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Die Post-Hardcore-Formation „Leuchtturm am Ende der Welt“ will die Nähe zu den Fans

Mit Weitsicht ganz nah dran

Fans haben sie, aber die sind irgendwie anders. Zwar hat Sänger Robin bei Auftritten das Mikro noch die meiste Zeit für sich alleine, aber wohl nur, weil die Texte der Post-Hardcore-Band in der Szene bisher kaum jemand kennt. Von Sebastian Faerber

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Doch setzt er zum Refrain an, greifen erste Hände aus der Traube der im Takt springenden Menge und zerren an dem silbernen Verstärker. Den Stimmen, die dann über die Boxen kreischen, fehlt es hörbar an der Durchschlagskraft, die der eigentliche Frontmann in Marsch zu setzen vermag. Trotzdem gewinnt die Musik, weil sie dadurch für die Zeit eines Auftritts eine Gemeinschaft offen legt. Schreikultur 2.0 könnte man sagen, aber das träfe es nicht ganz, denn dahinter verbirgt sich mehr.

Vor etwas über einem Jahr haben Sänger Robin Horst, Gitarrist und Synthesizer Oliver Haas, Bassist Silvan Ettle und Schlagzeuger Johannes Krüger die Darmstädter Post-Hardcore-Band „Leuchtturm am Ende der Welt“(LEW) gegründet. Seitdem ist bei ihnen einiges passiert, das symbolisch nicht nur für ein Musik-Genre im Aufwind steht, sondern für eine Jugendkultur, die nach einer rund zehnjährigen Durststrecke wieder an Boden zu gewinnen scheint.

Den Do It Yourself-Gedanken übernommen

„Aus dem traditionellen Hardcore haben wir den Do It Yourself-Gedanken übernommen, sich nicht auf andere zu verlassen, frei zu sein und möglichst viel selbst auf die Beine zu stellen“, erklärt Oliver Haas im Proberaum der Band. Das dunkle Zimmer befindet sich im Elternhaus von Robin Horst, so dass die Combo zum Üben nach Groß-Gerau muss. Wie zum Beweis dieser Selbstständigkeits-Kultur steht Robin auf und klopft gegen die Wand. „Wir haben zwei Schichten Rigipsplatten eingesetzt und die nach innen mit Teppich verkleidet, um den Schall zu dämpfen.“ Außerdem haben die Vier eine eigene Website, auf der ihre Songs zum kostenlosen Download bereit stehen (http://www.leuchtturmamendederwelt.de) und nehmen nicht nur ihre Lieder selbst auf, sondern designen auch Fan-Shirts mit Schablonen und Bleichmittel in Eigenregie.

Hinter all dem steckt eine Lebenseinstellung. Setzten sich die Lieder der traditionellen Hardcore-Bands der 80er noch mit politischen Themen auseinander, steckt im Post-Hardcore von LEW eher Zwischenmenschliches (auch mal von Goethes Faust inspiriert) oder Alltagsphilosophie. Und die schreibt nicht selten Oliver nieder, 24 Jahre alt, Physiker: „Mit unserem heutigen Wissen können wir die Welt besser verstehen. Dass sie dadurch entzaubert wird, finde ich nicht schade, sondern faszinierend und spannend.“ Mit dieser Weitsicht als selbst auferlegtes Ziel im Hinterkopf ist auch der Name entstanden, der im Original Titel eines Jules Verne-Romans ist.

„Schreien verbindet man automatisch mit Aggressionen“

Verlassen die Strophen dann die Kehle von Sänger Robin, können sie beim unkundigen Hörer für Verwirrung sorgen. „Schreien verbindet man automatisch mit Aggressionen“, sagt der Frontmann, „aber, wer unsere Texte kennt, weiß, dass wir keine brutalen Lieder spielen.“ Das Brüllen ins Mikrofon, auch gemeinsam und vor allem inmitten der Fans, ist Markenzeichen fast aller Hardcore-Formationen. Ein scheinbarer Gegensatz zwischen Inhalt und Ausdruck, mit dem die vier Musiker gerne experimentieren. „Ich denke, weil wir uns durch die vielen Variationsmöglichkeiten ausleben können, sind wir Vier auch bei dieser Musik gelandet“, ergänzt Oliver.

Rubriklistenbild: © p

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