Kiss werben in Frankfurt für Tournee

Kein Dicker in Strumpfhosen

001.03.1001.03.10|KulturFacebook
Artikel drucken|Artikel empfehlen|Schrift a / A

Frankfurt - Opulent bis feudal gestaltet sich das lustige Musikantenleben – meint zumindest der Volksmund über die Gepflogenheiten berühmter Zeitgenossen. Von Ferdinand Rathke

© op-online

Unmaskiert, aber längst nicht gezähmt: Gene Simmons, Eric Singer, Paul Stanley und Tommy Thayer sind Kiss

In Teilen bestätigt wird der Eindruck, wenn die schon etwas betagteren Herren von Kiss zum Stelldichein in die Frankfurter Luxus enklave Villa Kennedy laden, um in einer knappen Stunde in behaglicher Atmosphäre über die Tournee „Sonic Boom Over Europe: From The Beginning To The Boom“ anlässlich des 35. Bühnenjubiläums zu plaudern. Ganz so vollmundig wie früher inszenieren sich Kiss heute nicht mehr. Längst im Trockenen haben die kaum merklich gealterten Musiker ihre Milliönchen – da genügt es den „Schweinhunds of Rock“, wie der deutschstämmige Bassist Gene Simmons seine Formation bezeichnet, mit überwiegend moderatem Auftreten auf „The Avatar Of Concerts“ aufmerksam zu machen.

Mächtig reingebuttert aus eigener Tasche haben Kiss in die technisch aufwendige Produktion, die in Leipzig (25. Mai), Berlin (26. Mai), Hamburg (31. Mai), Oberhausen (1. Juni) sowie „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ (3. bis 6. Juni) Station machen wird. Eine lückenlose Rückschau der künstlerischen Entwicklung garantiert das US-Quartett zwischen Appetit anregenden Happen und deftiger Kartoffelsuppe.

„Wir spielen, was die Fans wünschen“, erläutert Sänger und Gitarrist Paul Stanley das Konzept, um aber auch gleich klar zu stellen: „Wir spielen aber auch Stücke von unserem neuen Album ,Sonic Boom’.“ Weit weniger auskunftsfreudig reagiert die mit Schlagzeuger Eric Singer und Gitarrist Tommy Thayer komplettierte Band auf leidiges Nachfragen bezüglich der Bühnenshow. Außer dass viel Feuer und Rauch sein wird, lassen sich die augenscheinlich selbstverliebten Herren nichts entlocken. „Ihr würdet ja auch nicht gern vorher erfahren, was ihr zu Weihnachten bekommt“, entgegnet Simmons einer allzu hartnäckigen Nachfragerin.

Kernfrage nach Workouts, Joggen, Gewichtheben

Sarkastisch wird es gar, als eine weitere Dame die nicht uninteressante Frage stellt, wie viel Zeit sie in ihrem Leben damit zugebracht haben, Make up aufzulegen? Ganz uncharmant antwortet der sonst seinem Ruf als Frauenbetörer bereitwillig nachkommende Simmons. Dass alle vier Ästheten sind, macht indes die Frage nach dem gegenwärtigen Zustand der Fitness klar: „Niemand will dicke Kerle in Strumpfhosen sehen“, erläutert der mit ungewohnter Kurzhaarfrisur recht kokett wirkende Paul Stanley. Vergisst aber geflissentlich, die Kernfrage nach Workouts, Joggen oder Gewichtheben zu beantworten.

Als „gute Freunde“ bezeichnen Kiss die Scorpions, die sich ja auf Abschiedstournee befinden. Eine Option, ebenfalls mal dem Schaugeschäft endgültig den Rücken zu kehren, sehen die beiden Strategen Simmons und Stanley indes noch nicht. Schlicht begeistert zeigen sie sich allerdings von Luxustickets in Höhe von 1.000 Euro, die es dem Besitzer erlauben, das berüchtigte Kleeblatt nach der Show persönlich kennen zu lernen. In Zeiten allgemeiner Krise erinnert das lukrative Vorhaben irgendwie fatal an Außenminister Guido Westerwelles „spätrömische Dekadenz“.

zurück zur Übersicht: Kultur

  • BlinkList
  • del.icio.us
  • Folkd
  • Furl
  • Google
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • oneview
  • Yahoo MyWeb
  • YiGG
  • Webnews
Diese Seite bookmarken bei...
Schliessen

Artikel empfehlen!

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Mehr erfahren Sie in Ihrer Tageszeitung - kostenlose Leseprobe bestellen

Kommentar schreiben

Letzter Kommentar zu diesem Artikel:

Keine Kommentare vorhanden.

Eintrag verfassen

Community

Schreiben Sie zum Beitrag Ihre Meinung oder laden Sie Bilder und Videos zu ihrem Profil hoch. In unserer Community lernen sie sicher auch neue Freunde kennen.

Registrieren / Login

50.097236,8.6701497

Aktuelle Videos

Szene - junge Kultur

Robert Johnson in Offenbach: Pure Beats in einem der besten Clubs der Welt
Robert Johnson: Ganz oben ohne Höhenflug

Es gibt Nächte im Robert Johnson, die sind einfach perfekt. Aus den Boxen wummern satte Bässe, auf dem Floor schlägt totale Begeisterung in völlige Ekstase um und über dem Main geht langsam die Sonne auf. Von Denis Düttmann Mehr...

op-online.de wagt einen Blick in die Beta des neuen WoW-Addons
Wenn ein uralter Schrecken eine Welt ins Chaos stürzt...

Die Erde bricht auf, Vulkane verschießen glühende Lava, Dörfer und Städte werden zerstört, Strände überflutet und einst karge Landstriche erblühen in neuer Pracht. Ein Blick in ein anderes Universum. Von Jan SchmittMehr...

„Poetic Voices“: Frankfurter Studis dichten auf Englisch
Liebe zur Lyrik

Gedichte? Da stellen sich doch der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung die Nackenhaare auf. Elitäre Sprache und „Foltermittel“ wie Metrum oder Kadenz – das ist doch nur abgehobenes Zeug. Stimmt‘s? Falsch! Von Veronika SzeherovaMehr...

LokalesNachrichtenSportCommunityFreizeitServiceMarktplatzZeitung

Artikel lizenziert durch © op-online
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.op-online.de