Kulinariker boten Rundel und die Junge Deutsche Philharmonie dennoch 20 niveauvolle Minuten. Und Schönbergs Streichorchesterfassung seines Sextetts „Verklärte Nacht“, vom gleichnamigen Gedicht Richard Dehmels inspiriert, war eine wohltönend warme, milde und perfekt gespielte Seelenmusik.

Einschränkungen waren in Kauf zu nehmen, soweit es das Zusammenwirken mit der Solistin anging, weil Pianistin Angela Hewitt dem Orchester oft einen kurzen Moment vorausspielte, selbst beim Schlussakkord von Wolfgang Amadeus Mozarts Konzert für Klavier und Orchester c-Moll KV 491. Zeitlich ein Sprung um mehr als 100 Jahre in die Vergangenheit, als Seelenmusik in Moll aber bestens ins Konzept passend: Hewitt spielte mit Klarheit, Stringenz und Schnörkellosigkeit der versierten Bach-Interpretin, nur ein Mindestmaß an Verzierungen einsetzend. Eine Bearbeitung von Johann Sebastian Bachs „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ war ihre Zugabe.

Die Philharmonie widmete sich noch der Wiener Gegenwart und ergänzte das Komponistenporträt, dem dort lebenden Beat Furrer gewidmet, mit den katastrophischen Tutti-Stürzen und fast schmerzhaften Schlagwerk-Steigerungen von dessen vier Jahre altem Orchesterstück „Phaos“. Aus Wien stammte auch die Zugabe – die „Fledermaus“-Ouvertüre von Johann Strauß.

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